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Oberaurach
Gemeinderat

Gemeinderat Oberaurach: Hiebsruhe zum Wohl der Natur?

Die Grünen in Oberaurach machen sich für ein Naturschutzkonzept nach Ebracher Vorbild für den Gemeindewald stark. Teile der Waldfläche sollen aus der Bewirtschaftung genommen werden. Dafür gibt es Geld vom Staat.
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Totholz ist ein Lebensraum für viele seltene Pilz- und Insektenarten.  Foto: Archiv/Christian Licha
Totholz ist ein Lebensraum für viele seltene Pilz- und Insektenarten. Foto: Archiv/Christian Licha

Ein Naturschutzkonzept des Forstbetriebes Ebrach könnte möglicherweise auch im Gemeindewald Oberaurach umgesetzt werden. Das sogenannte "Trittsteinkonzept" stellte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Julian Bayer, am Donnerstag dem Gemeinderat in seiner Sitzung vor. Vorausgegangen dazu war ein schriftlicher Antrag an den Gemeinderat.

Von Seiten der Gemeindeverwaltung wurde eine Stellungnahme von Förster Albrecht Hartung angefordert, die dieser voraussichtlich in der nächsten Gemeinderatssitzung vorstellen wird.

Weltweite Bedeutung

Der Steigerwald ist eines der bedeutendsten Laubwaldgebiete Deutschlands. Der obere und nördliche Steigerwald ist geprägt von großen zusammenhängenden Staatswäldern. Wegen ihrer Naturnähe und der verbliebenen Artenfülle haben die Laubwälder des Steigerwalds eine europa- und weltweite Bedeutung für die Erhaltung der biologischen Vielfalt (Biodiversität).

Allein die Anzahl der Holz bewohnenden Käferarten, eine der wichtigsten Weisergruppen für die Biodiversität in Wäldern, wird auf 480 Arten geschätzt. 440 davon sind bereits in den vom Forstbetrieb Ebrach betreuten Staatswaldungen nachgewiesen.

Integratives Konzept

Das "Regionale Naturschutzkonzept" des Forstbetriebs Ebrach ist ein integratives Konzept, welches ein Nebeneinander von Artenschutz und Holznutzung auf der gesamten Waldfläche des Forstbetriebs anstrebt. Für die Sicherung der Biodiversität auch in Wirtschaftswäldern sind Strukturvielfalt und der Zugang zum Holz lebender und abgestorbener Bäume entscheidend. Kern des Konzeptes ist ein sorgfältig ausgewähltes und vernetztes System von dauerhaften Hiebsruhe- und Extensivierungsflächen.

Ein Ziel des "Trittsteinkonzeptes" ist es, Teilflächen aus der Bewirtschaftung zu nehmen. Nach dem Willen der Grünen in Oberaurach sollen dort fünf Prozent der Waldfläche in Hiebsruhe gestellt werden. Diese sollen über die gesamte Waldfläche verteilt sein (sogenannte Trittsteine). Weiterhin sollen Biotopbäume erhalten werden, die mit Spechthöhlen, Faulstellen, Pilzkonsolen, Astabbrüchen und Greifvogelhorsten Lebensräume für seltene Arten bieten.

Biotopbäume

Solche Biotopbäume entstehen in Wäldern immer wieder durch Naturereignisse (Stürme, Schneebruch) oder durch Spechte, wie Bayer erklärte. Für den Gemeindewald Oberaurach wünschen sich die Antragsteller zehn Biotopbäume pro Hektar, die markiert und erhalten bleiben sollen.

Durch das Vertragsnaturschutzprogramm Wald wird das Vorhaben mit 125 bis 195 Euro je Baum gefördert. Auch die Erhaltung von Totholz, das ein Lebensraum für viele seltene Pilz- und Insektenarten ist, sieht der Antrag vor. Durch Nutzungsverzicht abgestorbener und von Kronen gefällter Bäume kann Totholz gezielt angereichert werden.

Angestrebt wird eine Verteilung mit 15 Kubikmeter liegendes Totholz, fünf Kubikmeter stehendes Totholz inklusive Kronentotholz und 5 Kubikmeter Stöcke. Da Totholz, je nach Baumart und Stärke, 30 bis 50 Jahre im Wald verbleibt, bis es komplett zersetzt ist, bedeutet dies einen jährlichen Nutzungsverzicht von rund 0,5 Festmeter je Hektar, heißt es im Antrag. Bei einem jährlichen Zuwachs von mindestens sieben Festmeter je Hektar und Jahr entspreche der Nutzungsverzicht nur rund sieben Prozent.

"Das wertvolle Stammholz und ein Großteil des Brennholzes kann also weiter genutzt werden", stellte Bayer klar. Für stärkeres Totholz über 40 Zentimeter Durchmesser winke ebenfalls ein Zuschuss nach dem Vertragsnaturschutzprogramm Wald. Dieser betrage 90 Euro je Stück.