Mal sehen, ob man den Landrat in die Knie zwingen kann. Das wollte der neunjährige Niklas Depner herausfinden und forderte den wiedergenesenen 60 Jahre älteren Kreischef Rudolf Handwerker (CSU) bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit langer Zeit zum Mühlespiel heraus. Und prompt hatte der Bub aus Knetzgau bei den "Haßberger Spieletagen" in seiner Heimatgemeinde zweimal die Nase vorn. Dass Niklas triumphierte, lag seiner Meinung nach allerdings an der etwas mangelhaften Konzentration seines Gegenübers. "Der hat manchmal nicht aufgepasst", räumte der Junge ein, eigentlich "gleich gut" gewesen zu sein. Auf alle Fälle habe es "viel Spaß" gemacht.

Natürlich hatten auch andere prominente Wettpaten aus Politik, Kirche, Sport oder Gesellschaft nach der offiziellen Eröffnung der "2. Haßberger Spiele tage" am späten Donnerstagnachmittag (7.
März) in der Knetzgauer Franz-Hofmann-Halle, die noch bis zum Sonntagabend ein großes "Spieleparadies" ist, ihre helle Freude bei verschiedenen Brett-, Strategie-, Denk- oder Gesellschaftsspielen. Es "duellierte" sich Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär (CSU) mit Nicole Schenk aus Knetzgau und Anne Weppert (Sylbach), während es die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Dittmar (Maßbach) mit der Oberschwappacherin Felicia Jilke aufnahm. Auch der Eberner Kreisrat Jürgen Hennemann lieferte sich mit Sarah Krines und Christina Zitzmann (beide Zeil) einen spannenden Wettkampf.

Nicht nur alleine vorm Computer

Hennemann hatte sich für "Wallace & Grommit" entschieden, weil er ein "großer Fan" der Knetmännchen ist. Für den 49-Jährigen sind die Spieltage "sehr sinnvoll. Brett- und Kartenspiele, die man mit anderen zusammenspielt, sind einfach etwas ganz anderes als alleine vor dem Computer zu sitzen."
Sonja Gerike bekräftigte das. Die junge Mutter aus Obertheres versuchte ihr Glück zusammen mit ihrem Sohn Niklas (4) beim "Angelspiel". Auch sie vertritt die Meinung, dass viele Eltern mit ihren Kindern "viel zu wenig spielen." Deshalb hätten zahlreiche Mädchen und Jungen auch "keine Ausdauer" mehr. Die Schuld sieht die 35-Jährige allerdings in erster Linie "bei den Eltern, die keine Lust haben und sich keine Zeit nehmen. Manche Kinder können doch nicht einmal mehr ein einfaches Würfelspiel." Immerhin: Sonja Gerike braucht diesbezüglich kein schlechtes Gewissen zu haben, denn bei ihr und der Familie steht regelmäßiges Spielen hoch im Kurs.

Bezug zu den Spielen verloren

Hausherr Bürgermeister Stefan Paulus (SPD/CWG), der als "Dankeschön" für die Auszeichnung "familienfreundlichste Gemeinde 2012" den Zuschlag für die zweite Auflage der mehrtägigen Veranstaltung bekommen hatte (die ersten Spieltage fanden in Hofheim statt), freute sich über die Spielebegeisterung seiner Gäste.
Paulus ist der Meinung, dass in den Familien "viel zu wenig gespielt" werde. Umso mehr freue er sich darüber, dass solch eine Veranstaltung wie die Spieltage stattfindet. "Durch iPhones, Playstation oder andere Spielekonsolen haben viele den Bezug zu den Spielen ein bisschen verloren", bedauert er. Er gehe davon aus, dass "wir wohl auch in den kommenden Jahren immer die familienfreundlichste Gemeinde im Landkreis sein werden." Deshalb schlug er bei der Eröffnung grinsend vor, Knetzgau zum regelmäßigen Austragungsort zu machen.
Die Veranstalter - Kreisjugendamt, Kommunale Jugendarbeit, Spielmobil und das Familienbüro des Landkreis Haßberge - wollen mit der Veranstaltung das gemeinsame Spiel von Kindern und Jugendlichen und das Spielen in der Familie beleben und fördern.

Programm

Am Samstag, 9. März, beginnt um 10 Uhr der offene Spielbetrieb, nachdem am gestrigen langen Spielabend sowohl ein großes "Siedler von Catan"-Event sowie andere Spiel-Turniere stattgefunden haben. Um 13 Uhr gastiert dann der Clown "Batschu" mit seiner Show "Fix und Fertig" in der Franz Hofmann-Halle, während um 15 Uhr Ali Büttner zu "Raabe Socke" einlädt. Magische Momente können die kleinen und großen Besucher ab 16.30 Uhr bei und mit dem Haßfurter Zauberer Jörn Hagen erleben.

Zum Abschluss ist am Sonntag, 10. März, von 10 bis 18 Uhr ein großer Familientag und eine Familienmesse, bei der nochmals alle auf ihre Kosten kommen. Es stehen unter anderem Spielerklärer mit Rat und Tat zur Seite. Neben wichtigen Informationen gibt es zudem viele Aktionen für Kinder. Auch Essen und Trinken werden angeboten. Zum Beginn um 10 Uhr laden Pfarrer Jürgen Schwarz (Knetzgau) und Pfarrer Urs Espeel (Westheim) zu einer ökumenischen Morgenandacht ein. rn