Verquere Welten. Die Gewerkschaft spricht von einem "vollen Erfolg"; die Geschäftsführung erklärt den Versuch, bei der Firma Uniwell einen Betriebsrat einzurichten, für gescheitert.
Bei einer Betriebsversammlung am Freitag hat, laut Angaben des Geschäftsführers Helmuth Fischer gegenüber unserer Zeitung, nicht einmal ein Drittel von 113 Versammlungsteilnehmern für die Einsetzung eines Wahlvorstandes gestimmt. Für Fischer die Konsequenz: "Es gibt keinen Wahlvorstand und keine Vorbereitung zur Betriebsratswahl." Die Bestrebungen eine Mitarbeitervertretung zu formen, wären damit erst einmal gescheitert.

"Ein voller Erfolg"

Ganz andere Zahlen fährt dagegen Matthias Gebhard, der 1. Bevollmächtigte der Industriegewerkschaft Metall (IGM) in Bamberg, auf.

Er spricht von 107 stimmberechtigten Versammlungsteilnehmern, von denen sich in geheimer Abstimmung 58 für die Wahl eines Wahlvorstandes ausgesprochen hätten - "eine eindeutige Mehrheit hat zugestimmt". 44 Beschäftigte hätten sich nach Angaben des Gewerkschafters der Stimme enthalten, fünf Wahlzettel seien ungültig gewesen. "Die IG Metall wertet das als eindrucksvollen Vertrauensbeweis und vollen Erfolg," sagt Gebhard, dem zufolge bei der "sehr gut besuchten Versammlung" (der Betrieb zählt insgesamt 180 Beschäftigte) auch bereits ein fünfköpfiger Wahlvorstand gebildet worden ist. Dieser werde nun die Wahl eines Betriebsrats vorbereiten.

Das Quorum verfehlt?

Ganz anders liest sich das in der Pressemitteilung der Geschäftsleitung des aufstrebenden Rohr- und Kabelherstellers.

Danach konnte "im Beisein der IGM kein Wahlvorstand gewählt werden, weil eben das Quorum verfehlt wurde. "Da noch nicht einmal ein Drittel der Belegschaft für einen Betriebsrat gestimmt hat, wird sicherlich die Diskussion nach einem Personalrat wieder neu beginnen," erwartet Fischer .
Empört weist das IG-Metall-Mann Gebhardt als Verdrehung der tatsächlichen Verhältnisse zurück: "Völlig inkorrekt", sagt er: "Das liegt wohl daran, dass die Firma noch nie mit einer Betriebsratswahl zu tun hatte." Er fordere die Arbeitgeber auf, jetzt ihrer Pflicht nachzugehen und die Wahl eines Betriebsrats vertrauensvoll mit vorzubereiten.
"Wir hoffen," äußert sich demgegenüber Firmenchef Helmuth Fischer "dass nun die Verunsicherung in der Belegschaft, verursacht durch die Aktivitäten der IGMetall ein Ende hat und alle Beteiligten zu einer sachlichen und konstruktiven Zusammenarbeit zurück finden."
Differenzen mit der IG Metall

Bislang gibt es keine offizielle Interessenvertretung der Arbeitnehmer in dem Unternehmen mit Hauptsitz im Stadtteil Eyrichshof. Die Ansätze zur Installierung solch eines Gremiums hatten offenbar zu einigen Reibereien hinter den Kulissen gesorgt, die vergangene Woche im Vorfeld einer geplanten Betriebsversammlung publik geworden waren.
So hatte die IG Metall der Geschäftsführung um Helmuth Fischer öffentlich vorgeworfen, sie wolle eine demokratische Wahl unterbinden und einen gesteuerten Kreis von Belegschaftssprechern installieren. Fischer seinerseits hatte dies als Lügen zurückgewiesen und betont, dass er der Wahl einer Mitarbeitervertretung positiv gegenüberstehe. Der Wahltermin, bei dem auch zwei IGM-Vertreter vor Ort waren, wurde am Ende sogar vorgezogen.

Doch die Differenzen setzen sich fort.

Die gesetzliche Grundlage

Quorum Laut Betriebsverfassungsgesetz muss mehr als die Hälfte, also die absolute Mehrheit der Teilnehmer einer Betriebsversammlung zustimmen, damit ein Wahlvorstand gewählt werden kann.

Aufgabe Dieses Gremium soll laut Gesetz unparteiisch und weitgehend unbeeinflusst vom Arbeitgeber sein und die Wahl des Betriebsrates vorbereiten.

Betriebsrat Aufgabe der Mitarbeitervertretung ist es , durch Mitwirkung und Mitbestimmung bei betrieblichen Entscheidungen die Interessen der Arbeitnehmer wahrzunehmen. Bei einem Betrieb von der Größe der Firma Uniwell steht den Beschäftigten ein siebenköpfiger Betriebsrat zu.