Mit den Worten "ich hoffe, ihr habt Verstärkung dabei" empfing ein heute 28-jähriger Mann aus dem Raum Ebern im östlichen Landkreis Haßberge zwei Polizeibeamte, die ihn am 11. Februar 2019 um zwei Uhr morgens aufs Revier mitnehmen wollten. Nach einem lautstarken Streit hatte die Lebensgefährtin des 28-Jährigen Angst um sich und das gemeinsame Kind. Eine Nachbarin hatte deswegen die Polizei gerufen.

Die Beamten forderten eine zweite Polizeistreife an - und die war auch nötig. Denn nur zu viert schafften es die Ordnungshüter, den Angetrunkenen zur Polizeidienststelle in Haßfurt zu bringen und ihm dort durch einen Arzt Blut abnehmen zu lassen. Dabei wehrte sich der 28-Jährigen mit aller Kraft. Er trat, schubste und beleidigte die Beamten. Einer von ihnen wurde am Knie getroffen. Er hatte starke Schmerzen, lief eine Woche lang an Krücken und war zwei Wochen lang krankgeschrieben. Sein Kollege wurde von dem Angeklagten auf ein Schreibpult geschubst. Er verletzte sich dabei am Handgelenk, war für einige Tage dienstunfähig und hatte zwei Wochen lang Schmerzen.

Sieben Monate Bewährung nach Angriff gegen Polizeibeamte

Jetzt bekam der 28-Jährige die Quittung für seine Tat am Amtsgericht in Haßfurt, das ihn zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten verurteilte, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt ist. Auf der Anklagebank entschuldigte er sich für sein damaliges Verhalten. Er habe bei einem Nachbarn Karten gespielt und Alkohol getrunken. Es sei zum Streit mit den Kartfreunden gekommen, der eskaliert sei.

Sein Nachbar habe ihn zu Boden gebracht und auf ihn eingetreten. Das habe seinen Aggressionsspiegel hochgeschraubt, schilderte der Angeklagte. "Normalerweise bin ich nicht so", beteuerte er. Wegen seines damaligen Alkoholpegels könne er sich kaum noch an die verhängnisvolle Nacht erinnern.

Der sei doch mit 1,28 Promille gar nicht so hoch gewesen, warf die Richterin ein, was von einem Polizisten im Zeugenstand bestätigt wurde. Der Angeklagte habe einen klaren Eindruck gemacht und sei auch normal gelaufen, sagte der Beamte. Der Schwiegervater des Angeklagten habe ihn nach der Blutabnahme nicht abholen wollen. Deshalb habe der Angeklagte in der Ausnüchterungszelle der Polizei übernachten müssen - auch um zu verhindern, dass er mit einem Taxi wieder zu seiner Wohnadresse fährt.

1000 Euro Schmerzensgeld für Polizisten

Vor Gericht einigte sich der Angeklagte mit dem am Knie verletzten Polizisten auf eine Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 1000 Euro. Er sitzt nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank. Fünf Einträge stehen in seinem Sündenregister, für die er jeweils eine Geldstrafe kassierte. Doch die gebe es bei Angriffen gegen Vollstreckungsbeamte nicht mehr, klärte die Richterin den Angeklagten auf. Denn der Gesetzgeber erhöhte den Strafrahmen, um nicht nur Polizisten, sondern auch Sanitäter oder Feuerwehrleute besser zu schützen. Der Strafrahmen beginnt daher bei drei Monaten und geht bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe.

Die Staatsanwältin hatte eine achtmonatige Bewährungsstrafe für den "Strauß von verschiedenen Straftaten" gefordert. Der Angeklagte dürfe froh sein, dass nichts Schlimmeres passiert sei, sagte sie.

Die Richterin blieb einen Monat unter dem Antrag der Anklagevertreterin. Als Auflage darf der Angeklagte ein halbes Jahr lang keinen Alkohol trinken. Seine Abstinenz muss er alle zwei Wochen belegen, indem er bei der Polizei einen Atemalkoholtest macht. "Ich habe Scheiße gebaut. Das wird nie wieder vorkommen", versicherte der Angeklagte in seinen abschließenden Worten.