Es klingt nicht verlockend. Ein zu großen Teilen abgebranntes Schloss, das insgesamt in erbärmlichem Zustand ist, wer will das kaufen? Alle, die jetzt laut "hier!" schreien, sollten bedenken: 330 000 Euro bräuchte es allein für die "Bereinigung der Vergangenheit", wie es der Nachtragsliquidator David Herzog gestern ausgedrückt hat. Herzog ist ein gerichtlich aktivierter, nachgelagerter Geschäftsführer der nicht mehr existenten, aber noch im Grundbuch stehenden Schloss Ebelsbach Verwaltungs-GmbH.

Und mit Bereinigung der Vergangenheit ist die jüngere Zeit des Schlosses gemeint, bezogen auf die letzten etwa zwölf Jahre, in denen sich Schulden anhäuften, die durch den angestrebten Verkauf zumindest zum Teil beglichen werden sollen. 2003 gab die Familie von Rotenhan das einstige Wahrzeichen im Zentrum Ebelsbachs an den Kaufmann Dominique Arens ab.

Nach anfänglichen, kleineren Erneuerungsmaßnahmen und einigen geschäftlichen Fehlschlägen brannte das Schloss 2009. Es war Brandstiftung. Das Hauptgebäude wurde enorm beschädigt. Die Brandstiftung ist bis heute ungeklärt. Jedenfalls verweigerte die Versicherung die Auszahlung der Versicherungssumme in Höhe von angeblich 3,5 Millionen Euro. Das Schloss und seine Nebengebäude verwahrlosen seit dem Feuer.


Angebotsfrist endet im Februar

Heute ist, wenn man so will, Nachtragsliquidator David Herzog der vorübergehende Schlossherr. Er sollte in den vergangenen Wochen nach Anregung des Landratsamtes des Kreises Haßberge die Besitzverhältnisse klären und nach potenziellen Käufern suchen.

Das hat der Würzburger Anwalt getan und gestern gemeinsam mit dem Landratsamt und der Gemeinde Ebelsbach zu einer Pressekonferenz in Ebelsbach eingeladen. Dort erklärte Herzog, dass ein Verkauf "wahrscheinlich" ist. "Ich bin momentan ganz guter Dinge." Interessenten gebe es mehrere, darunter solche, die das Schloss für rein private Zwecke nutzen wollen, als auch welche, die sich eine (zum Teil) öffentliche Nutzung vorstellen können. Konkret sagte Herzog dazu allerdings nichts, denn er habe mit den Kaufinteressenten Stillschweigen vereinbart, bis es tatsächlich zu einem Vertrag gekommen ist. Das könnte bereits im März oder April des kommenden Jahres soweit sein. Denn die Angebotsfrist endet im Februar 2016.

Kaufinteressenten können sich laut Herzog unter der Mail-Adresse herzog@rae-vocke.de registrieren lassen und erhalten am 18. Dezember "den Zugangscode für den Datenraum". Es müsse sich nicht zwingend um einen Einzelkäufer handeln, auch rechtlich organisierte Interessengruppen sind zugelassen, etwa Stiftungen, Vereine, Gesellschaften des bürgerlichen Rechts undsoweiter.


Geld sollte da sein

Ein solches Angebot müsste denn auch die besagten 330 000 Euro abdecken: 200 000 Euro für die Grundpfandgläubiger (Stichwort "Offene Rechnungen"), 100 000 Euro für einen Teil der Kosten der bisherigen Notsicherungsmaßnahmen (bislang zu Lasten des Steuerzahlers), 25 000 Euro für die Abwicklung der Nachtragsliquidation und 5000 Euro für den Kaufvertrag.

Das ist aber im Grunde genommen fast nichts im Vergleich zu dem, was ein Käufer dann noch aufwenden müsste, um das marode Schloss und seine Nebengebäude als Gesamtensemble wieder zu renovieren. "Zwölf Millionen Euro für verfügbares Kapital braucht ein Investor auf jeden Fall", sagt Herzog.
Zwar könne ein beträchtlicher Teil durch diverse Zuschüsse wieder zurückerlangt werden, aber vorhalten müsste es der Käufer allemal. Zudem wird ein "nachhaltiges Nutzungskonzept unter Vorlage eines Business-plans für die nächsten fünf Jahre, der insbesondere eine nachprüfbare Liquiditätsberechnung einschließt" verlangt. "Ich werde alles prüfen, was Substanz hat", sagte Herzog.

"Im Moment ist es, das muss man ganz offen sagen, ein Schandfleck", hatte Landrat Wilhelm Schneider bei der Eröffnung der Pressekonferenz über das Schloss gesagt und so sahen es auch Bernhard Joos von der Denkmalschutzbehörde im Landratsamt und der Ebelsbacher Bürgermeister, Walter Ziegler. Sie alle wünschen sich, dass es diesmal klappt mit dem historischen Schloss, und sie sind guter Dinge, dass es mit der Hilfe von David Herzog gelingt. "Wir wollen kein Debakel erleben", sagte Wilhelm Schneider. Nicht noch einmal.