Dorothee Bär hat große Pläne. Als künftige Staatssekretärin für Digitales im Kanzleramt will sie die Digitalisierung in Deutschland ordentlich voranbringen. Die CSU-Politikerin aus dem beschaulichen Ebelsbach im unterfränkischen Landkreis Haßberge scheut dafür auch eher außergewöhnliche Visionen nicht. So brachte sie beispielsweise direkt nach ihrer Ernennung die Idee der Flugtaxis ins Spiel.


Bürgermeister von Ebelsbach hat schon 10 Flugtaxis bestellt

Der Bürgermeister in ihrem Heimatort hat jedenfalls schon mal welche bestellt. "Zehn Stück", wie Walter Ziegler im Spaß sagt. Ganz so weit ist die Gemeinde im Landkreis Haßberge allerdings in Sachen Digitalisierung dann doch noch nicht.

Aber wie vernetzt ist eigentlich der Heimatort der designierten Staatssekretärin für Digitales? Ist die 3800-Einwohner-Gemeinde eine Region, in der Bär überall gut ihre rund Dutzend Tweets täglich absetzen kann? Oder muss die Politikern dafür die Gelegenheit zwischen zwei Funklöchern nutzen? Dazu sagt der Ebelsbacher Bürgermeister: "Bei der Handynetzabdeckung sind wir ganz gut aufgestellt. Nur in Schönbrunn muss man ein bisschen suchen, bis man eine Verbindung bekommt", sagte der 68-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Ebelsbach hat insgesamt sechs Ortsteile.
Auch in Sachen Internet ist die Gemeinde gut versorgt. "Der Grundstock ist gelegt. Die Glasfaserkabel gehen bis in die Orte beziehungsweise bis zum Verteiler", sagt Ziegler. Und bei jedem Straßenausbau in der Gemeinde werde im besten Fall das Glasfaserkabel direkt bis zum Haus verlegt. Schon jetzt aber würden fast alle zumindest 50 Megabit pro Sekunde kriegen. Bär selbst war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.


Dorothee Bär und die Flugtaxis: An der Idee wird schon gearbeitet

Ganz so abgehoben ist Bärs Flugtaxi-Idee übrigens gar nicht. In Dubai beispielsweise ist die Technologie längst ernsthaft im Gespräch. Selbst Flugzeughersteller Airbus erwägt demzufolge den Bau eigener Flugtaxis. Bär nimmt die Seitenhiebe und Angriffe nach ihrem Flugtaxi-Interview indes mit stoischer Gelassenheit und Augenzwinkern auf. So antwortete sie beispielsweise auf den Tweet "Ich befürchte, @DoroBaer hält das 5. Element für eine Doku und ist ein bisschen in Bruce verknallt... #Flugtaxi" mit den Worten "Mist. Zumindest der erste Teil stimmt..."


Kritik von der FDP: Staatsministerin für Digitalisierung ist ein PR-Gag

Bei all der Aufbruchstimmung um die Digitalisierung in Deutschland, gibt es aber auch Gegenwind: Marco Buschmann, der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, hält die Anstrengungen der künftigen Bundesregierung im digitalen Bereich für nicht ausreichend. "Die Staatsministerin für Digitalisierung ist ein PR-Gag", sagte Buschmann den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (Märkische Oderzeitung und Südwest Presse, Montagausgabe). "Wenn man etwas für die Digitalisierung tun möchte, braucht man mehr Koordinierung." Dorothee Bär sei nicht mit den Zuständigkeiten ausgestattet, die sie dafür bräuchte.
Buschmann fürchtet deshalb, dass Deutschland "eine der gewaltigsten wirtschaftlichen Veränderungen" verschlafe. "Die Vertreter der Großen Koalition haben immer noch nicht die Wirklichkeit verstanden."