Die Polizisten in Ebern waren eigentlich gut bedient: Am Samstag (22. Dezember) war das nagelneue Löschgruppenfahrzeug der Eberner Feuerwehr im Graben gelandet, der Schaden belief sich auf rund 400.000 Euro. Eine schöne Bescherung. Immerhin: Verletzt wurde niemand.

Doch einen Tag später kam schon der nächste Einsatz, bei dem die Beamten fürchten mussten, dass eine Person zu Schaden gekommen sein könnte: Eine 69-Jährige Frau war am Sonntagabend als vermisst gemeldet worden, nachdem sie ihren Angehörigen gesagt hatte, sie wolle nur eine kurze Besorgungsfahrt machen. Jedoch kam sie von dieser Fahrt nicht wieder zurück. Die Beamten rückten aus. "Die Kollegen haben sie gesucht, mussten die Suche aber abbrechen", erklärt der Eberner Polizeihauptkommissar Michael Lohm. Die Polizei hatte im Eberner Umkreis im Bereich Gemünd nach der Frau gesucht. Der Boden war durch den Regen der vergangenen Tage aber so aufgeweicht, dass die Beamten ihre Suche abbrechen mussten, wie Lohm weiter erklärt. Sonst wären die Polizisten mit ihren Fahrzeugen im Schlamm stecken geblieben.

Die Polizei wollte dann am nächsten Morgen die Suche fortsetzen. Doch die hatte sich erübrigt: Die Vermisste war am Montag wieder aufgetaucht. Das, was die Beamten schon bei ihrer Suchaktion für ihre Fahrzeuge befürchtet hatten, war der 69-Jährigen mit ihrem Auto passiert: Sie war im Schlamm stecken blieben. "Sie wollte etwas nach Pettstadt (Landkreis Bamberg, die Red.) bringen, hat sich aber verfahren", sagt Lohm. Sie fuhr bei Gemünd vorbei und in Richtung Weißfichtensee, wo sie mit ihrem Fahrzeug im aufgeweichten Untergrund stecken blieb. Da die Frau kein Handy bei sich trug, konnte sie keine Hilfe holen.

Wie von der Polizei weiter zu erfahren war, hat sich die Frau dazu entschlossen, am Unfallort auszuharren, bis womöglich jemand vorbeikommt, der das Missgeschick bemerkt. Als es dunkel wurde, suchte die 69-Jährige Schutz in einem Jäger-Hochsitz, wo sie letztlich auch die Nacht verbrachte. "Am nächsten Morgen hat sie ein Mountainbiker entdeckt", sagt Lohm. Der konnte zwar freilich nicht das festgefahrene Auto der Frau aus dem Matsch ziehen, jedoch machte er sich auf den Weg ins nicht weit entfernte Welkendorf, um Hilfe zu holen.


Traktor kommt

Dort fand sich ein hilfsbereiter Mann, der mit seinem Traktor zur Unfallstelle fuhr, um das versumpfte Fahrzeug wieder in die Spur zu bringen. Schließlich konnte die Frau auch ihre Verwandten kontaktieren, so dass sich die Polizisten nicht weiter auf die Suche nach einer Vermissten machen mussten, da die nun wieder aufgetaucht war.

Der 69-Jährigen ging es nach der Nacht auf dem Hochsitz gut, die Temperaturen waren recht mild geblieben. Die Frau blieb von ihrem kleinen Abenteuer kurz vor Weihnachten offenbar unbeeindruckt: "Das war keine Verweichlichte", sagt Lohm. Sie hatte weder verängstigt noch verunsichert gewirkt. Als ihr Fahrzeug wieder flott war, setzte sie die Fahrt fort. Für die Eberner Polizisten blieb es danach ruhig in der sonst etwas stressigeren Weihnachtszeit.