Wegen vierfacher Körperverletzung und Bedrohung hat das Amtsgericht Haßfurt einen 44-Jährigen aus dem Landkreis Haßberge am vierten Verhandlungstag zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt. Die Vorsitzende Richterin Kerstin Leitsch bezeichnete die Aussage der Ehefrau als "glaubhaft".

Nach deren Angaben vor Gericht hat der Angeklagte seine 35-jährige Ehefrau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und anschließend die am Boden liegende Frau getreten. Zu einem anderen Zeitpunkt flüchtete die Frau ins Badezimmer, verschloss die Tür und setzte sich auf den Boden mit dem Rücken an die Tür gelehnt. Daraufhin trat ihr Ehemann die Tür ein und verletzte dabei seine Frau. Bei einer weiteren Gelegenheit warf er ihr die Fernbedienung des Fernsehers an den Hinterkopf. Im Jahr 2015 schlug er ihr im Streit einen Wasserkocher auf den Kopf, wodurch sie eine Platzwunde erlitt.

Mann soll seine Ehefrau bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und auf sie eingetreten haben

Bereits nach zwei Wochen habe sie ihn verlassen wollen, sagte die Ehefrau im Zeugenstand. Der Angeklagte habe ihr eine Waffe an den Kopf gehalten und gesagt: "Du gehst nirgendwo hin". Im Mai vergangenen Jahres floh die fünffache Mutter schließlich nach 15 Jahren Ehe-Martyrium ins Frauenhaus nach Bamberg und erstattete Anzeige gegen ihren Noch-Ehemann.

Der hüllte sich vor Gericht in Schweigen. Auch das Urteil nahm er regungslos hin. Er hatte zuvor beantragt, die Glaubwürdigkeit seiner Ehefrau in einem Gutachten nachzuprüfen. Außerdem sollten die fünf gemeinsamen, minderjährigen Kinder vor Gericht aussagen. Beide Anträge lehnte das Gericht ab.

Stattdessen glaubte die Vorsitzende dem Opfer vor allem wegen der "vielen Puzzle-Teilchen" in ihrer Aussage. So habe sie ein Plastikteil erwähnt, das vom Wasserkocher beim Zuschlagen abbrach. Sie erwähnte auch die Tatsache, dass ihr Mann die Platzwunde am Kopf mit Essig versorgte, sowie das abgebrochene Türscharnier der Toilette. Dies seien "Kleinigkeiten um die Kernvorwürfe, die für die Wahrheit sprechen", sagte die Richterin.

Nach 15 Jahren Ehe-Martyrium: Flucht ins Frauenhaus

Die Zeugin habe ohne Belastungseifer ausgesagt und sogar von sich aus den Kontakt ihres Mannes mit seinen Kindern ermöglicht, fuhr die Richterin fort. Dass sie erst nach 15 Jahren zur Polizei ging, sei nicht ungewöhnlich. Es sei nicht unüblich, dass häusliche Gewalt über Jahre verschwiegen wird.

Der Anklagepunkt der Leben gefährdenden Körperverletzung bestätigte sich vor Gericht nicht. Denn der Würgevorgang sei nur von sehr kurzer Dauer gewesen, so die Richterin. Es seien keine Würgemale sichtbar gewesen.

Zulasten des Angeklagten geht sein umfangreicher Bundeszentralregisterauszug mit 14 Einträgen, davon zwei einschlägigen Körperverletzungsdelikten. Der Angeklagte habe seiner Frau über Jahre hinweg ein Martyrium zugemutet und "erhebliche Rückfallgeschwindigkeit" bewiesen, erklärte die Richterin. Besondere Umstände, die eine Strafaussetzung zur Bewährung rechtfertigen, sehe sie "in keiner Weise" für den arbeitslosen und hoch verschuldeten Angeklagten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.