Inzwischen ist es nicht mehr zu übersehen: Das Gerüst um die Dekanatskirche und den Turm ist von weitem zu sehen, und immer wieder ist auch der Baustellenlärm zu hören. Die Renovierungsarbeiten schreiten voran und die Baustelle macht laut Dekan Jürgen Blechschmidt trotz der Corona-Krise jeden Tag Fortschritte.

Die Rügheimer Dekanatskirche wurde in den 1960er Jahren zuletzt renoviert. Seitdem sind einige kleinere Reparaturmaßnahmen zum Bauerhalt ausgeführt worden, aber weil die Schäden an den Holzteilen (Dachstuhl des Kirchenschiffes, Turm im oberen Bereich) und am Putz (innen und außen) größer geworden sind, hat der Kirchenvorstand im Jahr 2018 diese große Renovierungsmaßnahme beschlossen.

Ein neuer Farbanstrich

Die Genehmigung vom Landeskirchenamt ließ lange auf sich warten, aber nach Voruntersuchungen und den Beratungen mit dem Architekten und dem Denkmalschutz im Jahr 2019 konnten im Februar dieses Jahres die Arbeiten beginnen. Bis zum Herbst 2020 sollen diese abgeschlossen sein. Bisher wurde der Zeitplan eingehalten.

Repariert wird alles, was kaputt ist, und dann bekommt die Kirche innen und außen einen neuen Farbanstrich. Zurzeit arbeiten hauptsächlich die Firmen Seiler (Untersiemau) und Berchtold (Zeil) an der Kirche.

Fenster wird wieder geöffnet

Bis nach dem Zweiten Weltkrieg hat es im Altarraum der Kirche ein buntes Fenster gegeben, das - nachdem es kaputtgegangen war - zugemauert wurde. Dieses Fenster soll im Verlauf der Baumaßnahme wieder geöffnet und neu gestaltet werden.

Derzeit wird die Außenfassade des Kirchenschiffs repariert. Sie wurde schon verputzt und bekommt später einen neuen Anstrich. Außerdem wird der Dachstuhl repariert. Morsche Teile werden ersetzt und die beiden Dachgauben an der Westseite wurden entfernt.

Sorgen bereitet der Turm, denn die Schäden oben an der sogenannten "Laterne" zwischen der großen und kleinen Turmzwiebel sind größer als erwartet. Der Architekt und die Fachingenieure beraten darüber, was repariert, ausgetauscht und verstärkt werden muss.

Gottesdienste im Gemeindesaal

Ab der zweiten Juniwoche bis etwa Ende Juli wird die Baustelle in die Kirche "wandern". Die Gottesdienste werden in dieser Zeit dann voraussichtlich im Gemeindesaal stattfinden.

Der neue Anstrich innen und außen wird auch ein paar neue farbliche Akzente mit sich bringen. Es handelt sich um keine großen farblichen Veränderungen, sondern um kleine farbliche Erinnerungen an die Barockzeit, die die Restauratorin entdeckt hat. Ein Farbmuster kann an einem der Fenster und am Bogen zum Altarraum jetzt schon betrachtet werden.

Bisher gab es keine großen Schwierigkeiten und keine Unfälle auf der Baustelle.

Die Finanzierung

Finanziert wird die Maßnahme, die nach derzeitigem Stand circa 350 000 Euro kostet, aus Eigenmitteln der Kirchengemeinde (Rücklagenkonto der Kirche), mit einem Zuschuss der Evangelischen Kirche in Bayern und einer Kostenbeteiligung der Stadt Hofheim an der Reparatur des Turmes.

Geschichte der Kirche

Im Jahr 2014 feierte der Ort Rügheim sein 1200-jähriges Bestehen, denn 814 wurde er zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Pfarrsprengel von Rügheim ist sehr wahrscheinlich älter. Er muss bis in die zweite Hälfte des achten Jahrhunderts nach Christi zurückreichen. Er umfasste 20 Orte und hatte für die damalige Zeit eine sehr große Ausdehnung, nämlich von Norden nach Süden acht Kilometer und von West nach Ost 23 Kilometer.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden immer mehr Orte selbstständige Pfarreien und trennten sich von der Mutterkirche. Als letzte trennte sich 1592 Junkersdorf. So blieb als einzige "Schwestergemeinde" die Kirche in Kleinmünster.

Kirchenrechtlich gehörte der alte Pfarrsprengel Rügheim von der frühesten Zeit an zur Diözese Würzburg - bis zur Reformation, bei der er 1528 als eine der ersten Gemeinden in der Umgebung evangelisch wurde.

Zur Kirche in Rügheim

Entstehung Anfangs stand an dem Platz eine Holzkirche. Um 1150 wurde dort eine Steinkirche errichtet. Sie wurde "Unserer lieben Frauen" genannt, war also eine Marienkirche. Veränderungen Im Laufe ihrer Geschichte hat die Kirche eine Menge Umbauten erlebt. Noch heute zeugen die gotischen Fenster im Kirchenschiff und das gotische Chorgewölbe von ihrer Entstehungszeit im späten 15. Jahrhundert. Veränderungen im Außenbereich waren beispielsweise im Jahr 1734 die Erhöhung des Turms und die Errichtung eines Wachthäusleins für den Turmwächter. Neben diesen gotischen Elementen zeugt heute der Turm mit der so genannten "welschen Haube" von Umbauten in barocker Zeit. Renovierungen Bei den zahlreichen Innenrenovierungen wurde unter anderem 1691 die niedrige Decke in ein Gewölbe umgebaut, Anfang des 18. Jahrhunderts wurden die zwei Emporen eingebaut und schließlich mit biblischen Darstellungen aus dem Leben Jesu (untere Empore) sowie der Schöpfungsgeschichte bis zur Königszeit Davids (obere Empore) bemalt. Die Motive wurden im Laufe der Jahrhunderte übermalt und erst wieder bei einer Renovierung im Jahr 1965 freigelegt. Bei dieser Renovierung (bis 1971) wurden auch die Kanzel neu hergestellt sowie neue Beleuchtungen und Sitzheizungen installiert. Erhaltung 1993 bis 1995 gab es Erhaltungsmaßnahmen im Kirchenschiff, Chorraum und an den Außenwänden. Ausstattung Am dritten Advent 2000 konnten die Rügheimer ihre vier neuen Bronzeglocken einweihen. Im Oktober 2005 wurde die neue Orgel eingeweiht. Sie hat 1500 Pfeifen und 24 Register.