Spielt eine Sportmannschaft mal wieder schlecht, wird häufig nach einem Buhmann gesucht. Beim Fußball trifft es da bisweilen den Platzwart. Seit mittlerweile drei Jahren macht Michael Wolf diesen Job für den 1. FC 08 Zeil. In der Zeit kam es schon mal vor, dass Spieler auf ihn zukamen und den ungleichmäßigen Rasen für die Niederlage verantwortlich machten. Ärgern tut sich Michael Wolf über solche Vorwürfe nicht mehr. Vielmehr antwortet der Platzwart stets süffisant mit dem gleichen Satz: "Jeder von euch kriegt zu Weihnachten a Scherla und dann könnt ihr euren Rasen selbst mähen."

Neben seiner Arbeit als Schlosser opfert Wolf nahezu seine komplette Freizeit für den Verein. Mindestens jeden zweiten Tag ist er als Platzwart auf dem Vereinsgelände. "Früh ist es am schönsten, da sind der Platz und die Laufbahn noch nicht belegt", sagt er. Neben der Rasenpflege kümmert er sich um anfallende Reparaturen im Vereinsheim. Wolf: "Ich bin eben das Mädchen für alles."

Ausgangspunkt für all seine Arbeiten ist der Geräteraum. Dieser ist nur wenige Meter vom Rasenplatz entfernt. Als Michael Wolf die zwei Garagentore öffnet, mutet der erste Anblick etwas chaotisch an. Durch unzählige Geräte und große Schränke in der Mitte gestaltet sich ein Durchkommen in den hinteren Bereich als schwieriges Unterfangen. Ein Problem ist das aber nicht. Denn nur Wolf hat hier dauerhaft Zutritt. Und er selbst versteht sein Lagersystem bestens. "Im vorderen Bereich sind die Geräte, die ich häufig brauche", erklärt Wolf. Zu nennen sind hier Rasenmäher und die Geräte für die Linienmarkierung. Im hinteren Garagenbereich und an den Seiten finden sich mit einem Grill und einer Torwand Gegenstände, die in der Regel wenige Male im Jahr gebraucht werden. In den Seitenregalen lagern jede Menge Werkzeuge und Farbtöpfe.


Eine Stunde fürs Rasenmähen

Ständig im Einsatz ist dagegen der Sitzrasenmäher. Den kompletten Fußballplatz mäht Wolf damit in einer knappen Stunde. Mit dem Vorgängermodell, das eine stattliche Schnittbreite von fünf Metern aufwies, ging die Arbeit sogar noch schneller.

Trotzdem ist dem Platzwart der neue Mäher lieber. "Mit dem alten Rasenmäher ist man oft am Garagentor hängen geblieben, da war das Rückwärtsfahren wie Lotto spielen", sagt er.

Obwohl der Platzwart viele Stunden in der Woche mit der Rasenpflege verbringt, gehört die Gartenarbeit ohne Maschinen nicht gerade zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. "Aber solange man mir keine Sichel in die Hand gibt, geht es schon", sagt er. Viel aufwendiger als das Mähen ist ohnehin die Markierung der Linien auf dem Rasen. Wolf muss hierzu zunächst Farbe zusammenmischen und den Platz mit Schnüren abstecken, um gerade Linien ziehen zu können. Rund 20 Liter Farbe braucht er für das komplette Spielfeld. Je nach Witterung dauert der Vorgang bis zu acht Stunden. Alle drei bis vier Wochen müssen die Linien erneuert werden. Deutlich unkomplizierter ist da schon die Pflege des Hartplatzes "Rote Erde". Ohne vorgegebene Markierung werden die Linien in wenigen Minuten mit Kreide aufgetragen.

Michael Wolf liegt neben seiner Tätigkeit als Platzwart vor allem die Jugendarbeit am Herzen. Die U11-Mannschaft trainiert er sogar mit. Für die Kinder hat er immer ein offenes Ohr. "Ich komme mit den Kindern klar und die Kinder auch mit mir", sagt Wolf. "Jedes Problem wird gelöst, da bin ich schon stolz drauf."

Ein Problem, das in naher Zukunft wohl nicht gelöst werden kann, ist der Schwund an potenziellen Nachwuchskickern. "Es ist mittlerweile schwierig, neue Kinder zu finden", erklärt Michael Wolf. Hartnäckig spricht er deshalb auch mal Eltern auf der Straße an, um deren Kinder vom Fußball zu begeistern. Mit Erfolg: Zwei Kinder konnte er bereits anwerben. Doch so gerne Wolf auch als Trainer oder Hobby-Scout arbeitet, der Job des Platzwarts ist ihm immer noch am liebsten. "Hier sagt mir keiner was rein, hier bin ich mein eigener Herr", sagt er.