Mehr Haßberge geht nicht. Sulzbach, der 120-Einwohner-Ort, liegt mitten im Haßgau. Natur, Ruhe, Abgeschiedenheit. Eine ideale Umgebung für Wanderer und Spaziergänger, die dem Trubel großer Orte entgehen wollen. Wer auf einer Tour in Sulzbach Kräuter entdeckt, sie in die Hand nimmt und vielleicht daran riecht, kann sogar darauf hoffen, dass die Pflanzen dereinst zu Tee werden. Zu einem Gabriele-Pauli-Tee.

Die 56-Jährige, die Landrätin von Fürth war (1990 bis 2008) und 2007 maßgeblichen Anteil daran hatte, dass Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sein Amt abgeben musste, macht jetzt auf Natur. Die Botanik und der Tee sollen ihre Lebensinhalte werden.

Aus den Schlagzeilen ist Gabriele Pauli seit einigen Jahren verschwunden, nachdem zuvor fast kein Tag vergangen war, an dem sie nicht in irgendeinem Medium auftauchte.
Diese turbulenten Tage sind vorbei.

Ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte sie erst wieder am vergangenen Donnerstag, als sie in München ihr Buch vorstellte. "Die rote Rebellin - Fortschritt braucht Provokation" ist eine Darstellung ihres politischen Lebens und vor allem eine Abrechnung mit Politikern in der CSU, ihrer einstigen politischen Heimat, und bei den Freien Wählern, für die sie 2008 in den Landtag eingezogen war und aus deren Fraktion sie mittlerweile ausgeschlossen wurde.

"Mal runterkommen"

Ortswechsel: von München mit seinem hektischen Politikbetrieb in das kleine, beschauliche Sulzbach. Im Hofheimer Stadtteil stellte Gabriele Pauli am Samstagnachmittag ihr Tee-Projekt vor. Sieben Sorten will die ehemalige Landrätin vermarkten. Die erste heißt: "Mal runterkommen". Sechs weitere Tees folgen.

Über einen Freund, Bastian Saffer (30), den sie aus Fürther Zeiten kennt, hat Gabriele Pauli Kontakt nach Sulzbach bekommen. Dort ist der Betrieb Garten- und Landschaftsbau von Markus Hofmann. Der 40-jährige Sulzbacher führt zusammen mit Bastian Saffer das Unternehmen mit den zehn Mitarbeitern.

Und dort wachsen auch einige der Kräuter, die Gabriele Pauli für ihre Tees verwenden will. Natürlich gibt's eine Reihe von Pflanzen nicht nur in Sulzbach, sondern auch in vielen privaten Gärten und in der freien Natur. Aber der Sulzbacher Betrieb mit seinem Kräutergarten bietet eine Art Basis für den Gabriele-Pauli-Tee.

Nach den 23 Jahren in der Berufspolitik sucht Gabriele Pauli die Harmonie in der Natur. Sie will sich mehr der Botanik widmen. "Es macht", sagt sie, "zufrieden, wenn man sich mit der Natur befasst." Die Teeproduktion sei zwar "kein Standbein für die Zukunft", räumt sie ein, aber nebenbei will sie den Fokus verstärkt darauf richten. Ansonsten plant sie in ihrem neuen Leben, Vorträge zu halten und Seminare anzubieten.

Das steht alles auch im Buch

Die Tees der Pauli haben alle einen Bezug zu ihrem Buch. Sie gibt sogar konkrete Seitenzahlen an. Dort ist nachzulesen, wieso ein Tee so heißt, wie er heißt, und welche Wirkung er entfalten soll.

Ihr Wissen über Kräuter hat Gabriele Pauli vor allem von ihrem Bruder Axel, dem sie auch ihr Buch gewidmet hat. Er war Lebensmittelchemiker und hat sich intensiv mit der Natur befasst. "Er hat mir vieles erzählt darüber", schilderte Pauli am Samstag in Sulzbach. Ihr Bruder Axel ist Ende vergangenen Jahres nach schwerer Krankheit gestorben und schaue jetzt, wie die Autorin in ihrem Buch schreibt, "als funkelnder Stern auf mich herunter".

Die 56-Jährige rechnet damit, dass sie in nächster Zeit immer wieder einmal in Sulzbach sein wird. Den Landkreis Haßberge hat sie nicht erst durch ihren Kontakt mit Bastian Saffer und Markus Hofmann kennen gelernt.

Sie hatte bereits in den 90er Jahren immer wieder Verbindung zum Haßberge-Landrat Rudolf Handwerker (CSU). Damals traf sich eine Gruppe junger Landräte aus Bayern immer wieder. Pauli hatte ebenso wie Handwerker im Kreis Haßberge ihr Amt an der Spitze des Kreises Fürth 1990 angetreten. Rudolf Handwerker und Gabriele zählten damals zu den jüngsten Landräten in ganz Bayern.