Lena, Frederik, Martin und Joshua-David sind jetzt "Filmstars" - ihr zehnminütiger Film bekam am Freitag viel Applaus von ihren Mitschülern an der Albrecht-Dürer-Mittelschule in Haßfurt. Es ist kein Krimi, keine Komödie, doch für Mittelschüler in der Berufsorientierung durchaus spannend. Sie lernten nämlich in dem Film einen eher unbekannten Beruf kennen: den des Verfahrenstechnikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik. "Es gibt 500 Berufe für Mittelschüler, man muss sie aber kennen", stellte die Rektorin Susanne Vodde bei der Filmpräsentation fest.

Es ist der elfte und letzte dieser Filme, die das Berufliche Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft (bfz) zusammen mit Schülern gedreht hat. Im Fokus standen dabei Berufe, die klischeebehaftet oder wenig bekannt sind. Vorgänger hatten es mit Berufsbildern wie Koch oder Dachdecker vielleicht etwas leichter, ihr Publikum zu fesseln, doch das Ergebnis der vier Haßfurter kann sich sehen lassen. Zwei Tage lang durften sie bei der Firma Maincor in Knetzgau und Haßfurt dem Berufsbild des Verfahrenstechnikers auf den Grund gehen, vor der Kamera Interviews führen und an den Maschinen die Arbeit selbst ausprobieren.

Zwischen Stolz und Verlegenheit schwankte Lena, als der Film Freitag vor den Klassenkameraden und einigen Lehrkräften erstmals gezeigt wurde. Für die Maincor-Personalleiterin Andrea Reichert und Fertigungsleiter André Rudolph war es selbstverständlich, das bfz bei diesem Projekt zu unterstützen. Schließlich ist das ein guter Weg, das Unternehmen und die dort vertretenen Berufsbilder zu präsentieren.

Zehn verschiedene Berufe werden bei Maincor ausgebildet. Bisher hatte man noch keine Probleme, geeignete Auszubildende zu finden, auch wenn sich Absagen kurz vor Ausbildungsbeginn häufen, so Andrea Reichert. Während Bewerbungen als Industriekaufleute ganz von selbst kommen, ist das bei Verfahrenstechnikern anders, "weil das Berufsbild relativ unbekannt ist", so Rudolph. "Bestimmt ein Männerberuf, weil ich davon noch nie gehört habe", vermutete auch Akteurin Lena Schneider zu Beginn des Projekts. Jetzt weiß sie, dass das durchaus auch ein Beruf für Frauen ist. Sie denkt über ein Praktikum nach.

Schließlich bildet Maincor jährlich zwei Verfahrenstechniker aus, und "bisher haben wir alle übernommen", erklärte André Rudolph in der Fragerunde mit den Schülern. Daniel Korn und Nicole Götze (beide bfz) freuen sich über den gelungenen Film, der den Abschluss des mittlerweile beendeten Projekts bildet.

Die elf Filme werden unter anderem im Zuge der Berufsorientierung als Anschauungsmaterial für die siebten bis neunten Klassen der Mittelschulen in der Region vorgestellt. Außerdem sollen diese Filme beispielsweise bei Ausbildungsbörsen gezeigt werden. Sowohl die Agentur für Arbeit als auch die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer erhalten Exemplare zur freien Nutzung. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und dem Europäischen Sozialfonds.

Die Vertreter des bfz nutzten die Gelegenheit, gleich auf das Folgeprojekt hinzuweisen. Es heißt "power(me)" und zielt darauf ab, Jugendlichen, die den "Quali" nicht erreichen konnten, den Weg in eine Ausbildung in der Metall- und Elektro-Industrie zu ebnen. 1000 Jugendliche können bayernweit an diesem Projekt teilnehmen.