Allein das Wort Gericht hat einen negativen Beigeschmack. Vorgeladen wird oft, wer mit einer Straftat in Verbindung steht. Dass Gerichte aber auch helfen, schützen, unterstützen, weiß jeder, der schon einmal ein Haus gekauft hat. Am Amtsgericht Haßfurt informierten gestern Rechtspfleger über ihre Arbeit: Wie wird man Rechtspfleger? Was kommt ins Grundbuch? Und welche Vorsorge muss im Betreuungsfall getroffen werden?

Ursprung des Grundbuchs

Der französische Feldherr Napoleon gilt als einer der Erfinder des heutigen Grundbuchs, damals Kataster genannt, informierte Günter Schuster, der Leiter des Grundbuchamts, anlässlich der "Woche der Justiz" im Haßfurter Amtsgericht. Napoleon hatte während der Besatzungszeit im Rheinland anfangs des 19. Jahrhunderts erstmals Parzellen vermessen lassen.
In dem Ur-Kataster waren Grundstücksgrenzen vermerkt, um Steuern erheben zu können.

Heute ist das Grundbuchwesen viel komplexer. Das Grundbuchamt steht in ständigem Kontakt mit Vermessungsämtern, Gemeinden, Insolvenzgerichten, Bürgern sowie vielen weiteren Stellen und regelt die Eigentums- und Nutzungsrechte von Grundstücken. Die Rechtspfleger Sonja Geus, Katja Kettler-Neeb, Ilker Özalp und Günter Schuster gaben einen Überblick über ihre Arbeit im Grundbuchamt.

"Ein Sonderfall ist das Wohnungseigentum, weil einem ja nur ein Teil eines Grundstücks oder Gebäudes gehört", sagt die Rechtspflegerin Sonja Geus. Um als Mieter gegen Nutzungsansprüche des Vermieters abgesichert zu sein, muss ein Grundbucheintrag erfolgen.

Absicherung beim Hauskauf

Gleiches gilt, wenn ein Kaufvertrag für ein Haus unterschrieben, aber die Formalia noch nicht erledigt sind. "Solange der Verkauf nicht vollends abgeschlossen ist, könnte der Verkäufer das Grundstück auch anderweitig veräußern", erklärt Geus. Zur Absicherung sei eine Auflassungsvormerkung im Grundbuch ratsam: Die sichert die Eigentumsansprüche des Immobilienkäufers, bis dieser als Eigentümer in das Grundbuch des Grundstückes eingetragen worden ist.

Über den ganzen Tag informierten gestern im Haßfurter Amtsgericht Rechtspfleger aus dem Kreis Haßberge und aus Bamberg außerdem über Themen wie Erbrecht, Versorgungsfragen und Grundstücksversteigerungen. Der Direktor des Amtsgerichts, Wolfgang Titze, nannte die "Woche der Justiz" eine gute Gelegenheit, um mit "Unkenntnis und der grundsätzlichen Angst vor Gerichten aufzuräumen". Es wurde nicht nur über die Mechanismen der freiwilligen Gerichtsbarkeit aufgeklärt, sondern auch um Nachwuchs geworben: Rechtspfleger Ilker Özalp informierte über die Voraussetzungen zur Ausbildung als Justizangestellter, Präsentatsbeamter und Rechtspfleger. In der Woche der Justiz öffnen in ganz Bayern Gerichte, Staatsanwaltschaften, Justizvollzugsanstalten und weitere Justizeinrichtungen ihre Türen.