Alleine Mut und Geduld zu predigen, reiche nicht mehr aus: So der Tenor einer Rede von Papst Franziskus über die Flüchtlingsproblematik auf dem Petersplatz in Rom vor einigen Wochen. Er rief alle Pfarrgemeinden dazu auf, mindestens eine Flüchtlingsfamilie in jede Kirchengemeinde aufzunehmen. Es war ein brennender Appell, der europaweit Gehör fand.

Ende August schlug Bischof Friedhelm Hofmann ähnliche Töne an. In seiner Botschaft bat er die Pfarreien, alle Möglichkeiten zu prüfen, um Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen und dementsprechend zu versorgen. Die Appelle vom Papst und Bischof zeigen Wirkung. Auch beim katholischen Dekanat Haßberge. "Wir haben seitdem unsere Bemühungen schon verstärkt und noch deutlicher geschaut, welche Gebäude zu bekommen sind", erklärt Dekanatsreferent Günter Schmitt.


Prüfung der verfügbaren Gebäude

Bereits heute wohnen Asylbewerber im Kreis Haßberge in von Kirchen zur Verfügung gestellten Immobilien. Seit August leben jeweils etwa ein Dutzend Flüchtlinge in den Pfarrhäusern in Stettfeld und Zell am Ebersberg. In Ebern sind Asylbewerber im Haus der Benefiziatenstiftung schon seit Juni 2014 untergebracht.

In Kürze sollen im Pfarrhaus in Oberschleichach (Oberaurach) unbegleitete minderjährige Flüchtlinge einziehen. In Obertheres wird derzeit geprüft, inwieweit sich die Jugendräume für Flüchtlinge eignen, erklärt Günter Schmitt. Anke Schäflein, Geschäftsführerin des Caritasverbands Kreis Haßberge, stellt den katholischen Kirchengemeinden ein gutes Zeugnis aus: "Alle Pfarrhäuser, die leer stehen und ohne großen Aufwand bewohnbar sind, wurden zur Verfügung gestellt."

Auch das evangelisch-lutherische Dekanat Rügheim hat bereits kirchliche Gebäude für die Asylbewerber zur Verfügung gestellt. Derzeit wohnen Flüchtlinge in den ehemaligen Pfarrhäusern in Nassach (Aidhausen) und Eschenau (Knetzgau). Ohne größere Umbauarbeiten eignen sich derzeit aber nicht viele weitere Gebäude, erklärt Dekan Jürgen Blechschmidt. Einzelne Objekte wurden dem Sozialamt bereits angeboten. "Es ist aber noch nichts in trockenen Tüchern", erklärt Dekan Jürgen Blechschmidt.


Oft fehlen Duschen

Auch in den Kirchen des katholischen Dekanats gibt es nach Angaben von Günter Schmitt noch Räumlichkeiten, denen es aber an gewissen Grundvoraussetzungen - wie beispielsweise Duschen - fehlt. Neben den sanitären Anlagen ist in weiterführenden Flüchtlingsunterkünften auch eine kleine Kochnische vonnöten. "Die Asylbewerber sollen sich so schnell wie möglich selbst versorgen können", sagt Anke Schäflein.

Das Problem der fehlenden Duschen könnte theoretisch durch die Bereitstellung mobiler Duschcontainer gelöst werden, erklärt Schäflein. Diese seien aber nicht nur teuer, sondern aktuell auch schwer zu beschaffen. Ein lokaler Entsorgungsfachbetrieb hatte Duschcontainer zur Verfügung, aber mittlerweile aufgrund der hohen Nachfrage Lieferengpässe. Schäflein: "Es ist Wahnsinn, was das Flüchtlingsthema alles bewirkt."

Während der Bedarf an kleineren Wohnungen durch viele private Anbieter im Landkreis recht gut abgedeckt ist, mangelt es weiterhin an größeren Gruppenunterkünften als Zwischenstation. "Die Menschen direkt in Wohnungen weiterzuverteilen ist schwierig", sagt Schäflein. "Geschirr und Mobiliar fehlen, die Flüchtlinge kommen ja nur mit einer Plastiktüte." Eine Notunterkunft für bis zu 20 Personen könnte im Pfarrheim in Hofheim entstehen. Pfarrer Gerd Greier hat dem Sozialamt zwei große Pfarrsäle im Pfarrheim angeboten. Die entsprechende Eignung wird aktuell geprüft. Problem sind auch hier die nicht vorhandenen Duschen. "Der Pfarrer hat bereits angeboten, dass die Flüchtlinge im Pfarrhaus duschen können", sagt Anke Schäflein. "Es geht alles, aber im Winter über die Straße laufen ist nicht ideal, anders wäre es schöner." Neben den Räumen im Pfarrheim, würde die Pfarrei auch die Kaplanswohnung im Pfarrhaus zur Verfügung stellen, lässt Monika Göhr, Sprecherin des Landratsamtes, verlautbaren.


Sorge um ehrenamtliche Helfer

Auch ins Steinbacher (Gemeinde Ebelsbach) Jugendhaus sollen nach Möglichkeit zeitnah wieder Flüchtlinge einziehen. Bereits Ende August wohnten dort für einige Tage 18 Asylbewerber. Durch Jugendgruppen ist das Haus aber vorerst bis Anfang Dezember belegt. Danach könnten allerdings wieder für ein bis zwei Monate Flüchtlinge einziehen, sagt Rudi Langer, Leiter des Diözesanbüros in Haßfurt.

Das katholische Dekanat setzt sich auch in Zukunft stark für weiteren Wohnraum für Flüchtlinge ein. "Wir müssen gucken, dass sich weiterhin viel tut", sagt Günter Schmitt und ergänzt: "Wir können aber die andere Arbeit nicht gehen lassen, wir müssen einen Mittelweg finden." Sorgen macht er sich besonders um die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Diese müsse man auf Dauer vor sich selbst schützen. "Einige Ehrenamtliche sind bereits am Rande ihres Leistungsvermögens oder bereits darüber hinaus", sagt Günter Schmitt.