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Recheldorf
Maisernte

Nagelfallen und Eisenstangen: So werden fränkische Bauern sabotiert

Wenn es unter der Maschine plötzlich scheppert: Landwirte in Franken berichten von mit Nägeln gespickten Maiskolben oder ganzen Metallstangen im Feld. Kriminelle, die so etwas tun, können nicht nur die Ernte komplett sabotieren, sondern auch Menschen in Gefahr bringen.
 
In solch eine Isolierung (oben) waren Stahlstangen eingepackt, die in den Häcksler gerieten, in Stücke (unten) zerschlagen wurden und Schaden angerichtet haben. Foto: Helmut Will
In solch eine Isolierung (oben) waren Stahlstangen eingepackt, die in den Häcksler gerieten, in Stücke (unten) zerschlagen wurden und Schaden angerichtet haben. Foto: Helmut Will
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Für die Bauern ist es nichts neues: Alljährlich zur Zeit der Maisernte werden auf Äckern Eisenstangen oder andere Gegenstände, meist aus Metall, platziert. Offenbar mit dem einzigen Ziel, den Lohnunternehmer, der mit hochwertigen, leistungsfähigen Arbeitsmaschinen Mais erntet, oder dem Landwirt zu schaden, indem die Erntegeräte demoliert werden. Ein gefährlicher, brisanter und strafrechtlich relevanter, krimineller Unsinn. Sind die Attacken vielleicht auf Neid zurückzuführen? Es ist nicht auszuschließen, dass Menschen zu Schaden kommen können.

Karl-Ludwig Grell aus Recheldorf (Gemeinde Untermerzbach) ist Unternehmer, der mit seinem Fuhrpark Arbeiten verschiedenster Art ausführt, auch die Maisernte bei Landwirten im Lohnverfahren. Einer seiner Mitarbeiter war am Samstag, 5. September, mit einem fast 500.000 Euro teuren Maishäcksler auf dem Feld des Recheldorfer Landwirts Gerhard Roth bei der Maisernte, als es plötzlich "schepperte" und die Maschine aufgrund eines eingebauten Metalldetektors stoppte. Dem Fahrer schwante Böses - und so war es dann auch. Er konnte erkennen, dass etwas in den Maisvorsatz geraten war, das dort nicht hingehörte. Es waren Metallteile, die mit einem Isolierrohr, wie man es bei Heizungsrohren verwendet, umwickelt waren. Diese Metallgegenstände waren an einem Maisstängel befestigt und gerieten unweigerlich in das "Maul" des Häckslers.

Unvorstellbar: Leute wissen nicht, was sie anrichten

Das ärgert nicht nur den Lohnunternehmer Karl-Ludwig Grell, sondern auch den Landwirt Gerhard Roth, auf dessen Feld es passiert ist. "Wer so etwas macht, kann ich nicht verstehen. Ich hoffe nur, dass es nicht noch irgendein Landwirt war, das würde dem Fass den Boden raushauen", sagt Gerhard Roth. Er mag gar nicht daran denken, was passieren könnte, wenn sein Vieh im Stall scharfkantige Metallteile frisst.

Sebastian Porzelt ist Arbeiter, der für den Lohnunternehmer Karl-Ludwig Grell einen Maishäcksler der Marke Class/"950 Jaguar2" fährt. Die hochwertige Maschine hat 600 PS und einen Tankinhalt von 1300 Litern. Zehn Reihen Mais nimmt sie auf einmal. "Man kann sich vorstellen, dass man als Fahrer nicht alle Reihen, die der Häcksler in den Maisvorsatz einzieht, im Blick haben kann", sagt Porzelt. Ja, der Häcksler sei mit einem verstärkten Boden an der Fahrerkabine ausgestattet, aber einen hundertprozentigen Schutz, dass nicht doch ein Eisen- oder Metallteil die Schutzvorrichtung durchschlägt, ist nicht gegeben", erläutert der Fahrer. Er zeigt sich überzeugt, dass so etwas nur jemand machen kann, der dem Unternehmer oder auch dem Feldeigentümer schaden will. Sebastian Porzelt schüttelt den Kopf. "So etwas ist doch krank", sagt er.

Außerdem: Herumfliegende Metallteile können auch den Fahrer treffen, der den begleitenden Traktor steuert. Während der Erntetätigkeit wird nämlich der gehäckselte Mais auf einen Anhänger befördert, der, vom Traktor gezogen, parallel zur Erntemaschine bewegt wird.

Glück im Unglück: "Nur" 3000 Euro Schaden

Karl-Ludwig Grell erklärt: "So eine Handlung kann existenzzerstörend sein, wenn das Erntegerät länger ausfällt." Im schlimmsten Fall könnte ein Schaden von 50 000 Euro und mehr entstehen. Es kann dauern, bis die Reparatur erledigt ist. "Ein Ersatzgerät bekommt man meist nicht in der Haupterntezeit", sagt der Unternehmer. So gesehen hatte das Unternehmen Grell noch Glück im Unglück, da sich der Schaden an seinem Maishäcksler auf rund 3000 Euro beschränkte.

Karl-Ludwig Grell weist auf die Energie hin, die entsteht, wenn Eisenteile in den Maisvorsatz geraten, zerschlagen werden und davonfliegen. "Das sind dann richtige Geschosse", sagt er. "Leute, die so etwas machen, wissen eigentlich gar nicht, was sie anrichten können. Wenn jemand Hinweise an die Polizei gibt, die zur Ergreifung des oder der Täter führen, zahle ich dieser Person 1000 Euro", so Karl-Ludwig Grell.

Eine Anfrage beim Polizeipräsidium Unterfranken in Würzburg ergab, dass solche Fälle nicht explizit in der polizeilichen Kriminalstatistik erfasst werden. Allerdings teilte die Pressestelle mit, dass 2019 keine derartigen Fälle verzeichnet wurden. 2020 lagen die Fälle im mittleren einstelligen Bereich. Und 2018 hatte die Polizei im Raum Gerolzhofen mehrere Fälle mit zum Teil erheblichen Schäden an den Erntemaschinen registriert.

In Mittelfranken gab es 2017 insgesamt 24 Fälle mit einem hohen Gesamtschaden. Damals konnte die Polizeiinspektion Neustadt/Aisch drei Tatverdächtige ermitteln.