Flüchtlinge sind jetzt auch in Breitbrunn angekommen. Das berichtete Bürgermeisterin Gertrud Bühl (Freie Wähler) am Donnerstag in der Gemeinderatssitzung. Insgesamt vier Familien aus Syrien befinden sich in der alten Schule. Die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung war bisher enorm, lobte die Bürgermeisterin und erntete Applaus am Ende der öffentlichen Sitzung. Auch mehrere Gemeinderäte sind in die Arbeiten mit eingebunden.

In einem Gespräch mit dieser Zeitung zeichnete Bühl den außergewöhnlichen Ablauf der Aktion noch einmal nach. An ihrem Urlaubsort in Italien habe sie am Mittwoch, 12. August, eine E-Mail des Landratsamts erhalten, in der mitgeteilt wurde, dass Asylbewerber in den Landkreis kommen und etwas später auf einige Gemeinden verteilt werden sollen. "Breitbrunn wurde da aber an letzter Stelle genannt", sagt sie. Dennoch bat das Amt zu einem Besprechungstermin schon am kommenden Tag.
Am Freitag bestellte sie dann schon eine Küche für die alte Schule, die sie mit einigen Helfern ausgewählt hatte.


Gestrichen und geputzt

"Dann erhielt ich am Sonntag die Nachricht, dass die Menschen schon am Dienstag in die Gemeinden kommen sollen", berichtet Bühl. Einen halben Tag habe sie anschließend telefoniert, um für den Montag rund 20 Helfer zu organisieren. In einer großen Gemeinschaftsaktion brachten diese die alte Schule und die angrenzende Turnhalle auf Vordermann. Sie strichen die Räume, holten die Küche und bauten sie ein und putzten das ganze große Gebäude. Dann verwandelten sie die große Turnhalle provisorisch mit Ständern, Seilen und bunten Papierbahnen in mehrere kleine Wohnungen, mit Eingangsbereich und Zimmern.

"Wir hatten ganze Familien mit mehreren jugendlichen Kindern dabei, die sich engagiert haben, wir hatten auch viele Gemeinderäte, Mitglieder von der KAB, der Köhlertaler Musikanten, eine Gruppe älterer Frauen, darunter sogar eine 78-Jährige, die zwei ganze Tage mit geputzt hat. Die Hilfsbereitschaft war einfach enorm", freut sich Bühl und dankt ihren Bürgern.

Am Dienstagabend kamen dann die ersten sechs Familien. Müde und ziemlich erschöpft, aber froh, dass sie den Krieg und die gefährlichen Situationen der Flucht endlich hinter sich gelassen hatten. Sie wollten nur noch Ruhe. Nach der ersten Nacht waren sie deutlich entspannter.


Gemeinsames Frühstück

Beim gemeinsamen Frühstück lernten die Flüchtlinge und die Bürgermeisterin sich näher kennen. Ein Studentin aus Kottendorf, die Islamistik studiert und arabisch spricht, half als Übersetzerin aus. "Die Menschen sind so freundlich, bedanken sich immer, und so kultiviert", erklärt Bühl, "ein Bauingenieur und ein Anwalt mit ihren Familien sind darunter."

Sie bemühen sich, hier Fuß zu fassen. "Der Anwalt sucht mit seinem Handy Vokabeln heraus und lernt bereits Deutsch", weiß Bühl. Bei einem Essen hat er ihr seine Unterlagen gezeigt. Die Mädchen der Bauingenieursfamilie haben Abitur und möchten studieren.

Bühl organisierte für die Neuankömmlinge richtige, neue Betten mit neuen Matratzen. Aus den Papiertrennwänden sind inzwischen stabile, farbenfrohe Stoffwände geworden. Jede Familie hat jetzt ihren eigenen Bereich. Ein Teil der Menschen wurde bereits wieder weitergeleitet nach Wonfurt oder Ebern, dafür kam in der Nacht zu Freitag eine neue Familie an. Jetzt ist noch ein Familienzimmer in der 30-Betten-Anlage frei. Aber das muss nicht mehr unbedingt belegt werden, zumal es meist mehrere Wochen dauert, bevor ein Landkreis erneut eine größere Menge an Ayslbewerbern erhält.

Mit einem Frühstück am Freitagmorgen sind die anstrengenden Aufnahmearbeiten auch in Breitbrunn erst einmal abgeschlossen. Die Familien, alle mit mehreren Kindern zwischen 2,5 Monaten und 16 Jahren, können sich nun einigermaßen einrichten und ihr Leben selbst organisieren. Jede Familien hat einen eigenen Schrank und einen Kühlschrank. Kleidung, besonders Kinderkleidung, Spielzeug, Bilderbücher und Kinderwägen sind inzwischen ausreichend vorhanden. Ab der kommenden Woche wird es Deutschunterricht geben. "Und dann sollen sich die Ayslbewerber auch einmal vorstellen können, vielleicht im Generationencafe", sagt Bühl.


Spenden erbeten

Wie lange sie bleiben, ist noch nicht bekannt. Aber alle haben Kriegseinwirkungen erlebt, eine mindestens eineinhalb Monate dauernde Flucht hinter und sind auch in Deutschland zunächst täglich von einem Ort zum anderen weitergereicht worden.

Wer mithelfen oder etwas spenden möchte, kann sich an Bürgermeisterin Gertrud Bühl oder die beiden Hausmeister der Turnhalle, die Gemeinderäte Peter Bendner oder Manfred Wolf wenden.


In Kottendorf wird jetzt die Straße ausgebaut

Das zweite Thema in der Augustsitzung des Gemeinderates war der Ausbau der Staatsstraße 2281 durch Kottendorf. Hier wurden bereits im Frühjahr die Weichen gestellt, nun hat der Rat den Auftrag vergeben und die Arbeiten beginnen bis spätestens Anfang September. Für etwa acht Wochen wird dann die Ortsdurchfahrt komplett gesperrt sein. Die Umleitung erfolgt großräumig.

Das Gremium stellte außerdem einen Zuschussantrag an die Regierung von Unterfranken, so dass man im Anschluss auch gleich den Weg zum Friedhof in Kottendorf mitausbauen kann.