Vier Supermärkte betreibt Gerhard Meyer im Landkreis Haßberge. Dass es hier mit regionalen Dingen zu geht, versucht der Kaufmann zwar zu gewährleisten. Aber immer und überall sei das gar nicht möglich. Zum einen liegt das, sagt Meyer, daran, dass er seine Produkte über den Edeka-Großhandel bezieht und dort teils Mengen eingekauft werden, die in dieser Größenordnung vor Ort gar nicht produziert würden. Mehrere Tonnen Schweinekotelett aus Franken für alle Edeka-Märkte in Franken: Bei solchen Massen wird es für ausschließlich regionale Erzeugnisse schwierig. Dennoch sei das System insgesamt darauf ausgelegt, möglichst "viele regionale Anbieter" zu haben.
Zum einen sei es ökologisch sinnvoll, wenn man Produkte nicht "durch ganz Deutschland karren" muss.
Zum anderen setze auch der Verbraucher auf regionale Waren - allerdings nur bedingt, schränkt Meyer ein: Der Kunde will zum Beispiel Erdbeeren ab März. "Die kommen dann aus Spanien oder Italien", sagt er. Deutsche Erdbeeren gibt es erst ab etwa Juni. Das Herkunftsland wird bei Obst und Gemüse immer angegeben. Aber: Wie regional ist es im Supermarkt eigentlich, und kann das der Kunde immer nachvollziehen? "Das kommt darauf an", erklärt Meyer. "Bei allen Produkten, die verarbeitet wurden, wird es schwierig." So könne man im Laden zwar "Wurstkonserven aus Franken" finden. Das bedeutet dann so viel wie, dass die Ware hier verarbeitet beziehungsweise hergestellt wurde. Aber: Das Fleisch dafür könne natürlich woanders herkommen, als aus Franken.

Bier aus Franken

Wenn eine Region für etwas bekannt ist, dann soll sich das nach Meyers Vorstellungen auch in seinem Sortiment widerspiegeln. So ist Franken etwa ein Bierland und in seinen drei Edeka-Läden in Zeil, Haßfurt und Obertheres sowie in seinem Kupsch-Markt (gehört ebenfalls zur Edeka-Gruppe) in Haßfurt wird laut Meyer 60 Prozent des Bier-Umsatzes mit regionalen Bieren erzielt. Freilich gilt auch hier: Das Bier ist in Franken hergestellt, aber der Hopfen zum Beispiel kommt meist woanders her, erklärt der Kaufmann.
Anders ist das bei unverarbeiteten Produkten, insbesondere Frischeprodukten wie Spargel oder Eiern. Die kauft Meyer quasi direkt vor der Haustür. In all seinen Märkten etwa gibt es Eier aus Pfarrweisach. Die kommen vom "Vier-Burgen-Blick-Hof", den Michaela und Roland Rügheimer betreiben. Die Nachfrage nach regionalen Produkten ist laut Michaela Rügheimer in den vergangenen Jahren stets gewachsen. Insbesondere achteten die Menschen darauf, dass bei der Erzeugung eines Produktes etwa die Tiere fair behandelt werden. Angefangen haben die Rügheimers 2008 mit einigen wenigen Hühnern, die sie sich privat gehalten hatten. Nach einiger Zeit kamen ein paar mehr dazu, sie bauten einen mobilen Hühnerstall, so dass sich die Tiere viel im Freien bewegen konnten. Heute sind es drei große mobile Ställe mit rund 5500 Hühnern, die täglich über 5000 Eier produzieren. "Uns war wichtig, dass wir das Zertifikat KAT erhalten", sagt Michaela Rügheimer. Das steht für "Kontrollierte artgerechte Tierhaltung" und der Verbraucher kann das anhand der Verpackung im Laden nachvollziehen. Die Rügheimers beliefern mittlerweile Kunden in den Landkreisen Haßberge, Bamberg, Schweinfurt und Coburg. Sogar in Thüringen finden ihre Eier Absatz.

Was ist regional?

Überhaupt, so stellt sich für Gerhard Meyer die Frage, was ist eigentlich regional? Wenn etwas aus einem Landkreis kommt, aus einem Bezirk, aus Franken, oder aus Deutschland? Genau definiert ist das nämlich nicht beziehungsweise jeder interpretiert regional anders. Für das Siegel "Regional" etwa, das heuer einige Handelsketten, darunter Edeka, einführen wollen, wird das durch den Verein "Regionalfenster" so beschrieben: "Die Definition der Region muss klar und transparent sein, zum Beispiel durch Angabe von administrativen Grenzen (Benennung des/der Landkreise/s, eines Bundeslandes etc.) oder durch einen Radius in Kilometern (zum Beispiel 100 Kilometer). Der Hersteller kann die Regionsangabe frei wählen, sie muss für den Verbraucher eindeutig nachvollziehbar sein."
Wichtig findet Meyer durchaus, dass man, so gut es geht, nachvollziehen kann, woher etwas kommt. Bei Rindfleisch etwa ist das ohne weiteres möglich. Schwierig wird es aber bei Tiefkühlprodukten wie einer Pizza: würde hier drauf stehen, wo die Zutaten herkommen, würde "die Verpackung vermutlich nicht ausreichen", sagt Meyer. Eine regionale Tiefkühlpizza wird es also wohl nie geben.
Zudem kann Meyer (außer Frischeprodukte) nicht selbst bei Händlern vor Ort kaufen: "Es muss immer von Seiten des Großhandels geprüft werden", erklärt Meyer. Als selbstständiger Einzelhändler der Edeka-Gruppe muss er seine Produkte über eben jenen Großhandel beziehen, weil der für die Qualitäts-Checks verantwortlich zeichnet: "Es muss alles kontrolliert und zertifiziert sein."