Es hat ein bisschen gedauert, bis die bayerische Staatsregierung in München dahintergekommen ist: Ein Breitbandnetz baut sich nicht von alleine aus. Erst recht nicht im ländlichen Raum oder in strukturschwachen Gebieten. Der Landkreis Haßberge kennt das Problem, einige seiner 26 Kommunen sind zu Teilen mehr schlecht als recht ans schnelle Internet angebunden. Mit einem aufgestockten staatlichen Förderprogramm soll das besser werden.

Schnelles Internet ist im Zeitalter der neuen Medien und der Digitalisierung sowie der globalen Vernetzung einer der wichtigsten Standortfaktoren, was der Wirtschaftsförderer des Landkreises Haßberge, Michael Brehm, bei der Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Landkreises im Landratsamt in Haßfurt am Mittwoch betonte: "Breitband gehört mittlerweile zur Grundversorgung." Die Bereitstellung schneller Internetverbindungen sei für die Zukunftsfähigkeit von Städten und Gemeinden von so
essenzieller Bedeutung wie die ständige Versorgung mit Strom, Wasser oder Gas. Laut Brehm ging der Ausbau die vergangenen Jahre vergleichsweise schleppend voran, was mehrere Gründe hat.

Nach einem ersten Förderverfahren in 2007, als die Umrüstung von analogem ISDN auf DSL forciert wurde, vergingen fünf Jahre, bis ein neues Förderprogramm seitens der Staatsregierung gestartet wurde, informierte Brehm. 2012 entschloss sich Bayern dann, 150 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um besonders den Breitbandausbau im ländlichen Raum zu fördern. Sogenannte Ballungszentren (größere Städte, aber auch verhältnismäßig bevölkerungsreiche Kerngebiete etwa innerhalb eines Landkreises in eher strukturschwachen Gegenden) waren zu diesem Zeitpunkt schon recht ordentlich mit schnellen Leitungen versorgt.

Nun ging es darum, auch kleinere Stadt- oder Gemeindeteile anzubinden. Doch das 150-Millionen-Euro-Programm hatte neben dem als zu gering empfundenen Budget ein weiteres Problem: "Es war ein Verwaltungsmonster mit 19 Verfahrensschritten", sagte Brehm. Viele Gemeinden sahen sich überfordert mit der Antragstellung, an deren Ende ein Fördersatz von bis zu 80 Prozent der Ausbaukosten, jedoch maximal 500 000 Euro pro Kommune in Aussicht standen.

Zähes Vorankommen

Es war ein "zähes Vorankommen", wie der Wirtschaftsförderer erinnerte. Der Landkreis habe sich in der Pflicht gesehen, die Kommunen in dem Antragsverfahren zu unterstützen und zu begleiten, und tat dies auch. Nun hat jedoch die Landtagswahl in Bayern 2013 erneut eine Veränderung gebracht, die man aus kommunaler Sicht begrüßen dürfte: Aus den 150 Millionen Euro zur Förderung des Breitbandausbaus wurden 1,5 Milliarden Euro, zusätzlich sollten für bestimmte Gemeinden sogar Fördersätze über 80 Prozent möglich sein (so etwa haben Flächengemeinden mit weit verstreuten Ortsteilen wie zum Beispiel Maroldsweisach bessere Aussichten auf eine höhere Förderung als etwa eine Ein-Ort-Gemeinde wie Sand).

Mittlerweile gibt es laut Brehm auch wieder einen Wettbewerb unter den Netzbetreibern, jedoch sieht der Wirtschaftsförderer auch die Kommunen in der Pflicht, selbst Initiative zu ergreifen: "Im letzten Dorf kann man nicht erwarten, dass die Telekom Glasfaser verlegt", sagte Brehm. Dennoch sollten auch diese kleinen Orte angebunden werden, und das mit der neuesten Technik. Er sprach vom Ende der Kupfertechnologie (Kupferdraht war lange Zeit ein häufig verwendetes Medium zur Übertragung der Daten-Signale, bei den jetzigen Datenübertragungsvolumen heißt die Zukunft laut Brehm aber Glasfaser). Der Lückenschluss, wo selbst von der Hauptleitung bis ins Haus hinein Glasfaser verlegt werde, sei mancherorts bereits erfolgt.

Zweiklassengesellschaft

Es gelte jedoch, eine "Zweiklassengesellschaft" zu verhindern, bei der besagte Kerngebiete gut und kleine Dörfer unterversorgt blieben. Hier seien die Kommunen gefordert, sie sollten etwa bei jedem Straßenaufriss Leerrohre für Glasfaserleitungen mitverlegen. Dass der Breitbandausbau für die Zukunft des ländlichen Raums entscheidend ist, dürfte laut Brehm nunmehr jedem klar sein. "Ich denke, bei uns im Landkreis ist es erkannt worden", sagte der Experte.