Irgendwie scheinen Polizisten im Laufe ihrer Dienstjahre ein Gespür dafür zu entwickeln - immer wieder erwischen sie bei Kontrollen notorische Verkehrssünder. Als die Ordnungshüter einen Arbeiter (38) kurz hinter der thüringischen Grenze in Hellingen heraus winkten, konnte dieser keine gültige Fahrerlaubnis vorzeigen. Ob er zusätzlich im Crystal-Rausch hinter dem Steuer seines Autos saß, soll bei einem Fortsetzungstermin geklärt werden. Der Prozess am Amtsgericht in Haßfurt wurde vertagt.

Irgendwann hatte der ledige Mann aus einem Dorf in den Haßbergen ganz normal seinen Führerschein gemacht. Aber 2006 wurde ihm der Lappen entzogen. Um möglichst bald wieder fahren zu können, wandte sich der verhinderte Autofahrer an eine Organisation im Nachbarstaat Tschechien. Die half ihm, einen tschechischen EU-Führerschein - der auch in Deutschland gilt - zu erwerben.

Der Führerschein galt nicht mehr

2011, also vor drei Jahren, stand der Angeklagte vor dem Amtsgericht in Kulmbach, weil er wieder einmal gegen die Straßenverkehrsgesetze verstoßen hatte. Mit dem damaligen Urteil wurde seine Fahrerlaubnis für ein Jahr gesperrt. Wie in solchen Fällen üblich, wurde der tschechische Führerschein des Verurteilten an die Verkehrsbehörde im Nachbarland, die das Dokument ausgestellt hatte, zurückgeschickt.

Komplizierte Regelung

Nach Ablauf der Sperrfrist schickte die deutsche Behörde dem Mann wieder seinen Führerschein zu. Doch damit ist es nicht getan, denn: Laut der deutschen Gesetze gilt in einem solchen Fall die ausländische Fahrerlaubnis nicht mehr. Diese Regelung aber, darauf wies die Pflichtverteidigerin Kerstin Rieger mit Nachdruck hin, müsste dem Betroffenen von Amts wegen explizit mitgeteilt werden. Ob das versäumt wurde, muss noch geklärt werden.

Der jüngste, nun vor dem Haßfurter Amtsgericht verhandelte Vorfall stammt vom 13. Dezember letzten Jahres. Nach der Kontrolle in Thüringen musste der Fahrer aussteigen und im Fond des Polizeiwagens mit zur Dienststelle fahren. In seiner Tasche steckte da ein Tütchen mit Rauschgift, gab der Angeklagte zu. Natürlich musste er damit rechnen, dass die Beamten spätestens auf der Wache das weiße Pulver entdeckten.

Rauschgift geschluckt?

Also, schilderte der Drogenkonsument vor Gericht, habe er auf dem Rücksitz ein Gähnen vorgetäuscht und dabei unbemerkt in die Hosentasche gegriffen und das Amphetamin geschluckt. Was er wohl nicht erwartete: Bei der Polizeiinspektion wurde ihm eine Blutprobe genommen und die Laborwerte verrieten das Gift im Körper des Mannes.

Fraglich ist, ob die Story des Beschuldigten stimmt, denn: Laut Anklageschrift hatten die Beamten bei dem Autofahrer gleich erweiterte Pupillen und gerötete Augen gesehen - eindeutige Anzeichen eines Drogenkonsums. Ein Sachverständiger soll im Fortsetzungstermin aufgrund des Laborberichtes nun darlegen, ob der Angeschuldigte im Drogenrausch fuhr oder erst nachher im Polizeiauto Crystal einwarf. Zudem werden die damals eingesetzten Polizisten als Zeugen befragt. Der neue Termin wird vermutlich im September angesetzt.