"Erlöst. Befreit! Optimiert?" Unter diesem Motto fand am Freitagabend in der Hofheimer Christuskirche ein Gottesdienst statt, der zwar von Frauen aus dem Dekanat Rügheim vorbereitet und durchgeführt wurde, aber Männer und Frauen gleichermaßen ansprechen wollte. Die musikalische Ausgestaltung übernahm der Rügheimer Singkreis unter der Leitung von Antje Hein.

In Lied, Text und Predigt mit Anspiel stieg man tiefer in die Anfangsgeschichten des Alten Testaments ein. Dabei wurde deutlich: Kein Text in der Bibel oder einer anderen religiösen Schrift hat solche Wirkungen auf das, was als christliches Frauenbild bezeichnet wird, wie die drei ersten Kapitel der Bibel.
Dies gelte sowohl für die Beziehung der Geschlechter untereinander, für die Aussagen über Mann und Frau und ihren jeweiligen Rang, ihre Gleichwertigkeit bzw. Unter- oder Überordnung als auch für die Stellung des Menschen in der Schöpfung insgesamt.


Eva in der Bibel


Frage man Menschen nach Frauen in der Bibel, so sei Eva diejenige, welche am häufigsten genannt wird - Adam und Eva, Eva und der Apfel, Eva und die Schlange werden dann oft genannt. Damit verbunden seien Klischees wie weibliche Verführung, Paradies und Sündenfall.
Dabei taucht Evas Name überhaupt nur dreimal (!) im Alten Testament auf, das Wort "Sünde" spielt gar keine Rolle, und der Apfel kommt überhaupt nicht vor.

Zum einen ist es die Kunst, die hier eine bedeutende Rolle spielt, wo Eva immer und immer wieder als Verführerin mit Schlange und Apfel dargestellt wurde. Zum anderen, so wurde deutlich, hängt es wohl auch mit der männlich geprägten Bibelauslegung zusammen, die bereits im Alten Testament beginnt und sich über Paulus und seine Schüler fortsetzt. Die Kirchenväter und eine nicht gerade frauenfreundliche christliche Auslegung haben über die Jahrhunderte hinweg das Übrige dazu beigetragen.


Vielfalt an Rollen für die Frau

Jahrhundertelang, so wurde in der Predigt deutlich, hatten Frauen in Kirche, Staat und Gesellschaft zu kuschen.
Welche Aufgaben in besonderem Maße auf die Frauen unserer Tage zukommen und von ihnen bewältigt werden müssen, wurde den Gottesdienstbesuchern in Dialogform nahegebracht. Neben Berufstätigkeit, Hausfrauen-, Mutter- und Großmutterpflichten soll die Frau von heute auch noch gelassen, gutaussehend und fit bleiben.Charlotte Seitz und Anngret Hunger zeigten dies auf.


Selbst gemachter Leistungsdruck

Und doch: Oberflächlich gesehen genießen Frauen inzwischen mehr Freiheiten als alle Generationen zuvor. Die neuen Freiheiten führen aber auch zu neuen Abhängigkeiten: Alles hängt von mir allein ab! Durch diese Selbstoptimierung - so glaubt man - kann man sich das Heil aus eigener Kraft schaffen. So entstehen neue Grenzen und vor allem ein großer Leistungsdruck.
Es wäre gut, so wurde bei der Predigt deutlich, wieder auf die entlastende reformatorische Erkenntnis zu hören, die klassische Botschaft der Rechtfertigung, wie sie Martin Luther formuliert hat: Gott liebt dich, so wie du bist. Auch werde Gott die befreiende Kraft geben, sich selber anzunehmen; Normen und Zwänge, die Schaden anrichten, solle man als solche entlarven und sich ihnen widersetzen, hieß es. "Nicht weil wir Evas Töchter sind, sondern weil wir Gottes Kinder sind - von Gott geschaffen, befreit und geliebt", sagten die Sprecherinnen.
Gegen Ende des Gottesdienstes hatten die Besucher Gelegenheit, "die Liebe Gottes spürbar werden zu lassen" durch eine Salbung mit Öl, verbunden mit persönlichen Segensworten.
Äpfel, die beim Verlassen der Kirche als "Mitgebsel" verteilt wurden, sollten zu Hause nochmals an den Frauengottesdienst erinnern. Die Kollekte, welche 200 Euro erbrachte, - wurde für das Frauenhaus in Schweinfurt erbeten.
Eine Nachfeier, zu der das Team aus Irmgard Beck, Betina Endres, Liselotte Fertinger, Annegret Hunger, Irmtraut Neubert, Karin Schneeweiß, Cornelia Schulze-Weidlich, Charlotte Seitz und Traudi Wießler allerhand Leckereien vorbereitet hatte, fand im evangelischen Gemeindehaus statt.



Jens Fertinger
Fotos: Fertinger

Zu den Bildern:

Kirchenschiff Trotz der "Italienischen Nacht" in Hofheim war es ein gut besuchter Abendgottesdienst, der auch heuer wieder vom "Rügheimer Singkreis" - vorne rechts - unter der Leitung von Antje Hein mitgestaltet wurde.

Salbung Gegen Ende des Gottesdienstes konnten sich die Besucher einen persönlichen Segenszuspruch geben lassen.

Predigt

Nachfeier Nach dem Gottesdienst warteten im Gemeindehaus leckere Dips und Brotaufstriche auf die Besucher.