Daniela Kaiser aus Gädheim hat seit 20 Jahren Schmerzen in ihrem linken Knie. Schon zwei Mal wurde sie hier operiert. Die nächste Stufe wird ein künstliches Kniegelenk sein.

"Ich versuche, diese Operation so weit wie möglich hinauszuschieben", erzählte sie, "doch bis dahin muss ich mit den Schmerzen leben." Weil dieses Thema in ihrem Leben eine wichtige Rolle spielt, hat sie bei den Gesundheitstagen im Landkreis Haßberge in Haßfurt den Vortrag "Schmerzen verstehen - schmerzfrei leben lernen" mit der Physiotherapeutin Sandra Neugebauer aus Haßfurt besucht.

Denkanstöße

Die Physiotherapeutin, die gerade ein Masterstudium Therapiewissenschaft mit dem Schwerpunkt Forschung in der Physiotherapie absolviert, gab den 20 Zuhörern Einblicke und Denkanstöße zum Umgang mit dem Schmerz.
"Schmerzen werden üblicherweise mit Medikamenten, Therapien oder Operationen behandelt", sagte sie, "wobei alle drei Methoden auch Nebenwirkungen haben können." Der Mensch sei eben keine Maschine, die repariert werden kann, wenn etwas "kaputt" sei. Den Schmerz verstehen, kann helfen: Schmerz ist, wie die Zuhörer erfuhren ein Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder möglicher Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird.

Der Mensch ist eine Einheit aus Körper, Psyche und sozialem Wesen

Das biopsychosoziale Menschenbild versteht den Menschen als Einheit aus Körper, Psyche und sozialem Wesen. "Alles steht in Wechselwirkung und beeinflusst sich gegenseitig", erklärte Sandra Neugebauer. "Einem Menschen, der gerne in Rente gehen will und gleichzeitig Rückenschmerzen bekommt, dem kann ich die Schmerzen nicht nehmen." Denn da funktionieren Wechselbeziehungen, wie sie deutlich machte.

Mut machte sie allen, die schon länger unter Schmerzen leiden, mit ihrem Zehn-Punkte-Plan. "Akzeptieren Sie den Schmerz, der ein Warnsignal ihres Körpers ist und erst im Gehirn zu dem Phänomen Schmerz verarbeitet wird", sagte sie. "Wünschen Sie sich kein Leben ohne Schmerz. Denn Schmerzen werden im selben Teil des Gehirns verarbeitet wie Gefühle. Ein Leben ohne Schmerz würde auch ein Leben ohne Gefühle bedeuten."

Es gibt wichtige Grundrechte

Sie riet den Betroffenen auch, sich am Genesungsprozess aktiv zu beteiligen, Prioritäten im Leben zu setzen und realistische Ziele anzugehen. Neugebauer machte auch auf Grundrechte aufmerksam: Nein sagen, Fehler machen, mit Respekt behandelt werden, weniger tun als menschenmöglich - und Entscheidungen nicht mit Worten oder Schmerzen rechtfertigen.

"Erkennen Sie auch Ihre Gefühle", riet Sandra Neugebauer, "denn Sie haben sie vielleicht lange vernachlässigt. Doch Gefühle, die nicht beachtet werden, äußern sich vielleicht irgendwann in Schmerzen." Entspannung und Bewegung, so hart es am Anfang erscheine, seien zwei wichtige, unabdingbare Punkte. "Außerdem sollten Sie das gesamte Bild betrachten und sich nicht nur auf Ihren Schmerz fixieren. Es gibt doch sicher auch schöne Dinge in Ihrem Leben und sogar schmerzfreie Zeiten."

Manche Patienten klagten darüber, dass sie immer Schmerzen hätten. Aber im Schlaf beispielsweise könne man keine Schmerzen empfinden. Erst beim Aufwachen, könne das Gehirn Warnsignale der Nerven in Schmerzen "verwandeln".

Der letzte Rat, den die Physiotherapeutin ihren Zuhörern mit auf den Weg gab, lautete: "Strecken Sie die Hände aus, gehen Sie auf andere zu, verkriechen Sie sich nicht, und teilen Sie ihr Wissen und Ihre Erfahrungen mit anderen." Gerade diese Aufforderung möchte sich Daniela Kaiser zu Herzen nehmen. "Wenn ich abgelenkt bin, empfinde ich die Schmerzen nicht so stark. Ich sollte mich nicht daheim verkriechen und auch nicht alles in mich hineinfressen, sondern lieber mit anderen reden. Das bringt sicher etwas und so werde ich das versuchen", sagte sie.

Wertvolles Gut: Gesundheit

Landrat Rudolf Handwerker jedenfalls konnte das große Angebot an Vorträgen, Workshops, Aktionen und einem Gesundheitsmarkt im Silberfisch, in den Turnhallen Ost/West und in der Welle nicht genießen: denn er "kränkelte", wie Siegmund Kerker mitteilte, dem "nichts fehlte" und der dem Kranken und allen Besuchern Gesundheit und Wohlbefinden wünschte.

Zwei Tage lang zogen die Gesundheitstage, die im Rahmen der Gesundheitsinitiative "Gesund.Leben.Bayern" des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit stattfanden, viele Besucher an. Die Organisation hatte das Gesundheitsamt am Landratsamt Haßberge in Kooperation mit der Stadt Haßfurt, den Haßberg-Kliniken, der Volkshochschule der Stadt Haßfurt und der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (KOS) sowie zahlreichen Ausstellern und Referenten übernommen, wobei alle Fäden bei Monika Strätz-Stopfer zusammenliefen.

Sie richtete daher ihren Dank an alle Mitwirkenden, die sich kostenlos in den Dienst der Gesundheitstage gestellt hatten und den Bürgern 130 Möglichkeiten des Zuhörens, Mitmachens und Ansehens offerierten, aber auch an alle, die hinter den Kulissen arbeiteten.

Ohne Gesundheit ist alles nichts...

"Gesundheit ist gewiss nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts" zitierte Siegmund Kerker den Philosophen Arthur Schopenhauer. Doch Gesundheit, Prävention und Lebensqualität seien nicht nur für ältere Menschen, sondern für alle von zentraler Bedeutung.

"Bei den Gesundheitstagen erhalten Sie Antworten auf Ihre Fragen, ob in einem der Workshops, in einem der Vorträge oder durch ein persönliches Gespräch und das ausgelegte Informationsmaterial", so Kerker. Der Landkreis selbst biete durch seine drei Haßbergkliniken, die sich in einem technisch und medizinisch hervorragenden Stand befänden, eine starke und leistungsfähige, stationäre Versorgung.

Daneben gestalte die Landkreisverwaltung in vielen anderen Bereichen Gesundheit und Leben mit. Ein "Zahnrad" in diesem System stelle seit 17 Jahren die KOS dar. So ergänzten die rund 50 Selbsthilfegruppen aus dem Gesundheitsbereich das Angebot, selbst für seine Gesundheit aktiv zu werden.

Der Landkreis könne meist nur Rahmenbedingungen schaffen, Qualitätsstandards sichern und positive Entwicklungen fördern. "Es sind die vielen Anbieter von Produkten und Dienstleistungen, die das Wohlbefinden der Menschen unmittelbar in den Händen halten", sagte Kerker mit einem Dank an alle Aussteller aus Haßfurt und Umgebung, die sich bei den Gesundheitstagen präsentierten.

Gesundheitsvorsorge über die Volkshochschule

Ebenfalls nur lobende Worte fand der amtierende Bürgermeister Reiner Schuster für die Gesundheitstage mit ihrem interessanten Rahmenprogramm als Info- und Mitmachveranstaltung. Er verwies darauf, dass auch die Stadt Haßfurt mit der VHS ein hervorragendes Angebot der Gesundheitsvorsorge anbiete.

Das Grußwort der Schirmherren, des Bayerische Staatsminister für Umwelt und Gesundheit, Dr. Marcel Huber, und der Staatssekretärin Melanie Huml verlas Dr. Jürgen Reimann, Leiter der Fachabteilung Gesundheitsamt. Darin heißt es unter anderem: "Die Gesundheitstage informieren über Gesundheitsthemen und motivieren zu einem gesundheitsbewussten Lebensstil. Unsere Gesundheitsinitiative "Gesund.Leben.Bayern" wiederum möchte die Bevölkerung über die positiven Auswirkungen von Sport und Bewegung informieren und ermutigen, körperlich aktiv zu bleiben."

Nach der Eröffnungsfeier, die Schüler der Musikschule "Dreiklang" aus Haßfurt unter der Leitung von Heimo Bierwirth mitgestalteten und bei der Tassilo Heinrich aus Haßfurt den Besuchern mit einem "Irish Dance" in das Reich der Stepper entführte, strömten die Besucher zu den vielen Anbietern, besuchten Vorträge oder machten bei den Workshops mit.