Dass es hier schön ist, wissen die Menschen, die sich hier heimisch fühlen und gar nicht daran denken, die Gegend zu verlassen: Die Naturparks Haßberge und Steigerwald, das Maintal und die Weinberge haben ihre Reize. Das sehen mittlerweile auch viele Auswärtige so, wie Gerhard Schmidt dem Kreistag-Ausschuss Wirtschaft und Tourismus gestern erklärte. Der Geschäftsführer der Tourist-Information Haßberge mit Sitz in Hofheim legte dem Gremium seinen Bericht vor. Der Ausschuss tagte im Landratsamt in Haßfurt.

Die Haßberge sind Klassenprimus

Die Zahlen sind vielversprechend: Seit Jahren entwickelt sich der Tourismus im Landkreis positiv und konnte im vergangenen Jahr sogar dermaßen zulegen, dass er in einem Bereich die Statistik für Beherbergungen anführt: "Wir sind Klassenprimus in ganz Franken mit der Zuwachsrate", erklärte Schmidt.
Die beträgt 15,4 Prozent. In Übernachtungen ausgedrückt sind das 331.806 (Vorjahr: 290.000).

Über den Gesamtzeitraum von 2009 bis 2012 ergibt sich sogar eine Zuwachsrate von 32,52 Prozent, wie Schmidt feststellte. "Da sind wir auch stolz drauf." Das habe dem Landkreis einen Gesamtbruttoumsatz von 61,6 Millionen Euro beschert (einbezogen sind hier alle Ausgaben, die ein Tourist im Zeitraum seines Aufenthalts tätigt, also Übernachtungskosten, Einkäufe und so weiter).

Ein Wermutstropfen allerdings ist das laufende Jahr 2013: Bislang sei hier im Zeitraum Januar bis Mai ein Rückgang um 2,6 Prozent bei den Übernachtungszahlen im Vergleich zu 2012 zu beobachten. Gründe dafür sind laut Schmidt die lange Kaltwetterphase, die verregneten Oster- und Pfingstferien und nicht zuletzt die jüngsten Überschwemmungen.

Dennoch sei der Landkreis relativ gut weggekommen, andere Gebiete in Franken hätten Rückgänge bis zu zehn Prozent zu verzeichnen. Zudem sagte Schmidt: "Ich will nicht übertrieben schwarzmalen, das Jahr ist erst am 31. 12. zu Ende." Übrigens: Bei den Übernachtungszahlen, die vom statistischen Landesamt übermittelt werden, sind nur Einrichtungen berücksichtigt, die über zehn Betten beziehungsweise Schlaf- und Stellplätze (Camping) anbieten.

Laut Schmidt kämen die ganzen gut gehenden Ferienwohnungen etwa in Zeil gar nicht in der Auflistung vor. Tatsächlich bewege man sich im Bereich Übernachtungen also stark auf die 400.000 vor. Deutschlandweit macht der Landkreis Werbung für sich als Urlaubsziel, ist auf vielen Messen vertreten, um die Region noch weitläufiger bekannt zu machen.

Kulinea-Fortsetzung ungewiss

Bei der Ausschusssitzung ging es auch um die Direktvermarktermesse Kulinea im Februar in Knetzgau, die die Organisatoren sowie Landrat Rudolf Handwerker (CSU) als Erfolg bezeichneten (4500 Besucher). Allerdings stehen über 50.000 Euro Defizit zu Buche. Es wird überlegt, die Messe fortzusetzen, allerdings soll die Organisation an einen externen Veranstalter abgegeben werden. Dadurch würden die Ausgaben vermutlich noch höher, wie die Ausschuss informiert wurde. Bevor hier eine Entscheidung getroffen werden kann, sollen konkrete Angebote von verschiedenen Veranstaltungsbüros eingeholt werden.

Überfüllte Schulbusse?

Weil es in Schulbussen wegen Sitzplatzmangels immer wieder zu Gedränge komme, hat die ÖDP vor dem Kreistag-Ausschuss Wirtschaft und Tourismus einen Antrag gestellt, Stehplätze in Bussen zu reduzieren.
In der Gemeinde Knetzgau wird dieses Thema schon seit einiger Zeit diskutiert. Dort hat sich sogar eine Bürgerinitiative gegründet, die eine Entlastung der Schulbusse zu den Stoßzeiten fordert, um mehr Sicherheit beim Transport der Schulkinder gewährleisten zu können.

Landrat Rudolf Handwerker (CSU) bezeichnete den ÖDP-Antrag als "völlig aussichtslos": Mit der ÖDP-Forderung ginge die Änderung eines Bundesgesetzes (Personenbeförderungsgesetz) einher, über das die zulässige Anzahl zu transportierender Personen festgelegt ist. Weitere Busse einzusetzen wäre unverhältnismäßig teuer.
Da aber die Ausschussmitglieder Klemens Albert (ÖDP) und Mark Zehe (CSU, Knetzgau) nicht locker ließen und zumindest zu Testzwecken den Einsatz weiterer Busse auf "notorisch überfüllten Linien" forderten, soll das Thema in weiteren Gremien diskutiert werden.