Die Kreisstadt beteiligt sich am deutschlandweiten Projekt "Eh-da-Flächen für mehr Artenvielfalt". Damit ist Haßfurt die erste Eh-da-Stadt in Franken. Der Initiative geht es darum, ungenutzte Flächen zum Lebensraum für Wildtiere und Pflanzen umzugestalten. Bei den Feldtagen, der großen Landwirtschaftsmesse auf dem Gut Mariaburghausen, informierten die Stadt und die Projektleiter über das, was in Haßfurt bisher umgesetzt wurde.
"Der Charme des Konzepts liegt nach meiner Einschätzung unter anderem darin, dass es eine Vielzahl von Profiteuren geben wird und dass es nicht zu Lasten von Landwirten geht, die heute ohnehin vor ganzen Bergen von Problemen zu stehen scheinen", sagte der Haßfurter Bürgermeister Günther Werner (FW). Wie der Name schon sagt, geht es bei dem Projekt darum, Flächen zu nutzen, die "eh da" sind, bisher aber in keiner anderen Art und Weise genutzt wurden.
Dabei handelt es sich unter anderem um Straßenböschungen, Wegränder, Verkehrsinseln, Bahndämme oder Grasflächen.

Um entsprechende Projekte zu verwirklichen, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Initiatoren des Eh-da-Projekts und den Besitzern der jeweiligen Flächen nötig. Die meisten dieser Flächen gehören den Kommunen, allerdings können sich auch Bürger auf ihrem Privatgrund engagieren. Auch die Landwirtschaft kann davon profitieren. Vor allem, da durch Eh-da unter anderem Lebensräume für Wildbienen geschaffen werden. "Ich weiß, dass Bestäubung wichtig ist. Ich weiß auch, dass Wildbienen dabei fleißiger sind als Honigbienen", sagt Klaus Merkel vom Gut Mariaburghausen. Der Landwirt ist daher ein aktiver Unterstützer des Projekts. "Mich überzeugt der Projektansatz, mit einfachen Mitteln mehr geeignete Lebensräume für Bestäuberinsekten zu schaffen."

Honigbienen sind die einzige Bienenart, die über mehrere Jahre in einem großen Bienenstaat lebt, weshalb sie für den Menschen zur Produktion von Honig und Wachs geeignet ist. Wildbienen, zu denen auch die Hummeln gehören, leben in kleineren Gruppen zusammen. Für diese sollen mit dem Eh-da-Projekt Lebensräume geschaffen und erhalten werden. Diese können unterschiedliche Formen annehmen, da die verschiedenen Wildbienenarten unterschiedliche Ansprüche haben.

Alles beginnt mit der Flächendetektion. Dabei werden zunächst am Schreibtisch Flächen gesucht, die für das Projekt in Frage kommen, die sogenannten Potenzialflächen. Im zweiten Schritt folgen dann Begehungen und Gespräche mit den verschiedenen Behörden und Interessenten, in denen gezielt "Maßnahmeflächen" ausgewählt werden, auf denen dann bestimmte Projekte umgesetzt werden. Begleitet wird die Umsetzung vom Monitoring, einem Prozess, der beobachtet, welche Arten und Lebensräume vorhanden sind und wie sich deren Zusammensetzung im Lauf des Projekts verändert.

Matthias Trapp vom projektbegleitenden Institut für Agrarökologie in Neustadt stellte auf den Feldtagen die in Haßfurt geplanten Maßnahmen vor. Er selbst kommt aus Haßfurt und sagte nun, er sei froh darüber, dass ihn sein Beruf nun wieder hierher führt. Im Zusammenhang mit den Eh-da-Flächen in Haßfurt erklärte er auch, dass es durchaus vorkommen werde, dass etwas, das den perfekten Lebensraum für eine Tierart darstellt, den Bürgern optisch nicht gefällt. "Diese Diskussion muss man dann aushalten", sagte er, selbst wenn zu befürchten sei, dass dem Bauhof an einigen Stellen schlampige Arbeit unterstellt werde.

Als Lebensraum für die verschiedenen Bienenarten können unter anderem Steinhaufen oder Trockenmauern dienen. Infrage kommen auch Holzstapel oder Rohbodenbiotope, also wenig bewachsene Flächen, auf denen sich beispielsweise Erdbienen in unterirdischen Bauten fortpflanzen können. Dazu kommen "Wildbienenhotels", in denen die Tiere in röhrenförmigen Strukturen ihre Brut aufziehen. Darin verarbeitet sind meist Schilf- und Bambusrohre, ebenso wie Löcher in Holz oder Ziegeln. Wichtig sind außerdem Nahrungsquellen für die Tiere. Hierfür gibt es beispielsweise Blühstreifen. Bei Blumenarten, die hierfür angepflanzt werden, gilt die Regel, dass heimische Arten bevorzugt werden.

In Haßfurt wurden bisher 45 Einzelmaßnahmen umgesetzt, damit ist das erste Eh-da-Projekt in Franken gleichzeitig auch das bisher größte in ganz Bayern. Als Beispiel für umgesetzte Maßnahmen in der Kreisstadt zeigte Trapp Bilder von den Grünflächen in der Umgebung der Parkplätze am Mainufer. Besucher der Feldtage hatten außerdem die Möglichkeit, bereits am Eingang der Landwirtschaftsmesse eine Eh-da-Maßnahme zu sehen. Hier war ein kombinierter Lebensraum mit Pflanzen und Brutmöglichkeiten aufgebaut.

"Wenngleich das nun geschnürte erste Maßnahmenpaket für die Haßfurter Eh-da-Flächen auf den ersten Blick vor allem auf die Förderung von Wildbienen, einer eminent wichtigen Tiergruppe, abzielt, profitieren natürlich auch andere Arten und Artengruppen von den Maßnahmen", sagte der Haßfurter Bürgermeister auf den Feldtagen. Klaus Merkel merkte an, dass von Steinhaufen unter anderem auch Schlangen profitieren können. Dass sich Trapp zunächst auf Flächen in der Innenstadt konzentriert hatte, müsse nicht das sprichwörtliche Ende der Fahnenstange sein, betonte der Bürgermeister. "Die Stadt Haßfurt ist Eigentümerin zahlreicher Flächen auch im Außenbereich, so dass auch hier potenzielle Eh-da-Flächen vorhanden sein dürften."