Ein Gesicht mit blauen Punkten, Rüsselnase, rote Borstenhaare, Froschfüße und ein prallrunder Trommelbauch. Wer kennt es nicht - das Sams? Das lustige Wesen begeistert mit seinen Abenteuern seit 1973 Generationen von Kindern. So war es auch am Wochenende in Haßfurt, als der Autor Paul Maar aus seinem neuen Buch "Das Sams und der blaue Drache" im Schulzentrum las. "Die Lesung war ein Geschenk an alle Grundschulkinder, die durch Spielplatzverbote, Schul- und Kita-Schließungen unter dem Lockdown leiden mussten", sagte Christian Ruser von der Volkshochschule (VHS) Haßberge, die als Veranstalter zusammen mit Sponsoren, dem Bibliotheks- und Informationszentrum (Biz) Haßfurt, der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge, dem Göller-Hilfsfonds und der Bildungsregion Landkreis Haßberge das Event für die Jüngsten ermöglichte.

Trotz Hygieneauflagen, die vorbildlich durch die VHS umgesetzt wurden, erlebten die Kinder rund 90 Minuten spannende Erzählung. So zum Beispiel auch Emil Hömer aus Zeil. Der Siebenjährige ist großer Sams-Fan und konnte seinen Papa nach der Lesung überzeugen, ihm weitere zwei Bücher vor Ort am Verkaufsstand der Buchhandlung Osiander zu kaufen. Natürlich musste es der aktuelle Bestseller mit dem blauen Drachen sein, aber auch ein Leselernbuch mit dem Sams gefiel dem Grundschüler sehr. "Die Lieder waren echt cool", antwortete Emil auf die Frage, was ihm bei der Lesung am besten gefallen habe.

Paul Maar verstand es nämlich, seine Lesung musikalisch zu untermalen. Konrad Haas und Wolfgang Stute, zwei Profimusiker an Keyboard und Gitarre, stehen dem Kinderbuchautor seit sechs Jahren zur Seite. Beide waren vorher jeweils lange Zeit musikalische Leiter des E.T.A.-Hoffmann-Theaters in Bamberg und zeigen bei Maars Lesungen auch ihre Gesangstalente. So wird in Reimform erzählt, wie das Sams zu Herrn Taschenbier kam und was es später zusammen mit dem blauen Drachen erlebte.

Der achtjährige Fabian aus Zell fasst die Geschichte zusammen: "Das Sams hat sich einen Drachen gewünscht, den es in die Luft steigen lassen wollte. Weil es aber ungenau formulierte, hatte es plötzlich einen chinesischen Wunschdrachen im Zimmer." Die Wunschmaschine, die solche Dinge möglich macht, durfte das Sams eigentlich nicht bedienen, machte es aber trotzdem, so Fabian.

Dem Grundschüler gefiel die Namensfindung für den Drachen auch sehr gut. Es sollte ein Name mit "R" am Anfang und Ende sein, denn der Drache konnte erst nach einem neuerlichen Wunsch des Sams einwandfrei sprechen, hatte er doch vorher einen kleinen Sprachfehler und brachte das "R" nicht heraus. "Ralfer hat das Sams den Drachen getauft", sagte Fabian, der das neueste Buch bereits zu Hause hat. Jetzt ist der Bub ganz stolz, dass auf der ersten Seite die Unterschrift von Paul Maar prangt zusammen mit einem Sams-Stempel. Der Erfolgsautor nahm sich nämlich nach der Lesung genügend Zeit, um alle Autogrammwünsche zu erfüllen. Wegen der Corona-Auflagen dauerte dies etwas länger als üblich, denn die Bücher wurden bei den Kindern an den Plätzen eingesammelt und wieder ausgeteilt, nachdem Paul Maar sie signiert hatte.

Alle zehn Sams-Bände hat bereits Antonio Hartmann-Posser verschlungen. Der zehnjährige Haßfurter liebt Bücher über alles. "Der Drache wollte eine Schüssel mit Nudeln aufwärmen hat dabei mit seinem Feuerstrahl den Fußboden angebrannt", erzählt Antonio den Abschnitt der Geschichte, den er am lustigsten fand. Und noch etwas gefiel dem Grundschüler: "Ich finde es gut, dass Paul Maar noch einmal eine Sams-Geschichte geschrieben hat, obwohl er schon so alt ist."

Paul Maar, geboren in Schweinfurt und heute in Bamberg lebend, wird im Dezember bereits 83 Jahre alt. Bei seiner Lesung merkte man ihm das Alter aber nicht an. Kindgerecht erzählt er und fasziniert dabei alle Zuhörer. Zu Gast in Haßfurt war er bereits oft, denn die frühere Leiterin des Biz, Cordula Kappner, war freundschaftlich mit ihm verbunden. Einen weiteren Sams-Band wird es wohl nicht geben, sagte der Autor im Gespräch mit unserem Reporter. Auch die Entstehungsgeschichte des jetzigen Buches sei eher Zufall gewesen, so Maar. Er habe bei einem Drachenbauer einen Drachen mit Sams-Motiv bestellt und wollte den Erbauer natürlich entlohnen. Dieser wünschte sich aber anstatt Geld eine neue Sams-Geschichte. Dieses Erlebnis gab den Ausschlag für das Abenteuer mit dem blauen Drachen.

Während seiner Lesung malte Paul Maar auch Bilder von dem Sams, Herrn Taschenbier und dem Drachen Ralfer. Diese signierten Zeichnungen werden in Kürze gerahmt und dann in der Bücherei am Marktplatz zu sehen sein.