"Gald id do", sagt der Sander und meint damit das, was den sparsamen Bürger auszeichnet: Geld ist da. Früher in Sparbüchern, Prämiensparbüchern oder anderen Sparformen auf der Bank. Mit den Jahren der Globalisierung und der Niedrigzinspolitik stellt sich der wohlsituierte Landkreiseinwohner zunehmend vor der Frage, wo er sein Geld sicher anlegen könnte. Betongold? Für jede Immobilie gilt: Soll sie später das investierte Geld wieder zurückgeben, so braucht sie einen Vorzug, der mit drei Eigenschaften treffend beschrieben ist: die Lage, die Lage, die Lage.

Da es der Mehrheit der Landkreisbürger genau wie dem Herrn Otto Normal geht, greift sie nun auch nicht so gerne zu Aktien. Nur die Cleversten trauen es sich zu, auf den internationalen Geldmeeren herumzuschippern.

Eine Lösung mit gewissem Augenmaß möchte der Geschäftsführer der GUT Haßberge, Marco Siller bieten. Er war in den vergangenen Monaten zu Gast in vielen Kommunalparlamenten und versuchte den Stadt- und Gemeinderäten die Idee der Solarparks schmackhaft zu machen. Hier könnten sich Bürgerbeteiligungsprojekte ergeben. Die Stadt Ebern hat es in diesen Tagen vorgemacht mit dem Startschuss für ihr eigenes Bürgerbeteiligungsprojekt.

Die profitable Energiewende

Grundsätzlich: Bürger-Energieanlagen als eine Form der aktiven Bürgerbeteiligung sollten die Menschen vor Ort zu Gewinnern der Energiewende machen. Das war die Idee der Initiatoren. So ließen sich umweltfreundliche und zukunftsweisende Projekte verwirklicht werden, die für den Einzelnen gar nicht machbar wären. Zum Betrieb einer solchen Gemeinschaftsanlage gibt es viele Rechts- und Gesellschaftsformen. Dementsprechend tragen die Bürger das unternehmerische Risiko oder/und die Gründungs- und Betriebskosten (teilweise) mit.

Beispiel 1: Die Untermerzbacher waren Pioniere und gründeten schon vor der Jahrtausendwende die "Windenergie Bretzenstein". Ihr gehören sechs Eigentümer an, die zwei Windräder betreiben.

Beispiel 2 An der Erzeugung erneuerbarer Energien für die Heimat sollten fast 15 Jahre später die Landkreisbürger beteiligt werden. Dazu gründete man die "Gesellschaft zur Umsetzung erneuerbarer Technologieprojekte im Landkreis Haßberge", kurz "GUT". Zum Bau der zehn Windkraftanlagen bei Sailershausen wurde die "BürgerEnergie-Genossenschaft Haßberge eG" aus der Taufe gehoben. Heute hat sie 443 Mitglieder. Diese beteiligten sich, sie zeichneten zum Bau der Windräder 3270 Geschäftsanteile mit 3,27 Millionen Euro. Die Gesamtkosten des Projekts beliefen sich auf 44,3 Millionen Euro.

Damals galt es als wichtiges Signal für den Aufbruch in das Zeitalter der Erneuerbaren Energien, dass sich viele Landkreisbürger über die "BEG" am Projekt beteiligen. Den Geldgebern wurde das mit einer ordentlichen Rendite und einer "Wirtschaftlichkeitsprognose" schmackhaft gemacht. Aus den drei umfangreichen Windgutachten schloss diese Prognose "konservativ auf die Laufdauer des Projekts (20 Jahre)" auf einen "Ertrag von 3-5% ...."

Über fünf Jahre sind vergangen. 2018 wurde eine "Vorabausschüttung" ausgezahlt. Die prognostizierte Gewinnausschüttung jedoch floss nicht.

GUT- Aufsichtsratsvorsitzender Dieter Möhring meint im Rückblick, man sei zu "euphorisch" an die Sache herangegangen. Er räumt ein, man hätte deutlicher sagen müssen, dass erst Kapital angespart und Rücklagen gebildet werden müssten. Das sei Vorgabe des Genossenschaftsgesetzes.

Die Windkraft-BEG ist mit drei Millionen Euro am "Bürgerwindpark Sailershäuser Wald GmbH&Co.KG" beteiligt, das entspricht einem Viertel des Eigenkapitals. Davon sind 200 000 Kommanditanteil, die restlichen 2,8 Mio Euro die satzungsgemäß zu erbringende Kapitaleinlage - und die wurde erst vor kurzem erreicht.

Laut Möhring sind die Winderträge über die Jahre gut; sie bewegten sich zwischen 53 und 56 Millionen Kilowattstunden (kWh). Voraussichtlich 2021 ergibt sich ein erster nennenswerter Bilanzgewinn, der nach Feststellung des Jahresabschlusses 2022 zur Verfügung steht. Unterm Strich also mehr als sechs Jahre nach dem Beitritt.

Beispiel 3 Aktuell will die BEG in die nächsten Projekte einsteigen, die die GUT vorbereitet. Dabei handelt es sich um Photovoltaik-Anlagen, von denen die BEG schon zwei betreut. Geschäftsführer Siller ist noch in den Gemeinden unterwegs. Er möchte es schaffen, dass mindestens 200 Megawatt (MW) im Landkreis Haßberge über Solar-Bürgermodelle bis 2030 erreicht werden. Mit über sieben Gemeinden und ihren Arbeitsgruppen gibt es konkrete Gespräche, beschrieb er. Die Vorarbeit ist groß, denn es sind viele Gespräche zu führen mit Kommunen und Grundstückseigentümern über mögliche Flächen; zu klären sind Fragen der Netzeinspeisung, die Bauleitplanung und vieles andere. Für jedes Projekt muss die Wirtschaftlichkeit berechnet werden. "Nach meinen Vorstellungen muss die Zielrendite drei Prozent sein." Marco Siller ist zuversichtlich, dass schon ab Januar ein erstes Projekt umgesetzt werden kann. Die Inbetriebnahme weiterer Photovoltaikanlagen wird aber in der Breite sicherlich gewisse Zeit brauchen.

So funktioniert die Geldanlage in Ebern

Windhundverfahren Die Eberner zeigen offenbar großes Interesse an Bürgersolaranlage: 100 Bürger haben Bereitschaft zur Investition signalisiert. Die meisten wollen zwischen 4000 und 20 000 Euro anlegen. Der Kaufpreis ist je nach Standort unterschiedlich: ein Megawatt oder drei Module etwa 980 Euro.

Rendite Die Prognose geht von 940 Sonnenstunden im Jahr aus; bei einer Verpachtung der Dachflächen auf 20 Jahre rechnet man mit bis zu drei Prozent Zinsen, bei 25 Jahren sogar mit bis zu fünf Prozent. Eberner haben beim Zeichnen von Anteilen bis Jahresende Vorrang ("Windhundverfahren", je nachdem, wie schnell die Möglichkeit der Beteiligung erschöpft ist). Informationen unter info@sonneninitiative-bayern.de oder unter Tel. 0171/5249566.

Dächer Die Dachfläche stellt die Stadt Ebern zur Verfügung. Jeder Bürger weiß dabei, welche Module ihm gehören und jeder betreibt seine eigene Solaranlage auf fremdem Dach. Dies betonte Karl-Heinz Konrad vom Verein zu Förderung privater Sonnenkraftwerke "Sonneninitiative" bei der Aushändigung des Pacht-Vertrags an Bürgermeister Jürgen Hennemann. Bauhofleiter Christian Rhaese war auf die "Sonneninitiative" aufmerksam geworden; die Stadt verpachtet ihr die Flächen ihrer Dächer über Feuerwehrhaus, Bauhof und ehemaliger Reithalle.

Vorarbeit Die Stadt muss die Dächer ihrer Liegenschaften zuerst sanieren, weil sie mit Asbest-Beton-Platten belegt sind. Diese werden entfernt. Die Dächer erhalten Trapezblech, was die Stadt rund 120 000 Euro kostet. Die Sanierung wird durch die Vermietung der Dächer mitfinanziert, indem die Stadt statt dem monatlichen Pachtpreis gleich die Summe für die 20 Jahre erhält. Das deckt eine Drittel der Kosten für die Sanierung. Die Stadt muss noch 80 000 Euro hinzusteuern.

Verwaltung Karl-Heinz Konrad von der "Sonneninitiative" beschrieb, dass man sich um die Dachflächen kümmere, ferner darum, wie das System funktioniert und um die komplette Verwaltung von der Netzanfrage bis zur EEG-Inbetriebnahme. Bis Ende Januar soll alles fertig sein. Hintergrund: Monatlich fällt derzeit die Einspeisevergütung um 1,2 Prozent".

Umfang Auf drei Gebäuden mit einer Fläche von rund 3000 Quadratmetern werden 1200 Module verteilt (52 KW auf dem Feuerwehrhaus, 109 KW auf dem Bauhof und 242 KW auf der ehemaligen Reithalle). Die "Sonneninitiative" plant noch zwei Elektrostellplätze mit Ladesäulen. Ihre Solarmodule stammen nicht aus China, sondern aus einer Solarfabrik im Spessart.