Unter dem Titel "Erinnern und Erleben" fand die zweite Demokratiekonferenz im Landkreis Haßberge im Rudolf-Winkler-Haus in Zeil statt. Die Demokratiekonferenz, die mindestens einmal im Jahr anberaumt wird, ist ein wichtiges Element der Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung für das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Bundesprogramm "Demokratie leben". Bei "Demokratie leben" geht es darum, sich aktiv gegen alle Formen von Extremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit zu stellen, ziviles Engagement von Bürgern zu fördern und für die demokratische Teilhabe aller Menschen im Landkreis einzutreten.

"75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs sind Erinnern und Erleben ein sehr emotionales und sehr wichtiges Thema, das immer aktuell bleibt", sagte Landrat Wilhelm Schneider, der auch Vorsitzender des Begleitausschusses ist. Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann betonte, dass man dankbar sein müsse für die längste Phase ohne Krieg. Trotzdem sei es gerade in der heutigen Zeit notwendig, über Demokratie zu reden und diese zu stärken.

Durch die verschiedenen Beiträge bei der Veranstaltung wurde der Bogen vom Gestern ins Heute gespannt. So stellte zum Beispiel Klaus Hofmann aus Schweinfurt die "Initiative gegen das Vergessen" vor, in der er seit Jahrzehnten ehrenamtlich mitarbeitet. Hierbei wird unter anderem das Thema Zwangsarbeit in den Schweinfurter Industriebetrieben mit Aussagen von Zeitzeugen und Dokumenten aufgearbeitet. Bereits von 11 500 Zwangsarbeitern habe man genaue Daten wie Name, Nationalität, Arbeitsstelle und mehr, so Hofmann.

Der Gesprächsnachmittag unter der Leitung von Daniela Schwarz von der Koordinierungs- und Fachstelle im Mehrgenerationenhaus Haßfurt zeigte auch, wie ein Projekt umgesetzt worden ist. Martina Meisch, Jugendsozialarbeiterin an der Berufsschule Haßfurt, erläuterte den Anwesenden, wie man bei jungen Erwachsenen das Demokratieverständnis stärken kann. Eingeladen hatte Meisch dazu vor einiger Zeit einen ehemaligen Neonazi, der erfolgreich den Ausstieg aus der Szene geschafft hat und den Berufsschülern von seinem Werdegang berichtete. Der Mann, der es ehrlich bereue, anderen Leid zugefügt zu haben, hinterließ laut Meisch einen bleibenden Eindruck bei den Schülern.

Nach einem Fachvortrag zur Erinnerungskultur leitete die Historikerin Susanne Greiner eine Podiumsdiskussion. Neben Hofmann und Maisch diskutierte auch die Beauftragte des Jugendforums, Hannah Baunacher, mit Wilhelm Wolpert als Zeitzeugen. Eindrucksvoll schilderte der Haßfurter Mundartautor, wie er als achtjähriger Junge seinerzeit das Kriegsende in der Kreisstadt erlebte. "Die Tage waren für mich schrecklich, als der Krieg zu Ende gegangen ist", sagte Wolpert. Er erinnert sich noch an den hellen Schein, den er von der Haßfurter Mainbrücke aus sah, als Würzburg bombardiert wurde. Auch die spätere Sprengung der Haßfurter Brücke durch fanatische Anhänger des Nazi-Regimes hat Wolpert noch gut in Erinnerung.