Dass Asylbewerber und Flüchtlinge im Kreis Haßberge möglichst schnell an die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt herangeführt werden sollen, ist bislang die einheitliche Linie der Politiker im Landkreis Haßberge, unabhängig von der Partei. Dazu zählt auch ein gewisses Maß an Flexibilität, wie ein Beschluss des Wirtschaftsausschusses des Kreistages zeigt.

Einstimmig wurde die Verwaltung am 18. Februar dazu ermächtigt, die entsprechenden Arbeitsverträge zu schließen, um eine zusätzliche Beschulung von über 80 Flüchtlingen ab der kommenden Woche in einer sogenannten Vorklasse zum Berufsintegrationsjar (BIJ/V) an der Heinrich-Thein-Schule in Haßfurt zu ermöglichen. "Die Erweiterung der Vorklasse (...) um schuljahresübergreifende Klassen ab dem 22. 02. 2106 sowie die Fortführung des Berufsintegrationsjahres für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge im Schuljahr 2016/17 ohne die Beteiligung freier Träger wird befürwortet", heißt es in der Beschlussfassung.

Die zusätzlichen Klassen ab dem kommenden Montag sind notwendig, weil nach Ausführungen des Kreiskämmerers Marcus Fröhlich die Zahl der Asylbewerber und Flüchtlinge weiter zunimmt. Im laufenden Schuljahr seien bereits vier Eingangsklassen BIJ/V mit je 20 Schülern im Alter zwischen 15 uns 21 Jahren gebildet worden, zudem gibt es eine BIV-Klasse sowie die jetzt hinzukommenden drei Vorklassen, also "insgesamt acht", wie Marcus Fröhlich erläuterte.


Intensiver Spracherwerb

Der Landkreis sei zuständig für die zusätzliche Deutschbeschulung sowie eine sozialpädagogische Betreuung. In den BIJ-(Vor)Klassen lernen die Flüchtlinge zudem berufsspezifisches Deutsch und bekommen Unterstützung, wenn es darum geht, Bewerbungen zu schreiben und sich für den Arbeits- und Ausbildungsmarkt fit zu machen.

In der Vorklasse erhalten die Schüler Unterricht durch Lehrkräfte der Heinrich-Thein-Schule, etwa in Rechnen/Mathematik, Deutsch, Sozialkunde, Sport, Datenverarbeitung, Lebenskunde undsoweiter. Außerdem gibt es zusätzliche Unterrichtsstunden für den "intensiven Spracherwerb" in Sachen Deutsch.

Das BIJ richtet sich den Beschlussunterlagen zufolge an Schüler im Alter zwischen 16 und 25 Jahren. Der Unterricht hat laut Fröhlich das Ziel, dass die Teilnehmer den Hauptschulabschluss erlangen und durch Betriebspraktika an das Berufsleben und eine duale Ausbildung herangeführt werden.

Die Personal- und Sachkosten für das BIJ/V sind nach Ausführungen des Kämmerers durch die Fördermittel des Freistaates Bayern abgedeckt. Im Bereich des BIJ ist eine Förderung von bis zu 37.500 Euro möglich, die voraussichtlichen Personalkosten belaufen sich aber auf 37. 900 Euro plus rund 3000 Euro Sachkosten, so dass dem Landkreis ein Eigenmittelanteil von etwa 3400 Euro je Klasse entsteht.


Container aufstellen

Angesichts der zusätzlichen Klassen und der bevorstehenden Generalsanierung der Berufsschule kann es laut Landrat Wilhelm Schneider (CSU) zu Platzmangel kommen. "Ich kann mir vorstellen, dass wir bald Container aufstellen müssen an der Berufsschule", sagte er im Kreistag-Ausschuss. Das sei nicht weiter tragisch, aber er wollte es nur schon mal gesagt haben.