Söders neue Verordnung kam am Dienstag aus heiterem Himmel: Ab Montag, 18. Januar, gilt in Bayern die FFP2-Maskenpflicht im Einzelhandel und Nahverkehr. Für viele Bürger, auch im Landkreis Haßberge, heißt es deshalb: schnell noch in die Drogerie oder Apotheke!

Monika Ulrich ist auf dem Weg in die Apotheke, allerdings nicht, um eine FFP2-Maske zu kaufen. Sie ist im Moment vollkommen ausgelastet. Ihrer Mutter geht es nicht so gut, das bedeutet für die 63-Jährige Tag und Nacht zur Seite stehen und nach der Mama schauen. Da muss sie eben in vielerlei Geschäfte und so trägt sie Maske jetzt bereits. Schon eine Weile hat sie die FFP2-Masken, die es für die älteren Bürger im Dezember gratis gab. Die hätte sie nicht, wenn damals nicht ihr Mann darauf gedrungen hätte: "Du gehst da jetzt hin ..." Rückblickend ist die Zeilerin froh, dass sie wenigstens eine wenige dieser Masken hat. Denn kostenlose FFP2-Masken gibt es in den Apotheken nur mit dem Berechtigungsschein aus der Bundesdruckerei. Und die hat ja noch kaum jemand von seiner Krankenkasse erhalten, auch nicht Monika Ulrich.

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In der Apotheke von Sonja Münzhuber ist am Dienstag der allererste Berechtigungsschein aufgetaucht. Die Söder-Ankündigung hat mächtig Bewegung in die tägliche Arbeit gebracht. Ab 14 Uhr klingelten am Dienstag auch die Telefone in der Zeiler Apotheke non stop und im Geschäft gab es jede Menge Anfragen. Selbst kurz vor Ladenschluss saust noch ein junger Mann an die Theke und verlangt drei dieser Masken. 4,95 Euro? Er stockt kurz, legt dann das Geld auf den Tisch. Hilft ja nichts, ab Montag braucht die jeder.

Vorsicht vor gefälschten Masken

Sonja Münzhuber schüttelt den Kopf angesichts der kurzfristigen Ansagen der Politik, die die Menschen jetzt schon die ganze Woche aufscheuchten. Schon im Dezember sollten die Apotheker quasi über Nacht die Masken besorgen, und ganz aktuell sieht die Fachfrau "die Gefahr der gefälschten Masken". "Ich bekomme Anfragen und Angebote von Firmen, von denen ich mein Lebtag noch nicht gehört habe", sagt Münzhuber. Sie vertraut auf ihren seriösen und langjährigen Anbieter aus Bamberg, der zwar nicht billig ist, obwohl er in Korea herstellen lässt, der gleichwohl aber für die höchste Qualität garantiert. "Und wir als Apotheker sind ja dafür verantwortlich." Denn es gibt sehr wohl gefälschte oder einfach hergestellte Masken aus China (Aufdruck KN95), die ein CE-Prüfzeichen führen. Fälschlicherweise! Oft ist es zusammen mit irgendeiner Zahlenkombination einfach auf die Packung gedruckt. Der Verbraucher - und selbst der Fachmann - kann den Schmu im Grunde auf den ersten Blick nicht erkennen, zahlt möglicherweise teures Geld für schlechtes Material.

Hohe Kosten sorgen für Ärger

Eines der größten Ärgernisse ist bei der FFP2-Maske ihr Kostenfaktor. Zehn Stück zu 23 Euro, das gilt schon als Schnäppchen. Kostenlos stünden sie älteren Bürgern zu, doch die Krankenkassen liefern (noch) keine Berechtigungsscheine. Dabei bräuchte man sie gerade jetzt. Anrufe bei der Barmer-Hotline und bei der AOK belegen das für den Landkreis Haßberge: Freundlich erklären die Damen, dass die Kontingente von der Bundesdruckerei eben erst angeliefert, eingetütet und versendet werden. "Bis Anfang Februar wird es schon dauern", vertröstet die Barmer-Sprecherin.

"Wir hatten im Dezember vier Tage zur Organisation, die Bundesdruckerei und die Krankenkassen vier Wochen, aber leider haben die allermeisten Versicherten noch keine Gutscheine erhalten. Es bleibt also spannend und arbeitsreich für uns", sagt Doris Zeltner von der Einhorn-Apotheke in Haßfurt. "Leichter wäre es für uns allerdings , wenn die Phase 2, verbunden mit Coupons , besser organisiert wäre."

Bereits am Dienstag sei der Ansturm enorm gewesen, die Nachfrage sei "um 1000 Prozent gestiegen". Dass die Stammkunden, die nicht wegen der Masken ins Geschäft kamen, so großes Verständnis hatten, freut die Apothekenchefin. Es lebe sich aber für sie etwas ruhiger, weil sie genug Ware eingekauft habe und sich durch die Phase 1, damit meint sie die Verteilung der kostenlosen Masken im Dezember, auch eine kleine Vorahnung für den Bedarf bekommen habe. Rund 1500 bezugsberechtigte Personen wurden damals mit Gratis-Masken versorgt. Für den jetzigen Ansturm ist Zeltner gewappnet.

Margit Stäbler von der Löwen-Apotheke Eltmann informierte auf Anfrage, dass die Bestände ausreichen. Der Ansturm sei "immens". "Es ist schwierig, normale Patienten mit Rezept zu bedienen", sagte Stäbler: "Das Team ist - erneut - am Limit!" - "Bei uns herrscht prinzipiell eine erhöhte Nachfrage, aber wir sind nicht so überrannt worden wie im Dezember, als es die Gratis-Masken gab", meinte hingegen Stephan Schmitt von der Haßgau-Apotheke Hofheim. Schmitt kritisierte das ungünstige Timing der Politik. Schließlich warteten viele Bürger noch auf ihre Berechtigungsscheine.

Klare Meinung im Netz

"Der Herr Söder weiß nicht mehr was er noch anordnen soll , ich finde seine Politik mittlerweile nicht mehr nachvollziehbar", meint "Andy" auf der FT-Facebookseite "Fränkischer Tag Haßberge" und erhält dafür viel Zuspruch. Sichtlich genervt sind andere Nutzer. "Das ist unverständlich und was macht man mit den Masken wo wir die ganze Zeit getragen haben (Einweg)?! Erst kaufen und dann wegwerfen oder wie?", fragt sich "Jügen". "Andrea" ärgert sich ebenso: "Und die anderen Masken die man sich gekauft hat kann man jetzt in die Tonne kloppen, oder was?". Von 44 Kommentatoren reagieren 33 wütend auf die FFP2-Maskenpflicht, fünf Nutzern gefällt das, einer zeigt sich erschrocken, einer traurig.

Wie geht der Landkreis mit der neuen Verordnung um?

Die Frage, wie sich Sozialhilfeempfänger teure FFP2-Masken beschaffen sollen, beschäftigte die SPD-Kreistagsfraktion. Paul Hümmer forderte: "Der Landkreis sollte sich darum kümmern, dass die Masken für Bedürftige so schnell wie möglich über Sozialamt, Jobcenter oder Tafeln ausgegeben werden." Am Freitag kündigte der Landkreis durch Presssprecherin Monika Göhr an: Das Landratsamt Haßberge gleicht sich der Pflicht zum Tragen der FFP2-Schutzmasken an und erlässt daher für Besucher sowie in allen weiteren Dienstgebäuden ebenfalls eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken. Diese Regelung gilt auch für das Kreisabfallzentrum und in den Wertstoffhöfen. Doch das Landratsamt hat auch Hilfsbedürftige und Pflegende im Blick und nahm damit den Appell der Kreis-SPD auf "Jeder, der im Landkreis Haßberge leistungsberechtigt ist, das sind rund 2000 Menschen - erhält nächste Woche per Post fünf Schutzmasken gratis zugeschickt." Ferner erwarte das Landratsamt in der nächsten Woche eine Lieferung von FFP2-Schutzmasken, die über die Kommunen sehr zeitnah an pflegebedürftige Angehörige verteilt werden sollen. Voraussichtlich ab Montag, 25. Januar, könnten die FFP2-Schutzmasken in der Stadt- oder Gemeindeverwaltung am Wohnort der pflegebedürftigen Person kostenfrei abgeholt werden. Jede Hauptpflegeperson solle drei Schutzmasken erhalten. Als Nachweis reiche ein Schreiben der Pflegekasse über den Pflegegrad.

Aber bitte mit Siegel : Kommentar von Redakteurin Katja Müller

Die Bayerische Regierung hat zum Sturm auf die FFP2-Masken geblasen. Die Frage "Dürfen die das überhaupt?" kann an dieser Stelle leider nicht beantwortet werden. Das Kaufverhalten der Mitbürger spricht allerdings für ein klares "Ja". In Drogerien und Discountern waren die Masken innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Nachlieferung? Ungewiss. Der Einzelhandel war von der Maßnahme scheinbar genauso überrascht wie der einzelne Bürger. Ärgerlich. Bleiben die Apotheken und die Weiten des Internets. Über Apothekerpreise wollen wir hier nicht streiten. Auf Dauer - die Masken sollen ja eigentlich nur ein Mal verwendet werden - sind sie jedenfalls hoch. Wer im Internet auf einen günstigen Mund-Nasenschutz hofft, muss sich erst einmal durch das Angebot wühlen. Das ist nur auf den ersten Blick groß, auf den zweiten undurchsichtig und auf den dritten leider ebenfalls teuer.

Die Nachfrage bestimmt den Preis - und die ist enorm. Dazu braucht es Geduld, um die vielen Produktbeschreibungen in gebrochenen Deutsch auf eine EU-Zertifizierung abzuklopfen.

Hat man sich dann endlich entschieden, kommt das dicke Ende gerne am Schluss: Lieferschwierigkeiten, Lieferdatum ungewiss, Lieferung ab Mitte Februar. Herzlichen Dank. Soll man sich jetzt darüber freuen, dass der Nahverkehr im Kreis Haßberge noch nicht optimal ausgebaut ist? Dadurch gibt es an der Stelle wenigstens wenig(er) Not, eine FFP2-Maske zu tragen. Bleibt der Einkauf, denn der kommt ohne Maske nicht in die Tüte.