Es ist viel Überzeugungsarbeit notwendig. Frank Hoffmann hat diese Erfahrung gemacht. Beim FC Zeil ist er Vorstandsmitglied, und unter anderem hatte er sich erst vor kurzem darum gekümmert, von 25 ehrenamtlichen Jugendbetreuern in dem Fußballverein ein erweitertes Führungszeugnis einzuholen. "Natürlich sind da erstmal viele Gespräche notwendig", sagt Hoffmann.

Denn der eine oder andere Betreuer "fühlt sich schon auf den Schlips getreten", wenn man von ihm verlangt, ein Führungszeugnis vorzulegen. Das werde als Misstrauen gegenüber seiner Arbeit gewertet. Aber letztlich, so Hoffmann, sind die Betroffenen dann doch einsichtig: Es geht darum, eine weitere Sicherheit zu haben, mit der unter Umständen verhindert werden kann, dass Schutzbefohlene missbraucht werden.

"Wenn dadurch nur ein Fall verhindert wird, hat es sich schon gelohnt", sagt Hubert Rausch, der Sportvorsitzende des FC Zeil. "Man muss halt dran bleiben", ergänzt er. Denn momentan liegt die gesamte Verantwortung beim Verein und dessen Führung, die Zeugnisse regelmäßig aktualisieren zu lassen und sie auch zu archivieren. Die ehrenamtlich Tätigen haben dadurch zusätzlichen bürokratischen Aufwand, aber darum geht es laut Hoffmann nicht so sehr. "Es ist nicht die unbezahlte Arbeit, sondern die Verantwortung", die den Vereinen Sorge bereiten.

Ein Stück mehr Sicherheit

Die Führungszeugnisse einzufordern findet er prinzipiell richtig, jedoch wünscht er sich seitens der Behörden noch mehr Unterstützung. Zum Beispiel hätten die meisten Kommunen einen Jugendbeauftragten. So könne über diesen eine Stelle eingerichtet werden, die sich um die Führungszeugnisse kümmert, sprich, die die Archivierarbeit für die Vereine übernimmt und sie darauf hinweist, wenn eine Aktualisierung fällig wird. Momentan gibt es auch keine Kontrollen der Vereine, das ganze Prozedere liegt in deren Händen. "Kontrollen gibt es erst, wenn etwas passiert. Aber dann ist das Geschrei groß", sagt Rausch.

Andreas Schröck, Vorsitzender des Kreisverbandes Haßberge des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) erklärte, das die wenigsten ehrenamtlich Tätigen sich diskriminiert fühlen, und das, obwohl das Ehrenamt dadurch durchaus gegängelt werde. Allerdings sieht er Sinn hinter der ganzen Idee. "Es ist einfach eine Sicherheit mehr", sagt Schröck. Positiv auch: Den Vereinen entstehen bei der Anforderung der Zeugnisse keine Kosten.

Aufmerksam sein

Dennoch ist ein Führungszeugnis keine 100-prozentige Garantie, das wissen auch die Vereine. Aus Gesprächen mit Vereinsverantwortlichen war zu erfahren, dass es bereits im Landkreis einen Fall gegeben hat, wo ein Übungsleiter vom Verein ausgeschlossen wurde, weil er im Verdacht stand, wegen seiner Neigungen nicht für den Umgang mit Kindern geeignet zu sein.

In einem späteren Gerichtsurteil bestätigte sich dieser Verdacht, erzählt ein Mann, der auf Vereinsebene die Geschichte mitbekommen hat, aber keine Namen nennen möchte. Dieser Fall habe sich sich zu einer Zeit ereignet, zu der noch keine Führungszeugnisse vorgelegt werden mussten (also vor 2012).

Mögliche Vorverurteilung

Kritisch sehen Hubert Rausch und Frank Hoffmann die Tatsache, dass Einträge im Führungszeugnis, die nichts mit Kindesmissbrauch zu tun haben, die Vereinsführung ebenfalls unter Zugzwang setzen. Jemand, der zum Beispiel vor Jahren wegen eines kleinen Drogendeliktes zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, an sich aber nicht mehr auffällig war und hervorragende Jugendarbeit im Verein leistet, der sollte eigentlich ohne Bedenken beschäftigt werden können. Dennoch könnte sich die Vereinsführung unter Zugzwang sehen, den Übungsleiter auszuschließen, um vorzubeugen, dass es im Fall der Fälle nicht heiße, "ihr habt es gewusst und nichts gemacht", sagt Rausch.

Immerhin gibt es für diese Situation die Möglichkeit, die Führungszeugnisse der Übungsleiter von amtlicher Stelle auf relevante Einträge prüfen zu lassen, so dass die Vereinsverantwortlichen diese gar nicht einsehen und wegen anderer Einträge die Zusammenarbeit mit dem Betreuer hinterfragen müssen. Wie Christoph Schramm vom Jugendamt im Landratsamt Haßberge in Haßfurt bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am gestrigen Donnerstag erklärte, sei es aus datenschutzrechtlichen Gründen allerdings nicht möglich, von amtlicher Seite Führungszeugnisse automatisch in gebündelter Form (also ohne persönlichen Antrag des Betroffenen) für die Vereine einzusehen, auszuwerten und die relevanten Informationen zur Verfügung zu stellen. Generell bleibt die organisatorische Pflicht bei den Vereinen.

Förderungen sind davon abhängig

Die Vereine sollten übrigens dahinter sein, die Zeugnisse vorzulegen, denn der Jugendhilfeausschuss hat gestern in seinem Beschluss den Kommunen im Landkreis empfohlen, die Vergabe von Fördermitteln nur zu gewähren, wenn die Vereine eine entsprechende Vereinbarung mit dem Kreisjugendamt oder einem anderen Jugendamt abschließen, mit der sie sich zur Vorlage der Führungszeugnisse (sofern es um Jugendarbeit geht) verpflichten.



Kommentar (von Lisa Kieslinger, Volontärin): Erweitertes Führungszeugnis kostet gewaltig Nerven


Klar kann man verstehen, dass Eltern wissen wollen, wem sie ihre Schützlinge anvertrauen. Besonders nach Vorkommnissen in den letzten Jahren. Jugendarbeit funktioniert nur mit dem Vertrauen der Eltern. Führungszeugnisse geben natürlich ein Stück weit Sicherheit. Doch Organisatorisch bedeutet das pures Chaos. Seit über 15 Jahren organisiert die Kolpingjugend Eltmann Zeltlager für Kinder und Jugendliche. Letztes Jahr kam das Thema erweitertes Führungszeugnis auf: Alle Betreuer, Lagerleiter, Küchenkräfte müssen ein polizeiliches Führungszeugnis von sich abgeben, was dann geprüft wird.

Nur wenn man eine saubere Weste hat, darf man mit. Neben den normalen Vorbereitungen musste man also allen Beteiligten hinterherlaufen, bis man alle Führungszeugnisse zusammen hatte. Und das kann dauern: 20 junge Menschen, wegen Studium oder Arbeit verteilt in ganz Deutschland. Wo wird so ein Führungszeugnis eigentlich beantragt? Am Erst- oder Zweitwohnsitz? Besonders für die Studenten war das eine knifflige, nervenaufreibende und zeitaufwändige Frage: Am Zweitwohnsitz kann man es laut einer Mitarbeiterin der Stadt nicht beantragen, da ist die Verwaltung am Erstwohnsitz zuständig. Okay, dort angerufen, nachgefragt. Theoretisch richtig. Doch den Antrag muss man höchstpersönlich selbst unterschreiben. Blöd nur, wenn der Erstwohnsitz 200 Kilometer entfernt ist, da man gerade Urlaub am Zweitwohnsitz macht. In der letzten Verzweiflung geht es noch einmal zur Meldestelle am Zweitwohnsitz. Andere Bearbeiterin, andere Meinung: "Na klar stell ich Ihnen das aus. Das ist eine Sache von zwei Minuten."