Den Kilimandscharo hat Dekan Jürgen Blechschmidt immer in der Hosentasche. Naja, auf dem Handy-Bildschirm. Kreisbrandinspektor Dieter Pfaff grinst sein Enkel Leonard vom Smartphone an. Britta Merkel vom Tierschutzverein mag es animalisch und hat den schwarzen Mischlingshund Scotty auf dem Display. Aber unterschiedliche Bildchen hin oder her - sie alle eint, dass sie im Landkreis ständig auf Funklöcher stoßen.

Als neuer Landrat muss Wilhelm Schneider erreichbar sein. Eigentlich immer. Funklöcher hat Schneider aber oft zu beklagen, wenn er aus Maroldsweisach nach Haßfurt ins Büro fährt. "Ich kenne die kritischen Orte mittlerweile und kann meine Gesprächspartner vorwarnen", sagt er. Sein iphone der vierten Generation hat einige Macken und einen kleinen Riss am linken oberen Displayrand. Mehrere Jahre hat das Gerät schon auf dem Buckel, Schneider hat es noch aus seiner Zeit als Bürgermeister von Maroldsweisach.
"Es wurde praktisch, ein Smartphone anzuschaffen, weil es so viele Eigenschaften vereint", sagt er. Am meisten nutzt er die Mailfunktion, den Kalender und die Kamera, wenn er als Erinnerungsstütze Gebäude sowie Straßen fotografiert. Oder eine Lauf-App, die dem Ganzjahres-Jogger Strecken, Entfernungen und Zeiten aufzeichnet.

Manche Promis sind Handymuffel

Schneider hat übrigens das gleiche Handy und das gleiche Hintergrundbild wie Stefan Kolck, Vorstand der Haßberg-Kliniken: Regentropfen auf grauem Hintergrund. Schneider findet sie beruhigend, Kolck hat sie, weil sie standardmäßig auf dem Handy installiert waren.

Der Krankenhausvorstand ist kein Handy-Fan. Er nutzt es fast nur, wenn er unterwegs ist. Freunde und Familie riefen ihn eher abends nach Dienstschluss an, sagt Kolck. Einzige Ausnahme sei die Tochter, die - typisch junge Generation - ganz selbstverständlich von Mobil zu Mobil telefoniere.

Dass Kolck ein iphone hat, ist praktisch bedingt: Die Krankenhaus-EDV habe es vorgeschlagen, weil auf dem Apple-Handy am leichtesten ein VPN-Tunnel (Virtuelles Privates Netzwerk) einzurichten sei. Wenn Kolck Termine in sein Handy einträgt, werden die automatisch auf den Rechner seiner Sekretärin geleitet.

Das einzige Funkloch, das Kolck (Haßfurt) bislang aufgefallen ist, liegt übrigens am Arbeitsplatz: im Sitzungsraum, wo die Teambesprechungen stattfinden. Störendes Klingeln ist bei wichtigen Besprechungen also ausgeschlossen.

Bei Kreisbrandinspektor Peter Pfaff ist das iphone manchmal ein Lebensretter. Er hat es dabei, wenn es im Kreis Haßberge brennt, kracht oder der Wasserspiegel bedrohlich steigt. Sind dabei Chemikalien im Spiel, kann er per App auf eine Datenbank mit gefährlichen Stoffen und deren Eigenschaften zugreifen.

Beruflich nutzt Pfaff ein Samsung-Smartphone, das ebenfalls mit Spezialfunktionen ausgestattet ist. Er kann mobil die Datenbank der Reifenfirma einsehen, für die er arbeitet und ständig unterwegs ist. Außerdem ist er online mit dem Sicherheitssystem aller Firmenfilialen verbunden. "Wenn irgendwo eingebrochen werden sollte, bekomme ich es gleich mit", lobt Peter Pfaff die Vorzüge des Mini-Computers. Nach Feierabend macht Pfaff sein Diensthandy aus, das Private bleibt aber 24 Stunden an. "Nur im Urlaub ist das Ding tabu", sagt der Zeiler.

Vorkehrungen gegen Funklöcher

Zu Funklöchern hat der Kreisbrandinspektor ein besonderes Verhältnis: Die schränken nämlich nicht nur seine Erreichbarkeit am Telefon ein, sondern beeinflussen auch die Verbindung von Feuerwehr-Piepern und analogen Funkgeräten beim Einsatz. Bis der Digitalfunk eingeführt wird und das Problem löst, "treffen wir Vorkehrungen, wenn uns ein Funkloch im Einsatzbereich bekannt ist", sagt Pfaff.

Ähnlich einem Feuerwehrmann ist Tierschützerin Britta Merkel dauernd erreichbar. Oft schaut sie bei Haltern von Fundtieren nach dem Rechten, ist dauernd unterwegs im Landkreis. Ein Smartphone des Herstellers Huawei mit einem Foto ihres schwarzen Mischlungshunds Scotty auf dem Display begleitet sie. Das Smartphone hat sich Merkel angeschafft, damit sie direkt Fotos von den Mitgliedern des Tierschutzvereins empfangen kann. Ob ein Hund das Bein gebrochen hat oder einem Ferkel das Auge tränt: "Über Whatsapp sehe ich das jetzt fast in Echtzeit", sagt Britta Merkel (Oberschwappach).

Probleme im "Schwarzen Berg"

Zu 90 Prozent nutzt die Tierschützerin ihr Mobiltelefon beruflich. Wenn sie nicht erreichbar ist, etwa sonntags, dann schaltet sie eine Ruf-Weiterleitung zu ihrer Schwester Bianca ein. "Tierschutz ist nun mal kein Job mit richtigem Feierabend", sagt Merkel. Sie hat sich bewusst gegen einen Anbieter mit D-Netz entschieden, weil diese Netze in ihrer Heimat Oberschwappach nur lückenhaft verfügbar sind. Probleme bekommt sie aber immer im Eltmanner Tunnel "Schwarzer Berg". In dem haben nämlich nur die D-Netze Empfang.
Wenn der Rügheimer Dekan Jürgen Blechschmidt nicht erreichbar ist, dann liegt das oft nicht am Empfang. "Ich neige dazu, das Handy aus Versehen liegen zu lassen", sagt er. Bevorzugt im Auto oder in den Motorradjacke. Überhaupt ist er eher ein Handymuffel. "Mich erreicht man besser über Festnetz oder per Mail", sagt Blechschmidt. Seine Mails schreibt der Dekan auch lieber am Computer als auf seinem Samsung älteren Baujahrs.
Fotos macht Dekan Blechschmidt aber gern mit dem Mobiltelefon. Über sein Display ragt der Kilimandscharo, Afrikas höchster Berg. Dass er den fotografieren konnte, sei ein glücklicher Umstand gewesen. "Die meiste Zeit des Jahres ist der Berg, vom Boden betrachtet, im Nebel verschwunden", sagt Jürgen Blechschmidt. Und vermutlich ist der Berg auch ein einziges, riesiges Funkloch.