Es ist zwar noch nichts in trockenen Tüchern, dennoch hatte der Beschluss des Knetzgauer Gemeinderats am Montagabend eben jene Signalwirkung, die sich Bürgermeister Stefan Paulus (SPD/CWG) gewünscht hatte. "Ich finde, wir müssen den Bürgern jetzt endlich mal das Signal geben: Steht der Gemeinderat dahinter oder nicht?", so hatte es Paulus kurz vor der Abstimmung formuliert.

Zuvor war das Thema kontrovers diskutiert worden: Soll die Gemeinde die ehemalige Gastwirtschaft "Schwarzer Adler" im Dorfzentrum des Ortsteils Westheim in Zusammenarbeit mit den Bürgern und den beiden Kirchen vor Ort für insgesamt 2,4 Millionen Euro zum Bürgerhaus umbauen? "Ja", sagte dazu der Gemeinderat mit 13 Stimmen, sieben Gremiumsmitglieder votierten dagegen.
Klar ist jedoch, dass auch unter den Ja-Sagern immer noch einige Skeptiker sind, denn viele Gemeinderäte drängten darauf, dass es noch eine Möglichkeit geben sollte, das Projekt auch nach dieser Abstimmung zu stoppen. Etwa, wenn sich an der Finanzierung etwas ändert. Es bestünde weiterhin die Möglichkeit, die Reißleine zu ziehen, versicherte Paulus den Gemeinderäten.

Zu der Sitzung waren rund 50 Zuhörer gekommen, dem Vernehmen nach fast ausschließlich Westheimer. Bürgermeister Stefan Paulus erklärte zunächst den derzeitigen Stand der Dinge. Die Förderquote sei hoch, die Finanzierung für die Gemeinde äußerst vorteilhaft. Die veranschlagte Summe von rund 2,4 Millionen würde sich wie folgt aufteilen: Katholische und evangelische Kirche vor Ort übernehmen jeweils 200 000 Euro, der Europäische Fond für regionale Entwicklung (EFRE) trägt 910 000 Euro dazu bei, durch den Denkmalschutz würden 600 000 Euro beigesteuert, so blieben 500 000 Euro an Eigenmitteln für die Gemeinde.


Anfangs skeptisch

Bis auf den Anteil des Denkmalschutzes (für diese Förderung liegt laut Paulus keine schriftliche Zusage vor) sei die Finanzierung gesichert. Sollten sich Kostensteigerungen ergeben, sei die EFRE-Förderung zudem nicht gedeckelt und würde entsprechend höher ausfallen. "Ich gebe zu, dass ich anfangs skeptisch war, dieses Gebäude zu sanieren", sagte er. Aber das Engagement der Westheimer Bürger und der Kirchen vor Ort habe ihn überzeugt, zudem sei die Finanzierung machbar. "Ich will nochmal betonen, dass wir die Zahlen nicht geschönt haben."

Mark Zehe (CSU) fragte explizit noch einmal bei Marco Depner nach, dem Leiter der Finanzverwaltung der Gemeinde Knetzgau: "Ist die Finanzierung aus gemeindlicher Sicht vertretbar?" Nach derzeitigem Stand ja, erklärte Depner, aber angesichts weiterer Investitionen in Millionenhöhe etwa bei der Schulsanierung und in Hinblick auf die Gesamt-Gemeinde sei es schwer abzuschätzen, wie sich die Lage in den kommenden Jahren verändert. "Die jetzigen Zahlen sind die Grundlage für den Beschluss", erklärte Stefan Paulus. "Wenn es große Änderungen gibt, ist klar, dass dann der Gemeinderat nochmal gehört wird."

Florian Klug (JL) merkte an, dass 500 000 Euro Eigenanteil akzeptabel seien, wenn man bedenke, dass auch ein Abriss und Rückbau des "Schwarzen Adlers" mehrere hunderttausend Euro kosten würde, "und dann haben wir nur einen ebenen Platz". Barbara Hein (CSU) wollte wissen: "Wenn wir heute dagegen sind, dann ist das Projekt gestorben. Ist das richtig?" Paulus sagte dazu: "Wenn es heute abgelehnt wird, sehe ich keinen Grund dafür, dass das noch weiter verfolgt werden soll." Und er sagte auch: "Es ist nicht mein Projekt. Es war ein Anstoß der beiden Kirchen."

Wilhelm Fuß (CSU) sagte, es sei den restlichen Bürgern der Großgemeinde Knetzgau nur schwer zu vermitteln, dass die Kommune bereit ist, in ein Gebäude, das keinen besonderen historischen Wert hat, 2,4 Millionen Euro zu stecken. Bernhard Jilke, Zweiter Bürgermeister (FDP/Freie Bürger), merkte an, das sei kein reines Westheimer Projekt. "Wir sind eine Gemeinde." Man dürfe nicht nur ortsteilbezogen denken.

Konrad Pfister (CWG) erklärte, dass 2,4 Millionen Euro "schon eine gewaltige Summe" seien. Gerade in Hinblick auf den kommenden Haushaltsplan blieb er skeptisch: Bis Ende 2015 habe die Pro-Kopf-Verschuldung in der Gemeinde bei null Euro gelegen. Bei den bevorstehenden Investitionen in den kommenden Jahren müsse man davon ausgehen, dass die Schulden pro Kopf bis 2019 auf 1450 Euro ansteigen. "Wir sollten uns das zweimal überlegen."


"Ansonsten ist dieser Ort tot"

Bürgermeister Paulus verteidigte das Projekt dennoch: "Niemand möchte in einem Gemeindeteil leben, in dem man nur schläft, um am nächsten Tag wieder auf die Arbeit zu fahren", sagte er. Man brauche so etwas wie das geplante Bürgerhaus, "ansonsten ist dieser Ort tot". Läuft das Projekt weiter und nach Plan, würde laut Paulus im Jahr 2018 mit dem Bau begonnen werden.