Von Aufregung keine Spur. Stattdessen steht Bernhard Ruß mit einem Grinsen im Gesicht da. Offenbar drückt das seine Vorfreude auf die gleich beginnende Pressekonferenz aus. Denn der SPD-Kreisverband Haßberge hat nach Eltmann zum Gespräch ins Café Auszeit eingeladen. Dort will die Partei ihren Kandidaten für die Landratswahl im März 2014 vorstellen.
Dass es der 59-jährige Ruß werden würde, der amtierende Bürgermeister von Sand, war ein offenes Geheimnis. Der Fränkische Tag hatte es schon Anfang Juli erfahren und gemeldet, jetzt kam von Seiten der Sozialdemokraten die offizielle Bestätigung. Roter Landrat werden in einem ansonsten schwarzen Landkreis ist eine schwierige Aufgabe für den Kandidaten.
"Wer anders, wenn nicht Bernhard Ruß, ist dazu in der Lage?", fragt ganz rhetorisch Wolfgang Brühl, der Kreisvorsitzende der SPD Haßberge, bei seiner Ansprache vor den Pressevertretern und seinen Parteigenossen.

Was Ruß will

Ruß stellt gleich klar, worum es ihm geht bei seinem Bestreben, Landrat zu werden: "Ich hoffe, das Interesse gilt nicht nur meiner Person, sondern auch meinen Überzeugungen." Denn Ruß hat sich ein Themenfeld zurechtgelegt, das er auch als amtierender Bürgermeister, Bezirks- und Kreisrat schon seit Jahren beackert: Bildung, Energiewende, Gesundheitsversorgung, die Entwicklung des ländlichen Raumes und damit verbunden der Anschluss des gesamten Landkreises Haßberge an den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Auf diese Säulen möchte er einen zukunftsfähigen Landkreis stellen. Und will das nicht einfach so dahergesagt haben: "Man muss zwar Wünsche haben, aber sie müssen hin und wieder der Realität angepasst werden, sonst bleiben sie Luftschlösser."
Ruß, eher Pragmatiker, hält wenig von überzogenen Versprechen und konzentriert sich darauf, was machbar ist. Und in manchen Bereichen wäre mehr drin gewesen, sagt er. Stichwort Energiewende im Landkreis: Das alles gehe ihm zu langsam und nicht weit genug. So machte er sich in der Vergangenheit zum Beispiel dafür stark, dass auch Windräder in Naturparks wie Steigerwald oder Haßberge stehen dürfen. Doch war sein Gewicht im Regionalen Planungsverband Main-Rhön als Sander Bürgermeister offenbar zu gering. Als Landrat dagegen...
Apropos Sander Bürgermeister: Hatte Ruß nicht einst gesagt, er würde auf keinen Fall für das Amt des Landrats kandidieren? Ja, gesteht er, im Jahr 2005 vor der anstehenden Bürgermeisterwahl habe er das "klipp und klar so erklärt". Da stand nämlich im Raum, dass der derzeitige Landrat Rudolf Handwerker (CSU) im Jahr 2008 nicht wieder kandidieren würde, und die SPD hatte damals schon die Idee, den weithin bekannten Ruß ins Rennen zu schicken. Doch das habe er strikt abgelehnt. Als im Jahr 2011 wieder Bürgermeisterwahlen in Sand anstanden, sei das gar nicht so das Thema gewesen, was mit der Landratswahl im Jahr 2014 passiere. Ein Problem sieht Ruß darin nicht: "Ich werde es meinen Sandern erklären", sagt er.

Wohl vier Gegenkandidaten

Der 59-Jährige SPD-Mann wird im März 2014 gegen voraussichtlich vier Gegenkandidaten zur Landratswahl antreten müssen. Die CSU schickt den Maroldsweisacher Bürgermeister Wilhelm Schneider ins Rennen, die Grünen haben sich für die Eltmanner Kreisrätin Rita Stäblein entschieden, die Freien Wähler wollen mit der Riedbacher Bürgermeisterin Birgit Bayer den Landkreis regieren. Außerdem haben die Linken angekündigt, ebenfalls einen Kandidaten aufzustellen, bislang gibt es aber noch keinen Namen dahinter.
Für Ruß, der von der SPD schon länger als Kandidat favorisiert wurde, war die Entscheidung "nicht einfach", wie er erklärt. Aber in Sand hinterlasse er keine größeren Baustellen. Für den Fall, dass er ins Landratsamt einziehe, seien in seiner Heimatgemeinde "die Hausaufgaben gemacht". Und, das war ihm am wichtigsten: Seine Familie steht hinter ihm.