Zwei Akustikgitarren und ein Keyboard – die Atmosphäre wirkt zurückhaltend. Harmonische Rhythmen, dazu klarer, melodischer Gesang: "Du willst mich infizieren, wo ich jetzt bin – meine letzten Worte für dich sind..." Der Refrain, der dann folgt, bildet in der Wortwahl einen Kontrast zu den verhältnismäßig weichen Klängen: "F**k dich, f**k dich Corona! Das ist mein allerletzter Gruß." Die Stimme aus den Boxen drückt wahrscheinlich das aus, was viele Menschen gerade denken – auch wenn sie es vielleicht nicht ganz so derb formulieren würden.

Mit ihrem Lied, das die einprägsame Zeile des Chorus zum Titel hat, machte sich die fränkische Deutschrockband Viva nicht nur etwas Luft in unangenehmen Zeiten, sie verfolgte auch einen guten Zweck: "Die Einnahmen der Streamings und der digitalen Downloads sind an den Corona-Nothilfefonds des Roten Kreuzes gegangen", erklärt Frontmann und Gitarrist Florian Rittweger.

Klassische Gesangsausbildung

Der Breitbrunner blickt auf eine sehr musikalische Vergangenheit zurück: "Mein Vater war Berufsmusiker – mir wurde das quasi in die Wiege gelegt", sagt er. Nachdem er Schlagzeug, Klavier und Bass – großteils in Eigenregie – gelernt habe, sei eine Spezialisierung auf die Gitarre erfolgt.

Diese und eine klassische Gesangsausbildung bei zwei verschiedenen Gesangspädagoginnen sind die Grundlage seines zweiten musikalischen Standbeins: Rittweger tritt seit über zehn Jahren als Hochzeitssänger auf. "Ich finde die Abwechslung geil. Ich spiele auf einem Deutschrockkonzert mit unglaublicher Stimmung und ein paar Stunden später singe ich bei einer Trauung in der Kirche", erzählt der Sänger und schmunzelt. Die Atemtechnik, die Teil seiner Gesangsausbildung gewesen sei, komme ihm bei dieser "Doppelbelastung" zugute – da der Druck der Stimme vom Zwerchfell ausgehe, werde die Stimme nicht heiser, erklärt er.

Für Heiserkeit bestand in den vergangenen Wochen jedoch ohnehin wenig Anlass: Die Bandproben sowie Liveauftritte vor Publikum mussten coronabedingt ausfallen. Einige Onlinekonzerte zu zweit und ein Autokonzert in Geiselwind waren die einzigen Ausnahmen, die in jüngster Vergangenheit für die Band möglich waren.

Von Covers zu eigenen Songs

Viva ging aus der Coverband "Javelin" hervor. Die coverte mitunter Songs von Jon Bon Jovi oder etwa von Bryan Adams. "Wir haben aber auch Sachen ,verrockt‘ – zum Beispiel Rapper Alligatoah", beschreibt Rittweger die ersten kreativen Schritte. Nach einer Namensänderung in "Viva" blieb die Besetzung gleich und die vier Bandmitglieder fokussierten sich fortan nur noch auf das Covern von Deutschrockbands: die Toten Hosen, Freiwild, die Ärzte, Böhse Onkelz und viele andere. "Alle Leute haben gesagt, das wird nicht funktionieren", sagt der Viva-Frontmann. Zu groß seien die Kontraste zwischen den einzelnen Bands und deren jeweiligem Publikum. Unterm Strich zählt für Rittweger nur eines: Qualitativer Deutschrock, der sich von politischen Extremen distanziert.

Mittlerweile stehen hauptsächlich Eigenkreationen auf dem Programm – und das mit Erfolg: Das Debütalbum "Lebenslang" schaffte es in der Erscheinungswoche sogar auf Platz 25 der deutschen Albumcharts. Es zeichnet sich nach Ansicht des Breitbrunners durch seine Vielseitigkeit aus. So nähere es sich teilweise als "rockige Popmusik" dem Mainstream an, sei im Kern aber immer noch typischer Deutschrock: "Schnelles Schlagzeug und tiefe Gitarren. Das geht zum Teil schon extrem nach vorne." Aber auch ruhigere Töne sind auf dem Album vertreten.

"Ich denke, unser Sound zeichnet sich durch sehr eingängige Hymnen aus, die definitiv rocken und im Ohr bleiben", fasst Rittweger das Werk zusammen.

"Das Leben als Inspiration"

Besonderes Augenmerk lege er auf die Identifikation der Hörer mit den Liedtexten. Die verfasst der Breitbrunner selbst. Obwohl die geschriebenen Inhalte auf dem Album oft recht plakativ sind, ist er sich des Interpretationsspielraums beim Hörer bewusst und begrüßt diesen sogar. So handle die Single "Eigene Armee" zum Beispiel von einem Pärchen, könne aber auch die Hymne eines Fußballteams sein.

"Das Leben als Inspiration" nutzend pressen Rittweger und seine Bandmitglieder die Texte mitsamt musikalischer Untermalung auf Platte – und das im wahrsten Wortsinn. Neben der Streamingmöglichkeit und dem Angebot auf CD gibt es das Debütalbum auch als Vinyl.

"Wir haben sehr viel analog gemacht. Das passt ganz gut von der Musik her", erklärt Rittweger diesen Schritt. Hinzu kommt seine persönliche Leidenschaft für Schallplatten – derer hat er reichlich. Ein Album auf Vinyl zu hören, sei für ihn ein intensiverer Musikgenuss, als ein Stream. "Ich bin Musiker, aber auch Musikfan", sagt der Breitbrunner und zeigt auf den Plattenspieler in seinem Wohnzimmer.