Was sagt einem der gesunde Menschenverstand? Feuchtes Holz, das schimmelt. Warum nur besprenkelt Philipp Reitz dann sein gutes Buchenholz mit Wasser und lässt es monatelang herumliegen? Damit es gut bleibt, erklärt der Sägewerk-Besitzer aus Wonfurt.

Holz haltbar machen mit der Hilfe von Wasser: Diese Technik funktioniert und ist in vielen Holz verarbeitenden Betrieben von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Verschiedenes Holz kann nur zu bestimmten Zeiten geschlagen werden, die Verarbeitung des Stoffes erfolgt aber nahezu das ganze Jahr.

Also muss es auf Vorrat gehalten werden. Einfach herumliegen lassen geht nicht. Das Holz trocknet schnell aus, "es wird grau und läuft ein", sagt Philipp Reitz. Der Geschäftsführer der Reitz GmbH im Industriegebiet am nahegelegenen Main müsste dann eine erhebliche Qualitätsminderung in Kauf nehmen.

Poren saugen sich voll

Deswegen kommt das Holz in ein so genanntes Nasslager. Das Prinzip: Indem die Stämme täglich mehrmals mit Wasser berieselt werden, saugen sich die Poren des Holzes voll, so kann keine Außenluft hineingelangen. Das wäre nämlich Voraussetzung, dass sich dort Schädlinge wie holzfressende Insekten oder Pilze ansiedeln können.

Durch die Nasslagerung lassen sich Stämme sogar mehrere Jahre bei geringem Wertverlust aufbewahren. Die Lagerfähigkeit hängt von der Baumart ab. Im Sägewerk Reitz wird fast ausschließlich Buche verarbeitet, wie der Chef erklärt. Länger als drei Monate sollte die Lagerzeit bei diesem Baum nicht betragen.

Der Holzeinschlag in den hiesigen Buchenwäldern geschieht laut Reitz im Zeitraum Oktober bis Februar. In dieser Zeit "muss ich meinen ganzen Jahresbedarf abdecken", erklärt der 61-jährige Firmenchef, der mit seinen zwei Söhnen das Familienunternehmen leitet. Bis Ende Juni könne man die in Herbst und Winter geernteten Buchen gut schneiden, länger lassen sie sich nicht ohne Qualitätsverlust aufbewahren. Reitz verweist auf ein altes Sprichwort aus seiner Branche: "Ist die Kirsche rot, ist die Buche tot."

Pro Jahr verarbeitet Reitz etwa 28 000 Festmeter Buche, rund 6000 davon müssen auf den Nasslagerplatz. Eine Berieselungsanlage, ähnlich den Rasensprengern auf Fußballplätzen, sorgt dafür, dass das auf zwei Stapel verteilte Holz gleichmäßig benässt wird. Alle 20 Minuten ist für eine Seite Pause, während die andere besprüht wird. Wenn es heißer draußen wird, verkürzen sich diese Phasen, erklärt Philipp Reitz. Das Wasser dafür kommt aus einem Brunnen. Etwa 40 Millionen Liter werden pro Saison für den Lagerplatz benötigt. In diesem Jahr wird die Firma Reitz ihren Nasslagerplatz allerdings verlegen. Der Grund sind neue Hochwasserbestimmungen. Nun soll ein neuer, moderner Platz etwas weiter in Richtung Hauptbe triebsgelände entstehen. Der Gemeinderat Wonfurt hat dafür in seiner vergangenen Sitzung seine Zustimmung gegeben. Wie Reitz erklärt, soll dann auch nicht mehr auf Brunnen-, sondern auf Mainwasser zurückgegriffen werden.

"Das geht an die Existenz"

Sein Holz bezieht Philipp Reitz zu großen Teilen aus direkter Umgebung. Etwa 7500 bis 8000 Festmeter kommen aus den Staatsforsten Ebrach, gutes Holz und kurze Transportwege, findet der 61-Jährige. "Ich kenne den Wald aus dem Effeff." Die Diskussion um einen Nationalpark Steigerwald kommt ihm da in den Sinn. Bei dem Thema wird er nachdenklich und auch ein bisschen wütend. Unvorstellbar wäre für ihn, wenn er aus den heimischen Wäldern kein Holz mehr kaufen könnte. "Wenn das wegfallen würde, könnte ich mein Sägewerk zumachen. Das geht an die Existenz." Wer behaupte, der Wald werde ausgebeutet, der habe die Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht mitbekommen: Der Wald werde so gut es geht geschont und in vielen Teilen naturbelassen. Zudem verweist Reitz darauf, dass die Wertschöpfung vieler holzverarbei tender Betriebe zu großen Teilen in der Region bleibt. Wer wolle so etwas aufgeben?