Die Stadt Haßfurt ist um ein offizielles Kunstwerk reicher und um eine unattraktive Schmiererei ärmer. Nachdem sie 2011 das mit viel Beifall bedachte Graffiti an der Mittelmühlenunterführung sichtbar gemacht hatten, schufen die Graffiti-Künstler Tobias Marquardt und Thomas Lesser nun eines neues Kunstwerk. Sie haben die Wände der Unterführung durch die Nordtangente in Richtung Oberer Mühle (mit dem neuen Amtsgericht) mit ihrer Kunst gestaltet. Das Kunstwerk hatte die Kreisstadt Haßfurt in Auftrag gegeben.

"Das Gestaltungsmotto wurde durch die Künstler entwickelt. Das Motto fand Anfang Mai die große Zustimmung der Stadt Haßfurt", sagte Detlef Jäger von der Stadtverwaltung in Haßfurt (Kämmerei, Liegenschaften) bei der Übergabe.


Die Genussregion im Blickfeld

Das Gestaltungsmotto lautete "Genussregion Haßfurt / Franken - Zwischen Bier und Wein und Hiffenmark" und ist nun in farbenprächtiger Vielfalt zu bestaunen. "Dieses Konzept ist als eine Ode an die Heimat zu verstehen. Wo wir damals an der Wand in der Mittelmühlenunterführung die wunderschöne Architektur Haßfurts darstellen wollten, ist es dieses Mal die kulinarische Vielfalt unserer Heimat. Je älter man wird und je weiter man weg wohnt, wie in Thomas' Fall, wird einem bewusst, wie gut man es hier in Haßfurt und Unterfranken hat", sagte Tobias Marquardt, der hauptberuflich als Rettungsassistent tätig ist.
Natürlich haben die Künstler nicht einfach drauflos gesprüht. Mit Hilfe von Skizzen und Fotos wurde ein Konzept erstellt.
"Thomas hat die meiste Arbeit gehabt, da er die fotorealistischen Elemente und viel am Hintergrund gearbeitet hat. Ich habe die Kalligrafie gemalt", erläuterte Tobias Marquardt.


In sämtlichen Farben

Die beiden Künstler haben nach eigenen Angaben für das Werk in der Unterführung ungefähr 100 Lackdosen in sämtlichen Farben verbraucht. Wie viele Stunden für das gesamte Kunstwerk gesprüht und gepinselt wurden, sei "schwer zu sagen. Wir haben jeden Tag daran gearbeitet, zu zweit oder alleine, mal kurz und mal länger am Tag, insgesamt gut zwei Wochen", so Marquardt.

Die beiden Haßfurter kennen sich seit der ersten Klasse, also seit 28 Jahren. Vor 20 Jahren begannen die Freunde, gemeinsam Graffitis zu gestalten.


Nichts moralisch Verwerfliches

Volle künstlerische Gestaltungsfreiheit hatten die beiden 34-Jährigen. Sie haben sich lediglich dazu verpflichtet, keine moralisch verwerflichen Dinge zu malen - was "wir natürlich so und so nicht vorhatten. Seit der Bemalung der Mittelmühlenunterführung hat man hier vollstes Vertrauen in uns", freut sich Thomas Lesser, der aktuell in Berlin wohnt und als Entwicklungsingenieur arbeitet.

In erster Linie geht es bei Graffiti um die Styles. Das sind die jeweiligen Pseudonyme der Sprüher in aufwendigen, oft ab-strakten Schriftzügen (in der Ezo-Unterführung "Comfort" von Doe und "Teak" von Teak). Die bildlichen Darstellungen sind eigentlich nur Beiwerk, wenn natürlich auch sehr detailliert und perfekt umgesetzt. Abgerundet wird das gesamte Wandkonzept mit kalligrafischen Schriftzügen. Die beiden Künstler haben nach ihrer Darstellung eine Symbiose aus alter, alteingesessener Kunst und moderner, effektreicher Graffitikunst hergestellt.

Der Haßfurter Bürgermeister Günter Werner (FW) ist froh, dass "die wilde Schmiererei weg ist. Das neue, moderne Kunstwerk passt auf jeden Fall zum neuen Amtsgericht", sagte er.