Kerstin Rieger, Anwältin mit Kampfsporterfahrung, hatte so ihre Zweifel an der Version des Opfers, wie sich eine Prügelei in einer Unterpreppacher Disco im März 2012 zugetragen haben soll.

"Ein Fußtritt ins Gesicht", sagte sie zu Jugendrichter Martin Kober, sei vielleicht möglich für jemanden, der das jahrelang im Training geübt habe, aber selbst dann nicht, wenn er einen solchen Kick spontan "in Jeans in der Disco" ausführen wollte. Denn eine enge Hose verhindere, dass man das Bein überhaupt so hoch bekomme, noch dazu ohne sich aufgewärmt und gedehnt zu haben. Rieger, aktive Kampfsportlerin, wollte erreichen, dass ihr Mandant nicht wegen eines brutalen Fußtritts und eines Faustschlag jeweils ins Gesicht des Opfers für gefährliche Körperverletzung verurteilt wird.
Der 20-jährige Angeklagte hatte zu Protokoll gegeben: "Es gab keinen Schlag, nicht von seiner Seite und nicht von meiner Seite." Die von einem Arzt attestierten Gesichtsverletzungen des Geschädigten stammten nicht von einer Prügelei, sondern seien durch einen Sturz im Rahmen einer Rangelei verursacht worden. Rieger forderte deswegen einen Freispruch für ihren Mandanten vor dem Jugendschöffengericht in Haßfurt.

Das Urteil lautete am Ende zwar auf sechs Monate Jugendhaft, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, aber immerhin war das Gericht der Ansicht, dass es sich insgesamt um eine normale Körperverletzung gehandelt habe und nicht um eine gefährliche, wie es in der Anklage geheißen hatte. Ferner muss der junge Mann 50 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten, und ihm wird ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Provoziert und zugeschlagen

In dem Fortsetzungsprozess wurde am Montag (11. März) ein weiterer Zeuge gehört, dessen Aussagen allerdings keine neuen Erkenntnisse brachten. Laut Anklage ist der 20-Jährige am 25. März 2012 in einer Unterpreppacher Disco dem Geschädigten begegnet, wobei es zunächst nur zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sei. Im Laufe des Abends seien sich die beiden Kontrahenten erneut begegnet, worauf das spätere Opfer den Angeklagten mit teilweise beleidigenden Aussagen provoziert hat. Daraufhin hat der 20-Jährige zugeschlagen und dem anderen jungen Mann einen Faustschlag sowie einen Fußtritt ins Gesicht verpasst. "Ein Zeuge hat den Faustschlag ganz klar bestätigt", sagte Matthias Kröner von der Bamberger Staatsanwaltschaft. Seiner Ansicht nach liegt hier eine vorsätzliche in Tateinheit mit einer gefährlichen Körperverletzung vor, "weil der Fußtritt ins Gesicht gezielt" war. Zwar sei es eine "jugendtypische Tat" gewesen, doch zeige sich auch, dass beim Angeklagten "schädliche Neigungen" nicht verneint werden könnten, da dieser schon zwei Mal in Jugendarrest (einmal zwei und einmal vier Wochen) war und offenbar nichts daraus gelernt habe.

Der Version des Angeklagten, dass es überhaupt keine Schläge gegeben habe, folgte das Schöffengericht nicht. Jedoch erklärte Richter Martin Kober, dass man von einer normalen Körperverletzung ausgehen könne. In Bezug auf den Fußtritt erklärte er, dass dieser nicht gezielt gegen den Kopf gerichtet war und der Getroffene nicht auf dem Boden lag. Auch sei der Angeklagte provoziert worden, hätte sich angesichts seiner vorangegangenen Verurteilungen aber überlegen sollen, ob er die Konfrontation sucht oder besser nach Hause geht, wie der Richter meinte.