Fronleichnam ist auf dem Land ein traditioneller Feiertag. Ein Kirchenbesuch und die Fronleichnamsprozession gehören fest dazu. Unabdingbar auch die geschmückten Altare, an denen Halt gemacht wird. Familie Lorz aus Sand gestaltet den Hauptaltar an der Zeiler Straße. Vier gibt es insgesamt in Sand.

Bereits seit 40 Jahren, seit Opa Reinhold Lorz in Sand wohnt, kümmert sich die Familie gemeinsam um das Sandstein-Marterle vor ihrer Haustür. "Früher wurde einfach ein grüner Teppich aus Farn mit kleinen Symbolen gelegt", erklärt Schwiegertochter Ramona Lorz.

Heute gestaltet die Familie alles etwas kreativer und aufwändiger. Zuerst geht es an die Planung: Über Blumen und Muster muss sich die Familie Gedanken machen. In manchen Jahren kommt es auch vor, dass es keine Blumen mehr gibt. Dann ist Improvisationstalent gefragt. "Wir suchen dann einfach nach Alternativen, wie Rindenmulch oder Blumenerde", sagt Ramona Lorz.

Die Muster lassen sie sich dabei immer selbst einfallen. "Meist sind es kirchliche Symbole, wie Kelche, Fische oder Kreuze", erklärt Sohn Christian Lorz. Dieses Jahr hat sich die Familie von dem Motto der Kommunion inspirieren lassen: Jesus ist die Sonne in deinem Herzen. Die neunjährige Enkelin Emily zeigt stolz ihre vorläufige Skizze. Aus Farnblättern entsteht ein großer Kreis. Aus Rindenmulch wird ein großes Kreuz darauf gelegt. In der Mitte erstrahlt die Sonne durch Hollerblüten. Und für das symbolische Herz opfert die Familie die leuchtend roten Rosen, die am Morgen noch die Hauswand schmückten.

Opa Reinhold zog mit seinen beiden Enkelinnen, Emily und Elisa, los: Im Wald Farn holen. Am Sander Steinbruch müssen die Drei lange suchen, bis sie ein Eckchen voller Farn entdeckt haben.Auch gelbe Blumen finden die drei dort. Die Vorbereitungen kosten viel Zeit. Zeit jedoch, die die Familienmitglieder zusammen verbringen: Opa, Oma, Tanten, Cousinen, Mama und Papa. Unterstützung bekommt Familie Lorz von den Verwandten der Familie Smola - sie alle helfen mit.

Tradition wird weitergegeben

Für das Blumen- und Farnholen sind die Männer verantwortlich, für das Legen die Frauen. "Das macht einfach Spaß und ist jedes Jahr eine neue Herausforderung", sagt Ramona Lorz. Spaß ist auch einer der Hauptgründe warum der Blumenteppich als Tradition in der Familie Lorz von Generation zu Generation weitergegeben wird. Bereits die Kleinsten werden an die Aufgabe herangeführt. "Wenn einer mit dem Altar schmücken aufhört, wird im Dorf nur selten ein Nachfolger gefunden", erzählt Schwiegertochter Ramona.

Um zehn Uhr muss der Blumenteppich fertig sein, dann kommen die Leute aus der Kirche. Vier Stunden Zeit, um den grauen Straßenbelag in ein wunderschönes Blumenmeer zu verwandeln. Wenn das eine Familie schafft, dann Familie Lorz. Tradition verbindet.