Am 12. Mai vergangenen Jahres, dem Muttertag, floh eine 35-Jährige aus dem Maintal ins Frauenhaus nach Bamberg und erstattete Anzeige gegen ihren Mann. Es war das vorläufige Ende einer 15 Jahre andauernden Ehehölle, in der die mehrfache Mutter von ihrem 44-jährigen Ehemann nach eigener Aussage geschlagen, gewürgt, bedroht und beleidigt wurde. Jetzt musste sich der arbeitslose Gatte am Amtsgericht in Haßfurt verantworten, wo ihm die Staatsanwaltschaft Bedrohung und gefährliche Körperverletzung in fünf Fällen vorwarf.

Während der Angeklagte über seinen Verteidiger Andreas Dräger verlauten ließ, dass er sich zu den Vorwürfen nicht äußern wird, packte seine Noch-Ehefrau im Zeugenstand aus und belastete ihren Noch-Gatten schwer. Während der Aussage der Frau drehte sich der Angeklagte weg und würdigte seine Gattin keines Blickes. Die Zeugin verschwieg vor Gericht ihren derzeitigen Wohnort aus Angst vor weiteren Übergriffen ihres Mannes - wohl zurecht. Denn die Beziehung war von Beginn an von Gewalt geprägt.

Seit November 2004 seien sie zusammen, erzählte die 35-Jährige vor Gericht. Schläge seien schon damals an der Tagesordnung gewesen. Ihr späterer Ehemann - geheiratet wurde 2005 - habe sie von Beginn an geschlagen, bedroht, eingesperrt und ihr die Autoschlüssel weggenommen. Beim kleinsten Anlass, wie einem "Nein" zur falschen Zeit, sei ihr Mann "übergekocht". Bereits nach zwei Wochen habe sie ihn verlassen wollen. Er habe ihr eine Waffe an den Kopf gehalten und gesagt: "Du gehst nirgendwo hin." Einmal habe er sie so stark gewürgt, dass sie für circa eine halbe Stunde das Bewusstsein verlor. Als sie aufwachte, habe er ihr in die Seite getreten und zu ihr gesagt: "Steh auf, du Drecksau, und verdreh deine Augen nicht so!"

Sie habe mehrmals versucht, vor seinen Wutausbrüchen zu fliehen. Er habe dies jedoch verhindert und sie geschlagen. Als sie sich in das Gäste-WC einschloss und mit dem Rücken an die Tür lehnte, habe er die Tür eingetreten und sie am Steißbein verletzt, so dass sie drei Tage lang weder sitzen noch auf dem Rücken liegen konnte. Bei einem Streit habe er ihr einen Wasserkocher auf den Hinterkopf geschlagen, so dass sie eine drei Zentimeter große Platzwunde erlitt, die stark blutete. Ihr Mann habe Essig über die Wunde gegossen, um die Blutung zu stillen. Erst am nächsten Tag sei sie zum Arzt gegangen, dem sie auf Anordnung ihres Mannes sagte, sie habe sich an einem Balken gestoßen. Falls sie ihn verlässt, habe er gedroht, sie und ihre Mutter "aufzuschlitzen".

Die Frage der Richterin, warum sie ihren Mann überhaupt geheiratet hatte, konnte sie nicht beantworten. "Vielleicht aus Angst? Ich kann es mir nicht erklären", gab sie zu Protokoll. Der Auslöser, warum sie ihn schließlich verließ, sei ein Satz gewesen, den ihr Sohn sagte, als sich die Eltern wieder einmal stritten. "Bei Psycho-Eltern wie euch will ich nicht mehr leben", sagte das Kind an jenem Muttertag letzten Jahres, bei dem es bei der Mutter "Klick gemacht" habe und sie einen endgültigen Schlussstrich gezogen habe.

Einen Grund für die Ausraster ihres Mannes sah sie in dessen hohen Alkoholkonsum. Schon morgens um 7 Uhr nach dem Aufstehen habe er das erste Bier getrunken. Einen halben Kasten am Tag habe er konsumiert, dazu in den Anfangsjahren Schnaps. Sie habe bei einem Anwalt die Scheidung eingereicht, die er jedoch nicht unterschreiben würde. Warum er dies unterlässt, sagte der Angeklagte nicht.

Stattdessen ließ er über seinen Anwalt drei "Beweisanträge" stellen: Zum einen sollen die gemeinsamen Kinder im Alter von acht bis 14 Jahren sowie die Mutter der Noch-Ehefrau vor Gericht aussagen. Zum zweiten soll eine Mitarbeiterin des Jugendamts über Probleme der Geschädigten berichten und zum dritten soll ein psychiatrisches Gutachten die psychischen Probleme seiner Noch-Ehefrau ans Licht bringen, die bereits einen Selbstmordversuch hinter sich habe. "Das wollen Sie ihren Kindern zumuten?", fragte die Vorsitzende den Angeklagten zunächst ungläubig, gab aber dann den Anträgen statt. Der Prozess wird am 7. und am 16. Oktober fortgesetzt.