Wie reagiert man, wenn man elf Eier zum Frühstück serviert bekommt? Wie geht man mit einem Fahrraddieb um, und warum wird man sogar im Kloster von schlüpfrigen Angeboten nicht verschont? Worüber lachen selbst Kamele, wie kommt man dazu, sich in Myanmar mit einem Vogelhändler beim Armdrücken zu messen, und was hat es mit der Kanalratte auf sich? Antworten auf diese Fragen gibt der Radabenteurer Manfred Wagner aus Holzhausen (Stadt Königsberg) in seinem neu erschienenen Buch "Die Kanalratte in Kasachstan". 99 Länder hat er seit dem Jahr 1998 mit seinem Drahtesel bereist. Bei 60 Reisen begleitete ihn seine Ehefrau Inge. Wir befragten das Paar über ihre Erlebnisse und Abenteuer.

Bei Reisen quer durch alle Kontinente geht wohl nicht immer alles glatt. Gab es brenzlige Situationen?

Manfred Wagner: Da fällt mir als erstes der Sandsturm in der Wüste Gobi (Mongolei) ein. Dort war ich im Jahr 2009 mit einem Radfreund aus Thüringen. Wir waren mitten in der Wüste, als innerhalb von kurzer Zeit ein fürchterlicher Sandsturm aufkam. Die Sandkörner schwirrten so schnell durch die Luft, dass sie schmerzhaft auf die Haut prasselten. Sogar die Sonne verfinsterte sich. Es wurde dunkel für zwei bis drei Tage. Wir hatten unwahrscheinliches Glück, weil wir uns verfahren hatten und ein Stück zurück mussten. Meine Mutter würde sagen, das war göttliche Fügung. Beim Zurückfahren trafen wir auf einige kleine Hütten. Es war ein winziges Dorf, in dem uns die Bewohner Unterschlupf in einem Schuppen gewährten. Dort verbrachten wir die nächsten Tage und waren heilfroh, dass wir diese Bleibe gefunden hatten. Wenn wir dem Sturm schutzlos mitten in der Wüste ausgeliefert gewesen wären, wäre dies lebensgefährlich gewesen.

Diese Geschichte ist auch in meinem Buch beschrieben. Die Touren sind dort chronologisch erzählt, vom Jahr 1998 bis zu diesem Jahr. In Alaska und Kanada mussten wir nachts immer wieder aufpassen wegen Bären. Lebensmittel mussten wir 50 bis 100 Meter vom Zelt entfernt deponieren, weil die Bären feine Nasen haben und Lebensmittel aus großer Entfernung riechen. Wir wurden auch von Autofahrern vor Grizzlybären gewarnt, die sie gerade gesehen hatten. In der Türkei im Jahr 2008 erlebten wir den einzigen Überfall auf all unseren Radtouren. Junge Burschen überfielen meine Frau, die mir damals ein Stück vorausfuhr.

Inge Wagner: Es war eine komische Situation. Die zwei Männer hatten mit ihren Motorrädern eine Panne vorgetäuscht. Sie warfen mich zu Boden und schlugen mich böse. Das war eine sehr schlimme Situation.

Manfred Wagner: Ansonsten haben wir nie schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht. Am gastfreundlichsten waren die Leute im Iran. Wir bekamen täglich Sachen geschenkt, meist Lebensmittel, und wurden oft zum Essen und Übernachten eingeladen, obwohl die Menschen selbst wenig hatten.

Gab es auch Situationen, wo ihr einen Schutzengel hattet?

Manfred Wagner: Im Jahr 2010 fuhren wir durch China. Dort gab es auf einer Straße ein tiefes und großes Schlagloch. Ich sah es nicht und fuhr hinein. Das Vorderrad blieb im Loch stecken. Ich flog in hohem Bogen über mein Fahrrad drüber. Ich trug damals noch keinen Helm. Als ich aufschlug, hörte ich es knacken. Ich dachte, die Brille wäre kaputt. Doch sie war noch ganz. Aber der Stahlrahmen meines Fahrrads war an zwei Stellen gebrochen. Ich selbst erlitt nur ganz leichte Abschürfungen an der Wange. Den Rahmen konnte der Dorfschmied schweißen.

Gab es Glücksmomente?

Inge Wagner: Es gab auf all unseren Reisen Höhepunkte und Tiefschläge. Ich hatte zwar auf jeder Reise irgendwann einen Tiefpunkt, doch danach gab es jedes Mal auch faszinierende Erlebnisse. Manfred Wagner: Es gab fast in jedem Land tolle Begegnungen mit anderen Menschen, die ich im Nachhinein nicht missen möchte. Auch landschaftliche Höhepunkte waren dabei wie die Rocky Mountains in Kanada und USA, die Nationalparks in den USA, die Berge Kirgisistans am Rande des Himalaya oder der Karakorum-Highway in Pakistan. Auch kulturelle Highlights wie die Pyramiden in Mexiko, die Tempelanlagen in Thailand und Myanmar oder die Reisterrassen auf den Philippinen haben uns tief beeindruckt.

Wie habt ihr die Reisen finanziert?

Manfred Wagner: Wenn man bereit ist, auf Komfort und Luxus zu verzichten, kann man auch heute noch sehr günstig die ganze Welt bereisen. Das ist die Erfahrung, die wir immer wieder machen. Wir sind stets autark unterwegs. Wir haben Zelt, Schlafsäcke, Isomatten, Kochgeschirr, Ersatzteile, Werkzeuge und natürlich Klamotten dabei. Was ins Geld geht, sind meist die Übernachtungen. Meistens übernachten wir ein-, zweimal die Woche in einer Pension oder einem kleinen Hotel, ansonsten zelten wir.

Inge Wagner: Es gab auch schon Reisen, auf denen wir kein einziges Mal in einem Hotel waren, weil es zu teuer war, wie in Island. Geduscht haben wir dann eben auf Campingplätzen.

Gibt es noch Herausforderungen? Ist die Reise in das 100. Land schon geplant?

Manfred Wagner: Wir machen gerne Fortsetzungstouren. Es ist ein gutes Gefühl, da zu starten, wo man schon einmal war. Neuland ist für uns Südamerika. Vom Nordpolarmeer bis nach Panama sind wir schon gefahren, mit Ausnahme der Strecke zwischen Seattle und Las Vegas, die wir auch noch nachholen wollen. Auch in Afrika kam ich noch nicht weit. Und auch Indien reizt mich noch. Es gibt noch jede Menge Pläne. Wir sind beide froh,dankbar und sogar demütig, dass wir in unserem Alter - wir sind beide 65 -- noch so fit sind, dass wir solche Reisen machen können. Es ist auch ein ganz großer Glücksfall, dass meine Frau diese Leidenschaft mit mir teilt.

Das Buch mit der ISBN-Nummer 978-3-86963-480-7 kostet 19 Euro und ist erhältlich in jeder Buchhandlung oder bei Manfred Wagner selbst: Telefon 09526/1428, E-Mail: wagner-1955@gmx.de.