Kreis Haßberge
Natur

Haßberger wandern durchs wilde Transkarpatien

In der Ukraine finden sich die letzten Urwälder Europas. Die Mitglieder des Naturschutz-Stammtisches Haßfurt starteten zu einer abenteuerlichen Reise in ein so nahes und doch so fremdes Land. Und waren begeistert.
Kleiner Mensch im Wald der Riesen: So groß werden Buchen, wenn sie wie in der Ukraine  in aller Ruhe alt werden dürfen.
Kleiner Mensch im Wald der Riesen: So groß werden Buchen, wenn sie wie in der Ukraine in aller Ruhe alt werden dürfen.
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Tschernobyl und Fußball-EM: Das sind zwei Stichwörter, die den meisten Menschen einfallen dürften, wenn sie an die Ukraine denken. Darüber hinaus ist dieses Land im Osten Europas weithin Terra inkognita, unbekanntes Land. Schade oder zum Glück: Denn die Einsamkeit weiter Regionen des nach Russland größten Landes Europas hat dazu geführt, dass einzigartige Naturlandschaften fast unberührt erhalten geblieben sind.
Auf dieses unbekannte Terrain wagte sich der Haßfurter Naturschutzstammtisch. Der Ausflug führte in das über 1000 Kilometer entfernte Transkarpatien, in die Urwälder der Ukraine. Die Region Transkarpatien, was übersetzt so viel wie jenseits der Karpaten bedeutet, liegt an der ukrainischen Südwestgrenze zu Polen, Ungarn, Slowakei und Rumänien.
Durch die gemeinsame Grenze zu vier europäischen Nachbarn spielt Transkarpatien seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle als Verbindungsglied zwischen dem europäischen Norden und Süden, Westen und Osten, berichtet der Biologe Jürgen Thein aus Haßfurt. Als Grenzland war es damit zwangsläufig wechselnden Herrschaftsansprüchen verschiedener europäischer Großmächte ausgesetzt. Dies spiegelt sich immer noch in der Bevölkerungsstruktur der Region wider, die aus 30 Nationalitäten und 27 verschiedenen Religionen besteht.

Einzigartig in Europa


Genauso vielschichtig wie die Geschichte Transkarpatiens ist seine Landschaft. Dort wachsen Urwälder, die nach Größe und Wert als einzigartig in Europa gelten dürfen. Folgerichtig sind sie seit dem Jahr 1992 durch ein Biosphärenreservat geschützt und seit 2007 auch Unesco-Weltnaturerbe - ein Titel, der auch für den Steigerwald im Gespräch war und ist.
Die beiden Reiseführer Jürgen Thein und Forstingenieur Jens Schlüter gaben dem Naturschutzstammtisch tiefe Einblicke bei einem Rundweg durch den beeindruckenden Urwald, der mit seinen Strukturreichtum an liegendem und stehendem Totholz und der Mischung verschiedenster Altersstadien einer Vielzahl bedrohter Pflanzen- und Tierarten Heimat gibt. Ebenso vielseitig wie die Urwälder zeigt sich die reich strukturierte Kulturlandschaft. Bei einem Besuch der Auwälder am Fluss Theiss konnten so unter anderem Zwerg- und Flussseeschwalben bei der Jagd nach kleinen Fischen zwischen den Kiesbänken beobachtet werden.
Der Besuch einer Rettungsfarm für den ukrainischen Wasserbüffel erlaubte Einblicke in das Engagement lokaler Artenschützer für den Erhalt bedrohter Haustierrassen.

Mit den Vögeln schlafen


Die Vogelliebhaber kamen bei dieser Reise auch sonst auf ihre Kosten. Wo sonst haben sie die Chance, mit den Rufen von Sperlings- und Raufußkauz schlafen zu gehen und am Morgen von Wiedehopf und Wendehals geweckt zu werden?
In einem kleinen Dorf, Nyschne Selitsche, war die Reisegruppe bei Gastfamilien untergebracht, wobei sie die überwältigende Gastfreundschaft kennenlernen durften. Zu den dort typischen Gerichten durfte natürlich immer auch ein Glass Wodka nicht fehlen. Dass die Ukrainer nicht nur gute Gastgeber sind, sondern auch zu feiern verstehen, erfuhr der Naturschutzstammtisch beim Auftritt der Musikgruppe Hudaki. Bei einem schwungvollen Abend wurde auf die vielen Erlebnisse der Reise angestoßen.
Diese war dort jedoch noch nicht am Ende, sondern führte zum Abschluss nach Lemberg, in die heimliche Hauptstadt der Westukraine. Untergebracht in einem zentral gelegenen Hotel, blieb zwei Tage Zeit, die historische Altstadt zu besichtigen und viel Wissenswertes über die Stadt zu erfahren, die einst eines der Zentren des österreich-ungarischen Kaiserreichs war. Nach zehn interessanten Tagen stieg der Naturschutzstammtisch schließlich am Lemberger Hauptbahnhof in den Zug gen Heimat ein und erreichte nach Zwischenstopps in Budapest und Wien Haßfurt. Im Frühjahr geht es wieder nach Transkarpatien, sagt Thein.
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