Lange hatte es sich hingezogen, letztes Jahr am 19. September war es für Günter Mendel soweit: Der Verkehrslandeplatz in Haßfurt erhielt die Freigabe für den Luftraum F. Das F steht für Foxtrot (englische Schreibweise) und bezeichnenderweise ist damit nun der Instrumentenflug möglich. Mit Musik hat das Ganze aber trotzdem nichts zu tun: Instrumente, das sind hier lediglich technische Geräte wie GPS im Flugzeug und am Flugplatz, die es erlauben, die Position des Fliegers genau zu bestimmen, so dass eine Navigation auch ohne Sicht, sprich bei geschlossener Wolkendecke oder nachts, möglich ist. Umgangssprachlich ist auch von Blindflug die Rede.

Mendel, Geschäftsführer des Verkehrslandeplatzes Haßfurt-Schweinfurt, hatte mit seinem Team seit 2008 daraufhin gearbeitet. Mehrfach hat es sich verzögert, doch ab September 2013 gab es endlich die betriebliche Freigabe durch die Deutsche Flugsicherung.
Und das neue Angebot wird rege genutzt, wie Mendel sagt. "Es wird in einem Umfang angenommen, wie wir es nicht erwartet hatten." Bis zum 11. Dezember (über Weihnachten hatte der Flugplatz geschlossen), waren 108 solcher Instrumentenflüge (IFR) gezählt worden. Zudem glaubt Mendel, dass sich der IFR-Betrieb noch ausweiten wird. Unternehmen in der Region, die den Flugplatz für Geschäftsflüge nutzen, hätten das bereits durchblicken lassen.


Gut für Geschäftsfliegerei

Wer nutzt den Luftraum F in Haßfurt eigentlich? Mitarbeiter von SKF etwa fliegen mehrmals in der Woche zwischen dem Schweinfurter Werk und der Firmenzentrale im schwedischen Göteborg hin und her. Eine weitere Schweinfurter Firma, die "am Start" ist, ist Kroschke. Insgesamt, erklärt Mendel, profitiert die Wirtschaft der ganzen Region Main-Rhön davon. Denn im Gegensatz zu früher, wo nur bei guter Sicht und wolkenfreiem Himmel geflogen werden konnte, sind jetzt Starts und Landungen fast immer möglich (trotz Blindflug: die Sicht darf höchstens eingeschränkt sein; erkennt ein Pilot im Anflug etwa die Befeuerung der Landebahn nicht, muss er einen anderen Flugplatz aufsuchen). In der Regel nutzen kleinere Jets oder Turboprop-Maschinen den Luftraum F. Für die Geschäftsfliegerei sei das ein Pluspunkt: "Das, was wir wollten - größere Sicherheit und Planbarkeit - das haben wir erreicht", sagt Mendel.

Technischer Leiter des Flugplatzes in Haßfurt ist Wolfgang Linke. Als ihn der Fränkische Tag im Tower besucht, ist zwar gutes Flugwetter, aber der Himmel um Linke ist ruhig: "Die meisten haben ihre Flugzeuge noch eingemottet", sagt er. In den Hangars auf dem Flugplatz tut sich aber schon etwas, der eine oder andere Hobby-Pilot ist am Werkeln. Die Zeit ohne Flugverkehr nutzt Linke, um Papierkram zu erledigen, unter anderem Dienstpläne schreiben für ihn und die anderen Flugleiter. Der 59-Jährige war 34 Jahre lang Berufssoldat bei der Luftwaffe und kennt sich mit der Fliegerei bestens aus. Als er in den frühzeitigen Ruhestand ging, war der Verkehrslandeplatz in Haßfurt "genau das richtige Hobby", sagt er und schmunzelt. Mit der Umstellung auf den Instrumentenflugbetrieb kommt er gut zu recht. Neu im Tower ist ein Computer, mit dem die Befeuerung (Landebahn-Beleuchtung) und die Ampelanlage gesteuert werden. Außerdem gibt es jetzt eine Wetterstation, mit deren Hilfe der Flugleiter per Funk ("nach wie vor das Wichtigste") dem Piloten Informationen über Luftdruck, Temperatur, Windstärke und -richtung weitergeben kann. Der Ausbau des Flughafens war für den Sander eine sinnvolle Investition. "Wer erwarten schon, dass die Geschäftsfliegerei zunimmt", sagt er.


Gebühren anpassen

Klar ist für ihn auch, dass bei einer Investitionssumme von 900.000 Euro die derzeitigen Gebühren noch angepasst werden sollten. Je nach Flugzeugtyp werden bis zu 46 Euro pro Landung für Geschäftsflieger fällig. Auch wenn das ein Vielfaches des Betrags ist, was kleine private Maschinen bezahlen (etwa sechs Euro), für Unternehmen ist das keine große Sache. Schließlich muss auch der Verkehrslandeplatz Haßfurt-Schweinfurt schauen, wo er bleibt. Immerhin wird er von den drei Hauptgesellschaftern (die Städte Haßfurt und Schweinfurt sowie der Landkreis Haßberge sind mit jeweils 30 Prozent beteiligt, etwa neun Prozent hält die Verkehrslandeplatz GmbH, knapp ein Prozent der Motorflugclub Haßfurt) mit jährlich jeweils 25.000 Euro bezuschusst.