Wohl jeder erinnert sich an die Flutkatastrophe 2013, verursacht durch tagelange starke Regenfälle von Ende Mai und Anfang Juni. Als vielerorts Brücken, Straßen und Häuser überschwemmt wurden und die Menschen ihr Hab und Gut verloren, war die Spendenbereitschaft groß. Diese Situation nutzte ein 61 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Haßberge schamlos aus und sammelte - von Haus zu Haus gehend - angeblich Spendengelder für die Opfer der Flutwelle ein. Wegen Betrugs verurteilte ihn das Amtsgericht Haßfurt zu einer Geldstrafe von 540 Euro.

Der verheiratete Familienvater aus dem Maintal leitete früher eine eigene Firma, die jedoch längst pleite gegangen war. Als ehemals Selbstständiger hatte er keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld, und so befand er sich in argen finanziellen Nöten.
Zu allem Unglück hatte er damals auch eine Autopanne, und er wusste nicht, wovon er die Reparatur bezahlen sollte.

An Zeit mangelte es ihm nicht und in dieser Lage kam er auf die Schnapsidee, sich selber einen Spenderausweis zu basteln. Um möglichst glaubhaft zu wirken, schrieb er den Namen der Caritas auf den Zettel. Damit ging er im Zeitraum zwischen Juli und September 2013 in Orten im Landkreis Bamberg sowie in Ebelsbach, Zeil, Sand und Haßfurt "Klinken putzen".

212,50 Euro ergaunert

Insgesamt 40 Mal vertrauten die Bürger dem falschen Spendensammler. Die meisten gaben fünf oder zehn Euro, insgesamt ergaunerte der Abzocker auf diese Weise 212,50 Euro, listete Ilker Özalp als Vertreter der Staatsanwaltschaft auf.

Auf der Anklagebank bereute der Mann seinen Schwindel und war voll geständig. Eine gänzlich weiße Weste hat der Angeklagte gleichwohl nicht. Im Jahr 1997 war er wegen Steuerhinterziehung und 2005 wegen Insolvenzbetrugs verurteilt worden. Da diese Delikte relativ weit zurücklagen, wurden sie ihm nicht weiter zur Last gelegt. Andererseits werteten die Juristen das planvolle und gezielte Vorgehen des Beschuldigten als Ausfluss einer erheblichen kriminellen Energie. Inzwischen arbeitet der Mann wieder.

In seinem Plädoyer forderte Özalp eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen á 30 Euro. Mit ihrem Urteilsspruch von 18 Tagessätzen blieb die Strafrichterin Ilona Conver geringfügig unter dem beantragten Strafmaß. Zusätzlich muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

Mit seiner Straftat, betonte die Gerichtsvorsitzende in der Urteilsbegründung, habe der Nepper sowohl die vorgeschobene Spendenorganisation als auch die Spender selber betrogen. Sie gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass es sich dabei um einen Ausrutscher handelte. Der Verurteilte war mit dem Richterspruch einverstanden, ob der Staatsanwalt auch auf Rechtsmittel verzichtet, blieb offen.