Die ersten Reaktionen verrieten mitunter Enttäuschung: Das Goldstück mit einem Durchmesser von 37 Zentimetern, das im Jahr der Prägung 2004 die größte Goldmünze der Welt war, glänzt nicht. "Die ist doch nicht echt", mäkeln mehrere Skeptiker herum. "Gold von sich aus glänzt nicht, außerdem wurde die Münze gegossen", erklärt Timo Leukhardt vom Münchner Goldhaus "pro aurum" mit sonorer Stimme. Und verweist auf ein daneben liegendes Zertifikat, das die Echtheit belegt.

Jetzt ist die "Big Phil" zwar nur noch die drittgrößte Goldmünze der Welt, aber immerhin noch die größte Europas.

Gold bleibt begehrt, wie sich auch an der Kursentwicklung ablesen lässt, die seit der Jahrtausendwende förmlich nach oben schnellte.


Im Goldgeschäft aktiv

Ins Goldgeschäft will auch die Raiffeisen-Volksbank stärker einsteigen. "Wir haben zwar keine Goldreserven im Tresor, nur ein bisschen Handelsbestand", gibt Bankdirektor Norbert Knorr zu. Dennoch bietet sein Haus über "pro aurum" den An-und Verkauf, auch von Silber, Palladium und Platin, an. "Wir kommen auf Umsätze von 5000 bis 10.000 Euro im Monat", verrät Knorr. "Bisher war aber kaum bekannt, dass man über uns auch richtig Goldbarren kaufen kann."

Dabei arbeite man mit "pro aurum" mit einem seriösen Partner, anders als so manche Goldankäufer, die "wie Pilze aus dem Boden schießen", wie Timo Leukhardt meint.
Diese These machte er an einem Beispiel einer älteren Frau fest, der für ihre Habseligkeiten von einem Goldankäufer 6500 Euro geboten worden waren, während "wir auf einen Wert von 14.000 Euro kamen".
Timo Leukhardt: "Auf diesem Markt herrscht viel Unkenntnis." Eine Feststellung, die auch Raiffeisen-Marketingleiter Matthias Batzner bestätigen kann. "Es kamen heute Kunden ganz entspannt zum Schätzer, die dann total erschrocken waren, wie viel ihr Zeug tatsächlich wert ist."


Einmalige Gelegenheit"

Den größten Wert stellte aber die "Big Phil" dar, die auch Schulkassen anlockte. Spontan hatte Miriam Siedler von der Realschule ihre Deutschschüler aus der achten Klasse zur Präsentation gelockt. "Das ist doch eine einmalige Gelegenheit."

Und auch Schulklassen aus dem Friedrich-Rückert-Gymnasium nutzten die Gelegenheit. So auch "Shorty" Dürr, der sich wunderte, keine Sicherheitsvorkehrungen zu entdecken, als ein Erinnerungsfoto von ihm mit Münze gemacht wurde. Dabei übersah er total drei Augenpaare der Sakkoträger, die jeden argwöhnisch musterten, der sich dem Goldstück zu sehr näherte.

Über An- und Abtransport mochten sich die Sicherheitsleute nicht äußern "Das muss geheim bleiben, wir machen das ja öfters." Nur so viel war zu erfahren: Sie kamen nicht im gepanzerten Sicherheitsfahrzeug, sondern eher unscheinbar in einem Zivilwagen.


Schätze aus dem Morgenland

Gold, Silber, Diamanten - Schmuck hat eine ganz eigene, mysteriöse Aura, da ist sich die Frau mit dem Handsäckchen sicher. Vorsichtig greift sie hinein und holt ihre Schätze hervor. Armbänder, Ketten, Gürtel. Orientalische Arbeiten. Sie gäben ihr ein "weibliches Gefühl" beim Tragen, "strahlen Wärme aus."

Ihr Gegenüber, Marcus Sailler, klemmt sich ein Okular unter die Braue. Er ist gelernter Goldschmied; weiß, wann er eine Fälschung vor der Lupe hat. Doch die Frau wird nicht enttäuscht. "925 Silber", sagt er. Sterling also.

Eine Szene, wie man sie sich vielleicht im alten Abu Dhabi vorgestellt hätte; und tatsächlich liegt dieser Gedanke gar nicht so fern. Zwar hat die Frau das Land am arabischen Golf schon vor über 30 Jahren verlassen, doch war es genau dieser Ort, der sie in den Besitz ihrer heutigen Schätze brachte.

Von 1977 bis 1981 hat Sieglinde Duttle dort gelebt. Heute ist sie über 70 und überlegt, was sie ihren Kindern und Enkeln einmal vererben könnte. "Es bringt ja nichts, wenn ich das alles horte", meint sie. "Aber einschmelzen lassen kann ich es auch nicht." - "Nein", pflichtet ihr der Goldschmied prompt bei, "da hängen zu viele Emotionen dran".

Nun ist es aber nicht Abu Dhabi, sondern Ebern, das Schauplatz einer ganzen Schätzungswelle wird. Der Grund: Mitarbeiter von "pro aurum", dem Münchner Edelmetallhandelshaus, sind vor Ort; haben die größte Goldmünze der Welt dabei. 1,3 Millionen Euro ist die wert - da wollen auch die Eberner wissen, welche unverhofften Schätze vielleicht auf ihren Dachböden schlummern.


Warteschlangen beim Goldschätzer

In einem Büro der Raiffeisenbank sitzt Marcus Sailler - Goldschmied, Goldankäufer und Strahlenschutzbeauftragter in einem. Seit neun Uhr in der Früh hat er alle Hände voll zu tun. Zeitweise stehen die Kunden sogar Schlange - und es lohnt sich. "Heute morgen war jemand hier, der 37 alte Goldmünzen ausgekramt hatte", verrät er. "Bei einem Kurs von 34,825 Euro pro Gramm bekommt man dafür umgerechnet 7500 Euro!"
Von den Gerätschaften, die er auf seinem Schreibtisch aufgebaut hat, ist auch Sieglinde Duttle beeindruckt. "Wahnsinn, wie das funktioniert."


Modernste Technik im Einsatz

Dabei geht der Goldschmied immer gleich vor: Zuerst besieht er sich die Funde unter dem Okular; bei Silber ist vor allem der Stempel interessant, der Aufschluss über den Edelmetallanteil gibt. Dann kommt der Schmuck in das Behältnis eines Röntgenfluoreszenz-Analysators. Einige Sekunden vergehen - dann erscheint auf dessen Bildschirm die Materialzusammensetzung. Die Waage zeigt das Gesamtgewicht an - mit einer Formel wird das Reingewicht berechnet. Dann ein Blick auf den aktuellen Gold- oder Silberkurs; und die Frage nach dem Wert ist geklärt. "Was allein das Material betrifft", fügt Marcus Sailler hinzu. Denn, wer mit seinem Schmuckstück eine so außerordentliche Geschichte verbindet wie Sieglinde Duttle, gibt es nicht so einfach her.

"Ich kannte noch das alte Abu Dhabi", erzählt sie. "Ohne die Hochhäuser und Touristenattraktionen. Früher war das noch etwas ganz anderes. Die Armbänder und den Gürtel habe ich bei einem arabischen Silberhändler gekauft."

Außerdem hat sie ein Kreuz dabei, das ihr ein verstorbener Freund einst schenkte. Kleine, religiöse Verzierungen sind darin eingelassen. "Wahrscheinlich hat man eine Wachsform hergestellt und sie dann aufgegossen", überlegt der Fachmann.


Stichwort

Zum 15. Jubiläum der Anlagemünze Wiener Philharmoniker gab die Österreichische Münze 2004 eine 1000-Unzen-Version mit Nennwert 100 000 Euro heraus. Die "Big Phil" genannte Münze besteht aus 31,103 kg purem Gold. Sie hat einen Durchmesser von 37 cm und ist 2 cm dick.Entsprechend den 15 Philharmoniker-Jahren gibt es von der Rekordmünze auf der ganzen Welt nur 15 Stück. Ihr Materialwert beträgt etwa 1,3 Millionen Euro. Die Präsentation der Münze fand vor dem Wiener Riesenrad im Rahmen einer Galaveranstaltung statt, für die das Riesenrad in eine überdimensionale Goldmünze verwandelt wurde. Eine der Münzen ist im Foyer der Münchner Hauptzentrale von pro aurum ausgestellt, gestern war sie für einen Tag in Ebern zu sehen. Quelle: wikipedia