"Faust ist so ziemlich das beste Buch, das jemals geschrieben wurde", urteilt Daniel Zeiß aus Sand aus der Jugend seiner 18 Lenze heraus. Zusammen mit rund 200 überwiegend jungen Leuten hat er die Tragödie Faust I von Johann Wolfgang von Goethe erlebt, die das "TheaterTotal" Bochum in der Stadthalle in Haßfurt mit Unterstützung des Kulturamts Haßfurt zur Aufführung gebracht hat.

20 junge Frauen und Männer im Alter von 17 bis 25 Jahren hatten sich im Rahmen des Projekts "TheaterTotal" sechs Monate lang mit allem beschäftigt, was Theater in seiner vielfältigsten Form zu bieten hat. Anschließend haben sie unter der künstlerischen Leitung von Barbara Wollrath-Kramer den "Faust" auf eine erfrischende Art und Weise zu neuem Leben erweckt.

"Sie haben relativ nah am Original gespielt, aber auch einige Szenen darstellerisch etwas verändert", hatte Daniel Zeiß festgestellt, der sich in diesem
Schuljahr mit dem "Faust" beschäftigt hat. "Was mir an diesem Stück so gefällt, sind ja gerade die Möglichkeiten der Interpretation. Außerdem kann man sich an dem unbändigen Wissensdrang des Dr. Faust selbst sehr gut reflektieren", sagte er weiter. "Auch ich möchte möglichst alles wissen, obwohl dies unmöglich ist." Er würde, wenn er in der Haut des Faust stecken würde, ebenfalls in die Wette mit Mephisto einschlagen. "Denn ich bin mir sicher, dass ich sie gewinnen würde."

Zeitlose Bedeutung

Auch die Schauspieler haben den Faust wegen seiner zeitlosen Bedeutung ausgewählt. "Die Suche nach dem Sinn im Sein, der Versuch, unendlich hoch hinaus zu kommen, bei dem man sich schnell überhöht, all das sind Themen, die uns bis heute bewegen", schreiben Fabian Schmidtlein und Lion Baumann im Vorwort des Programmheftes. "Weil in dem Stück tiefgehende menschliche Probleme gezeigt werden, hat uns die Herausforderung gereizt, das Stück von seinem Sockel herunter zu holen, einen neuen Faust zu inszenieren und unsere junge Sicht einfließen zu lassen." Für Daniel Zeiß ist ihnen das "super" gelungen. Ihn hatten die Charaktere vollends überzeugt.

Mit dieser Meinung steht er nicht allein. Auch Katrin Hiernickel, Leiterin einer Theatergruppe am Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt, fand die Aufführung "wunderbar". "Besonders beeindruckend waren die Szenen wie die Walpurgisnacht, Auerbachs Keller oder die Hexenküche, bei denen viele oder alle Schauspieler auf der Bühne waren. Denn sie waren hervorragend choreographiert - was sehr schwierig ist", erklärte sie. Spektakulär sei auch gewesen, dass die Schauspielgruppe mit so einfachen Materialien wie einer verwandelbaren Holzkiste, einem kleinen, angedeuteten Zimmer und zwei Rampen ausgekommen sei. "Mir ist die Aufführung sehr unter die Haut gegangen", so das Urteil der Gymnasiallehrerin.

Verständlich und schlüssig

Dem kann man sich nur anschließen: den jungen Schauspielern ist mit Hilfe der Profis von TheaterTotal eine rundum begeisternde Aufführung gelungen. Zum einen blieb trotz des gekürzten Textes die Handlung verständlich und schlüssig. Zum anderen gewann der Faust durch die Ideen des Ensembles an Dynamik, Ausdruck und Lebendigkeit. Tiefe Eindrücke hinterließen Muriel Bielenberg als Gretchen, Jonas Wentritt als "alter Faust", Denis Grafe als "junger" Faust und Dennis Alexander Schmitz als Hexe. Überragend war vor allem Fabian Witt hoff als hintergründiger, verführerischer und schlangengleicher Mephisto. Die Tanzszenen verdienen ebenfalls ein großes Lob für die Choreographie und die teils geisterhafte, teils schaurige und bei aller Fröhlichkeit auch unheimliche Umsetzung.

Für einen Schauspieler war die Aufführung in Haßfurt etwas ganz Besonderes. Denn Lukas Heinrich, der wie viele gleich mehrere Rollen übernommen hatte und auch Gretchens Bruder Valentin spielte, stammt aus der Kreisstadt. Er hatte seine Heimatstadt im September letzten Jahres nach dem Abitur verlassen, um in Bochum die verschiedenen Facetten des Schauspielens kennen zu lernen. Seit Anfang April steht er nun während der dreimonatigen Tournee durch Deutschland mit "seinem" Ensemble auf der Bühne und freute sich, auch in Haßfurt spielen zu dürfen. "Ich habe beim Lernen meiner Rollen gemerkt, wie viel von mir selbst in der Tragödie steckt und wie zeitlos das Stück ist", hatte er dem Publikum vor der Aufführung mitgeteilt. "Vielleicht verstehen Sie ja am Ende, was die Welt zusammen hält."

Workshop am Regiomontanus-Gymnasium

Vor der Aufführung der Tragödie Faust I hatten Mitglieder des TheaterTotal Bochum einen Workshop im Regiomontanus-Gymnasium Haßfurt gegeben, an dem auch die 12-jährige Marie Appel aus Oberhohenried teilgenommen hatte. "Mir hat der Workshop mit Lion-Russell Baumann und Lukas Heinrich, der ja hier am Gymnasium sein Abitur gemacht hat, sehr gut gefallen", berichtete sie. "Wir haben verschiedene Übungen gemacht, bei denen wir unter anderem Gefühle mit Gesten ausdrücken sollten, oder einem Partner zeigen sollten, was wir von ihm wollen, ohne ihn zu berühren." Der Workshop, so Marie Appel, habe ihr mehr Selbstbewusstsein gegeben. "Ich habe auch erfahren, wie ich Gefühle beim Theaterspielen ausdrücken kann", freute sich die Schülerin, die Mitglied im Improtheater der Schule ist. Die Aufführung von "Fausteins" hatte ihr ebenfalls sehr gut gefallen, auch wenn sie den Inhalt noch nicht kannte. "Besonders beeindruckt haben mich die Tanzszenen", gab sie am Ende an.