Jedes Denkmal hat eine eigene Geschichte, eine einzigartige bauliche Aussage, einen einzigartigen baulichen Zustand und steht räumlich in einem einzigartigen Kontext, sagt jemand, der sich damit auskennt: "Oft werden diese einzigartigen Merkmale als belastend oder unbequem empfunden", erklärt Bernhard Joos, der Ansprechpartner im Landratsamt Haßberge für Fragen rund um den Denkmalschutz. Unbequeme Denkmale können seiner Ansicht nach sein: Orte, an denen Menschen unterdrückt wurden, gelitten haben oder gestorben sind; Objekte wie bauliche Ruinen, deren Unterhaltung Geld kostet, ohne dass der Denkmalwert sofort erkennbar ist oder auch Objekte, in denen in der Restaurierungsphase unangenehme Überraschungen zu Tage treten.
"Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?" - so lautet das Motto des Tag des offenen Denkmals 2013, der im Landkreis Haßberge am Sonntag, 8. September, stattfindet.
Hinter dem Thema steckt die Frage: Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb?

Selten bequem

Bequem dagegen sind Denkmale in den allerwenigsten Fällen. Diese Erfahrung mussten viele Eigentümer und auch Kommunen oder die verantwortlichen Behörden der Denkmalpflege bereits des öfteren machen. Klar ist auch: Nicht jedes Gebäude kann und muss erhalten werden. Dennoch ist nach Ansicht der Denkmalschützer die gründliche Auseinandersetzung und Entscheidung darüber notwendig, welche Denkmäler geschützt werden sollen und wie Denkmäler verändert werden können, um zeitgemäße Nutzungen zu ermöglichen oder welche Denkmäler gegebenenfalls abgerissen werden. Der Tag des offenen Denkmals im Landkreis Haßberge zeigt anhand von verschiedenen Beispielen, dass es erstrebenswert ist, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und dass es sich lohnt, das historische Erbe für künftige Generationen zu bewahren.
Landrat Rudolf Handwerker freut sich, dass sich eine Vielzahl an Denkmal-Besitzern bereit erklärt haben, am Tag des offenen Denkmals mitzumachen, um ihre kulturhistorischen Schätze zu zeigen. Damit leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Heimat, glaubt der Landrat: "Ich danke allen ehrenamtlichen Helfern, Vereinen, Kirchengemeinden, den privaten Denkmaleigentümern, Architekten und Handwerkern, die sich aktiv für den Erhalt und die Pflege unseres kulturellen Erbes einsetzen."

Denkmal Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, können folgende Denkmale im Landkreis Haßberge besichtigt werden:

Schloss Friesenhausen 14 bis 17 Uhr, Führungen ab 14 Uhr halbstündlich, 18 Uhr Kammerkonzert im Saal, Klavierquartette von Mozart und Beethoven mit dem K.u.K. Quartett. Es ist ein zweiflügelicher Sandsteinbau, von 1593 bis 1701 auf den Grundmauern einer mittelalterli-chen Wasserburg errichtet, Schlosshof mit großer Toranlage und Reiterfiguren aus Sandstein, drei Obergeschosse, Stuckdecken, teilweise Originalausstattung von um 1700 erhalten. Informationen unter Telefon 09523/5401 oder im Internet unter www.schloss-Friesenhausen.de.


Karl-Hoch-Anlage in Ebern, Denkmal "Werden -Sein - Vergehen": 14 Uhr Führung durch Kreisheimatpfleger Günter Lipp. Das Denkmal stammt von Yrsa von Leistner (1917 bis 2008) und war ursprünglich für die Stadt Bonn bestimmt. Durch die Vermittlung von Bekannten der Künstlerin kam es 1965 in den Eberner Anlagenring. Es ist ein typisches Beispiel für den expressiven Realismus. Ansprechpartner: Günter Lipp, Telefon 09535/500.

Schloss Oberschwappach 14 bis 17 Uhr, Führung um 14 Uhr durch Robert Endres vom Kulturverein). 1733 bis 1740 errichtete Dreiflügelanlage, Stuckdecken, Sommersitz der Äbte des Zisterzienerklosters Ebrach, barocke Gartenanlage, Museum mit archäologischer und kunstgeschichtlicher Sammlung, Schwerpunkt: Barockzeit in Franken. Ansprechpartner: Robert Endres, Telefon 09527/ 530. Weitere Informationen unter www.knetzgau.de.

Königsberg Ansprechpartner für alle folgenden Denkmale in Königsberg ist Andrea Lutsch, Stadt Königsberg, Telefon 09525/922219.

Burgruine Königsberg 14.30 Uhr Führung durch Eddi und Michael Klug; zu sehen gibt es Reste spätmittelalterlicher Wehrbauten, Quadermauerwerk (errichtet um 1168 bis 1180). Umbauten un 1550, tiefer Brunnen um 1500, Graben mit Schalentürmen, Bastionen und äußerer Wallgrabenmauer (um 1500).

Ehemalige Kaplanei, Marienstraße 12 in Königsberg: 14 Uhr Führung durch Ines und Detlev Skroch, sonst nicht geöffnet. Zweigeschossiges Satteldachhaus mit spätbarockem Portal und Torbogen, Ende des 18. Jahrhunderts.

Fachwerkhaus, Marktplatz 3, in Königsberg; 14 Uhr Führung durch Ines und Detlev Skroch, sonst nicht geöffnet. Dreigeschossiges Mansarddachhaus mit Fachwerkobergeschossen von 1634, Erdgeschoss klassizistisch von 1802.

Wohnhaus, Marktplatz 4, in Königsberg; 11.45 Uhr Führung durch Daniela von den Höövel, sonst nicht geöffnet. Zweigeschossiger traufständiger Halbwalmdachbau mit verputztem Fachwerkgeschoss aus dem 18./19. Jahrhundert. Mit Rückgebäude und Scheune.

Rathaus Königsberg, Marktplatz 7, geöffnet von 11 bis 18 Uhr; 11 Uhr Begrüßung durch 3. Bürgermeisterin Dagmar Kirchner, 11.10 Uhr Kurzreferat zur energetischen Sanierung von Jürgen Bergmann, 11.30 Uhr Infos zu Zuschussmöglichkeiten bei Sanierungen (Johannes Mücke), 12.30 bis 13.30 Uhr Mittagessen von der Bürgerwehr, nachmittags Kaffee und Kuchen, 13.30 Uhr Führung mit Roland Erhardt.

Regiomontanushaus, Salzmarkt 6, Königsberg; 12.15 Uhr Führung durch Uta Adams, sonst nicht geöffnet. Geburtshaus des Astronomen und Mathematikers des 15. Jahrhunderts, sogenannte Trinkhalle.

Altes Brauhaus Köslau, 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Führungen nach Bedarf. Ehemaliges Brauhaus, eingeschossiger Satteldachbau mit straßenseitigem zweigeschossigem Zwerchflügel und Kniestock, erbaut um 1850. Nicht mehr als Brauhaus genutzt seit Anfang des 20. Jahrhunderts, seitdem leer stehend. Kauf 2011, Sanierungsbe-ginn 2012 mit dem Ziel einer neuen Nutzung als Ferienhaus.

Burgruine Altenstein, geöffnet von 11 bis 18 Uhr, sonst im Sommer von 8 bis 21 Uhr, im Winter von 9 bis 17 Uhr; Führungen um 13, 14, 15, 16 und 17 Uhr durch Mitglieder des Burg- und Heimatvereins; Ak-tionen: Kinderprogramm, mittelalterliche Musik, Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Getränke, Ausstellungen zum Thema "alte Berufe". Ansprechpartner: Nicolaus Kapp, Burg- und Heimatverein, Telefon 09535/1211, Rainer Kolb, Burg- und Heimatverein, Telefon 09535/1334. Weitere Informationen unter www.burg-altenstein.de.

Jüdischer Friedhof Kleinsteinach, 11 bis 18 Uhr, sonst auf Anfrage geöffnet; 14 Uhr Führung durch Israel Schwierz und Thomas Schindler. Für den Haßfurter Bezirk 1453 angelegt, erster lesbarer Grabstein von 1604, ursprünglich 1200 Grabsteine, heute rund 1004 Grabsteine, letztes Grab März aus dem Jahr 1942, Tahara-Haus, Kriegerdenkmal (1914 bis 1918). Ansprechpartner: Cordula Kappner, Telefon 09521/9585152; Weitere Informationen unter www.riedbach.de.

Stadtrundgang zu unbequemen Denkmälern in Zeil, 14 Uhr Treffpunkt an der Golgathakapelle auf dem Friedhof. Stadtrundgang mit Stadtarchivar und Heimatforscher Ludwig Leisentritt, Dauer: rund eine Stunde; Beginn auf der Golgathakapelle auf dem Kreuzfriedhof, Ende am Dokumentationszentrum Zeiler Hexenturm. Erläuterungen zu unbekannten Denkmälern, vom sogenannten Denkmal der Sühne, über das sogenannte Denkmal der Bosheit bis hin zum Denkmal für die Opfer. Ansprechpartner: Beate Reinhardt, Stadt Zeil, Tourist- Information, Telefon 09524/9490, oder Ludwig Leisentritt unter Telefon 09524/6555.

Weinhaus Nüsslein, Marktplatz 2, Zeil, 14 bis 17 Uhr, sonst 9 bis 18 Uhr geöffnet. Historisches Fachwerkanwesen von 1687 am Marktplatz, Castnerhaus-Zehnthaus. Mittelalterlicher Gewölbekeller (um 1250). Moderner Umbau und Erweiterung 2008 bis 2011, Nutzung für Weinproben und Veranstaltungen. Ansprechpartner: Roger Nüsslein, Telefon 09524/279. Weitere Informationen im Internet unter www.weinhaus-nuesslein.de.

Hexenturm Dokumentationszentrum Hexenturm in Zeil, Obere Torstraße 14, 10 bis 17 Uhr, sonst April bis Oktober Donnerstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr und auf Anfrage geöffnet. Dauerausstellung mit Informationen zum Denkmal in multimedialer Ausstattung. Oberer Stadtturm ab etwa 1430 gebaut, mit angrenzender ehemaliger Fronfeste aus dem früheren 18. Jahrhundert. Im Stadtturm gibt es bauliche Überreste eines Kerkers aus der Zeit der Hexenverfolgung. Die ehemalige Fronfeste bietet Dauer- und Wechselausstellungen zum Thema Hexenverfolgung. Ansprechpartner: Beate Reinhardt, Stadt Zeil, Tourist- Information, Telefon 09524/9490. Nähere Informationen gibt es auch im Internet unter: www.zeiler-hexenturm.de oder www.zeil-am-main.de.