"Drogen verstehen" lautete der Titel eines Seminars, das die Mittelschule Ebern für die Schüler ihrer drei achten Klassen anbot. Referentin war Clara Brundyn von der Firma Elfi Blume Seminare, einem Personalentwicklungsunternehmen. Das Seminar wurde finanziert von der Audi-BKK. Deren örtlicher Vertreter, Klaus Fuchs erklärte den Hintergrund: "Die Krankenkassen müssen zahlen, wenn jemand krank ist", und Drogen verursachten hier eben hohe Kosten. Deshalb sei Geld für die Aufklärung als wesentliche Präventionsmaßnahme gut angelegt.
Clara Brundyn stellte fest, dass im Alter von etwa 14 Jahren oft der Grundstein für Suchtverhalten gelegt werde. Ihre Herangehensweise an das Thema stellte sich anders dar, als es lange Zeit üblich war, als nämlich ein Polizist in die Schulen kam, Abschreckung erreichen wollte, aber eher Neugierde weckte. Ganz und gar nicht schulmäßig, sondern durchaus offen zurückgreifend auf eigene Erfahrungen im Erleben von Drogenkonsum, verstand sie es, ihre Zuhörer eindringlich zu motivieren. "80 000 Euro bist du der Tabakindustrie wert, wenn du jetzt mit dem Rauchen beginnst", mahnte sie die Schüler vor dem Einstieg ins Rauchen.


"Stiller Krieg"

Sie bezeichnete es als einen "stillen Krieg gegen die Gesellschaft", an dessen Ende für den einzelnen die Selbstzerstörung stehe. Drogen - und da meinte die Referentin vor allem auch das Nikotin und den Alkohol - veränderten Gefühle, beeinflussten Berufslaufbahnen, seien eine große Gefahr. Als gefährlichste Droge nannte sie den Alkohol, verursacht er doch die meisten Schäden, weil er Schutzmechanismen außer Funktion setzt. Die tödlichste Droge ist ihren Worten nach der Tabak. Man gehe davon aus, dass die Zahl aller Kriegstoten der Menschheitsgeschichte nicht so hoch sei wie die der durch Drogenauswirkungen gestorbenen Menschen. "Aber das wird nicht so gefühlt", konstatierte die Referentin.

Mit Drogen, gerade mit Nikotin, werde sehr viel Geld verdient. Eine geschickt ausgeklügelte Werbung erziele mit Fehlinformation und Verführung eine hohe Wirkung. Clara Brundyn machte glaubhaft deutlich, dass, so paradox das klingen mag, die als Abschreckung auf den Zigarettenpackungen gedachten Bilder eher als Werbung dienten. Sie stellte vor, wie eine englische Zigarettenmarke bewusst mit Angstmachen und Tod Werbung betrieb und damit überragenden Erfolg hatte. Denn man habe festgestellt: "Das Gefühl der Angst ist der eigentliche Motor für Drogenkonsum".


Subtile Werbung

Auch auf die subtilen Formen der Zigarettenwerbung wies die Referentin hin. In vielen Filmen werde geraucht, obwohl dies gar nichts mit der Filmhandlung zu tun habe. In dem Film "Titanic" beispielsweise gebe es 180 Szenen mit fröhlich lachenden Rauchern. Oder der Film "Die neun Pforten" mit Johnny Depp in der Hauptrolle sei offenkundig als Raucherwerbefilm angelegt. Im Unterbewusstsein werde der Wunsch ausgelöst, es auch zu probieren, und das Gefühl von einer Echtheit vermittelt, die nicht existiert.

Einen weiteren Zahlenvergleich nannte Clara Brundyn. Wegen Heroinkonsums sterben in Deutschland jährlich 900 Menschen, an den Folgen von Nikotinkonsum 2600 in einer Woche. Trotzdem werde Rauchen als harmlos empfunden. Die Abhängigkeit beim Drogenkonsum funktioniere ähnlich wie beim Hunger, allerdings als falsches Hungergefühl. Der Gedanke "Ich habe Lust auf..." weiche bei der Zunahme der Abhängigkeit einem "Ich muss".

Und auf der Gefühlsseite werde aus Freude Zwang und Aggression. Wenn es dann zu spät ist und ein Konsument gerade von illegalen Drogen unter seiner Abhängigkeit leidet, könne er nicht mehr einfach aufhören.
Als Fazit des Seminars sieht Carla Brundyn das Ziel, bei den jungen Menschen ein neues Verständnis zu erreichen, um durch einen anderen Blick auf Drogen die Neugier darauf zu beseitigen. Denn diese sei der Ausgangspunkt in die Drogenfalle.