Was kann ein Schüler tun, der Probleme hat, gleich welcher Art: private, schulische, psychische? Er könnte sich an seinen Lehrer wenden. Oder an seine Eltern. Oder die Schulleitung. Jedoch ist die Hemmschwelle für den Schüler oft hoch, diesen Schritt zu tun. Und wenngleich zum Beispiel ein Lehrer einen Betroffenen vermutlich kaum abweisen würde, so müsste er sich doch fragen, ob er einer solchen Aufgabe zeitlich gewachsen wäre, angesichts seines eigentlichen Auftrags, nämlich den Unterricht zu gestalten.

Keine staatliche Förderung

Deswegen hat der Landkreis Haßberge in den vergangenen Jahren ein Netz an Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) aufgebaut: Jugendsozialarbeiter sollen sich vor Ort um Probleme an Schulen kümmern und Lösungen gemeinsam mit Schülern, Lehrern und Eltern finden.
Eine Struktur, die sich laut Landrat Rudolf Handwerker (CSU) bewährt hat und deren Weiterführung er am Donnerstag ausdrücklich dem Jugendhilfeausschusses des Landkreises Haßberge empfahl.

Nach den neuen staatlichen Förderrichtlinien muss sich der örtliche Träger der Jugendhilfe nun mindestens in Höhe der staatlichen Förderung an der Finanzierung beteiligen. Der Ausschuss ging sogar noch einen Schritt weiter und beschloss im Landratsamt in Haßfurt, die JaS weiter zu finanzieren, und zwar auch in Bereichen, die vom Freistaat Bayern im Landkreis Haßberge gar nicht gefördert werden: nämlich an Grundschulen. Die Landesregierung gibt hier nämlich nur Geld, wenn ein Migrantenanteil von über 20 Prozent vorhanden ist.

Im Jahr 2010 war ein Förderantrag der Grundschule Haßfurt bereits an dieser Hürde gescheitert - mit einem Migrantenanteil von 19,8 Prozent, wie Adelinde Friedrich vom Jugendamt dem Ausschuss berichtete.
Nun jedoch bewilligte der Jugendhilfeaussschuss den aktuellen Förderantrag der Grundschule Eltmann, die JaS in Form einer neu zu schaffenden Halbtagsstelle auch an dieser Schule einrichten zu dürfen. Damit eröffneten die Kreispolitiker auch anderen Grundschulen im Kreis diese Möglichkeit, sofern sich die zuständige Gemeinde oder Stadt an den Kosten beteiligt.

Offene Türen

Wie die Rektorin der Grundschule in Eltmann, Angelika Schmitt, betonte, sei dieser Schritt äußerst sinnvoll: "Ich denke, es ist einfach notwendig, frühzeitig anzufangen." Bereits heute arbeite ihre Schule mit der Jugendarbeit des Landkreises zusammen, allerdings könnte ein Jugendsozialarbeiter vor Ort wesentlich mehr ausrichten. Je eher man Kinder auffange und je intensiver man sie unterstütze, desto besser. "Ich verspreche mir ziemlich viel davon und sehe große Chancen auf Erfolg."

Landrat Handwerker stimmte ihr da voll zu: "Bei mir rennen Sie offene Türen ein. Der Staat macht's jetzt am Ausländeranteil fest, aber das ist meiner Meinung nach zu kurz gesprungen."

Umgesetzt wird die JaS vom Kreisverband Haßberge des Bayerischen Roten Kreuzes. Derzeit gibt es sieben Vollzeitstellen an acht Schulen im Landkreis. Elf Rot-Kreuz-Fachkräfte teilen sich diese Stellen auf (drei in Vollzeit, der Rest in Teilzeit). Die halbe Stelle für die Grundschule Eltmann und möglicherweise weitere Stellen, sofern weitere Anträge gestellt werden, sind hier nicht mitgezählt.

Zwei Schwerpunkte

Laut Dieter Greger, dem Geschäftsführer des Kreisverbandes, gibt es ein klares Aufgabenprofil, was die JaS leisten muss. "In diesem Rahmen gibt es eine Vielzahl an Projekten, die in Absprache mit den Schulen umgesetzt werden können", erklärt Greger.

Die Teamleiterin der JaS, Christiane Göbel, spricht von zwei Schwerpunkten. Es gebe die Einzelfallberatung und die soziale Gruppenarbeit. Bei letzterer werden Themen aufgegriffen, die an der jeweiligen Schule besondere Relevanz haben. So kann zum Beispiel das Thema "Soziale Netzwerke" behandelt werden und über damit verbundene Gefahren aufgeklärt werden sowie der Umgang damit geschult werden.

Probleme ernst nehmen

Dazu gibt es etwa erlebnispädagogische Übungen, in denen die Gruppenmitglieder Aufgaben gemeinsam lösen. In der Einzelfallberatung gehen die Pädagogen konkret auf einzelne Schüler ein, etwa Mobbingopfer (aber auch -täter), oder helfen bei psychischen oder bei schulischen Problemen.

Angst davor, dass seine Anliegen nicht ernst genommen werden, brauche kein Schüler zu haben: Das Hilfsangebot steht jedem offen, ein Urteil fällen die Pädagogen nicht, sie nehmen sich des Problems des jeweiligen Schülers an. "Hier geht es um den Ausgleich von Benachteiligungen", sagt Göbel. Außerdem sollen die Kinder und Jugendlichen unterstützt werden, eine "eigenverantwortliche und gemeinschaftsfähige Persönlichkeit" zu entwickeln.