Für wen die Geflügelpest gefährlicher ist, für den Züchter oder das Tier, das lässt sich leicht sagen: "Irgendwann wird es keine Züchter mehr geben", sagt Hermann Niediek, der Bürgermeister von Burgpreppach. Nicht, weil die Krankheit, die Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt, alle Züchter dahinrafft. Nein, vielmehr, weil die Auflagen im Rahmen der Vogelseuchen-Schutzverordnung so groß sind, dass viele Züchter wohl ihr Hobby aufgeben werden.

"Es ist überzogen"

Niediek besitzt einen großen Geflügelhof in Burgpreppach, er macht das gewerbsmäßig, und auch für ihn als Unternehmer sind die Auflagen gewaltig. Impfungen und Untersuchungen vor Transporten, das sei alles sehr aufwändig. Hobbyzüchter aus Kleintierzuchtvereinen würden sich mittlerweile zweimal überlegen, ob sie zu Schauen fahren: Vor Transporten unter 60 Tieren muss jeder einzelne Vogel untersucht werden. Und die Bescheinigung dafür ist nur sieben Tage gültig. "Es ist überzogen", sagt Niediek. "Wer fährt dann noch nach Ibind mit seinen Enten und Gänsen?", fragt er. Der Tauben- und Kleintiermarkt dort ist überregional bekannt.

Die Veranstalter hatten bereits Bedenken geäußert, dass ihr traditionsreicher Markt wegen der hohen Auflagen für Züchter in seiner Existenz gefährdet sei. Die Rassegeflügelzüchter des Geflügelzuchtvereins Ibind und Umgebung haben sich mit einem Schreiben an die Ebelsbacher Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär (CSU) gewandt. "Die Folgen werden sein, dass viele Züchter diese Kosten und den Aufwand nicht stemmen können und somit die Rassezucht aufgeben müssen und damit auch entsprechendes wertvolles Gen- und Kulturgut (seltene, vom Aussterben bedrohte Rassen) unwiederbringlich verloren gehen", heißt es darin.

Viele Impfungen

Auch Wolfgang Kaiser sieht diese Problematik. Der Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins in Ebelsbach züchtet Hühner, darunter die besondere Rasse Asil, mit der er bei Schauen in ganz Deutschland schon bedeutende Preise gewonnen hat. Jedoch sieht er die behördlichen Auflagen, die für kleine Züchter gelten, kritisch. Zumal im Bereich Kleintierzucht kaum Fälle von Geflügelpest bekannt sind. Es sind oft wenige Tiere mit viel Platz, die hygienischen Bedingungen sind gut. Die vielen Impfungen (alle Vierteljahre, dazu die Untersuchungen durch einen Tierarzt vor dem Transportieren, machen das Hobby unverhältnismäßig teuer und unattraktiv. "Der eine oder andere Züchter wird dann sagen: Pass auf, da schlacht' ich sie lieber und hau' sie in die Pfanne."

Zehn Ausbrüche

Laut dem Landratsamt des Landkreises Haßberge in Haßfurt sind Geflügelhalter zur Vorsicht aufgerufen. Denn bis zum 22. Dezember 2014 seien in Europa mindestens zehn Ausbrüche der Geflügelpest in landwirtschaftlichen Geflügelhaltungen festgestellt worden, davon drei in Deutschland. "Die Geflügelpest richtet nicht nur bei den erkrankten Tieren selbst großen Schaden an. Verheerend sind auch die immensen wirtschaftlichen Folgen aufgrund von Restriktionen, Handelssperren", erklärt Werner Hornung, der Leiter des Veterinäramtes Haßberge, auf der Homepage des Landratsamtes. "Infektionen des Menschen mit HPAI-Viren des Subtyps H5N8 wurden bislang weltweit nicht nachgewiesen. Dennoch kann eine Empfänglichkeit des Menschen gegenwärtig nicht völlig ausgeschlossen werden. Verbraucher sollten beim Zubereiten von Geflügel generell strikte Küchenhygieneregeln einhalten und Geflügel nur vollständig durchgegart verzehren." Laut Verordnung muss als Sicherheitsmaßnahme bei Freilandhaltung von Geflügel beachtet werden, dass die Tiere nur an Stellen getränkt und gefüttert werden dürfen, an denen Wildvögel keinen Zugang haben. Zudem sollte auch der Auslauf für Wildvögel kaum zugänglich sein.