Charmant, aber auch derb, bitterböse und manchmal nicht ganz jugendfrei kritisiert Günter Grünwald, den das Fernsehpublikum von seiner Show am Freitagabend im Bayerischen Fernsehen kennt, ganz alltägliche Dinge aus seinem persönlichen Blickwinkel, so dass der Wiedererkennungswert für den Zuhörer groß ist.

Bevor er seinem Ärger über die Entwicklungen in der Gesellschaft Luft machte, entwarf er in der Fantasie ein tolles Bühnenbild. "Wir haben für Sie eine U-Bahn-Haltestelle mit allem Drum und Dran nachgebaut und auch ein paar jugendliche U-Bahn-Schläger organisiert. Denn ich sage immer: Das Auge sieht mit", schilderte er. Schade nur, dass das Publikum das nicht sehen könne. "Denn es liegt 20 Meter unter uns", so der Kabarettist. "Aber nach der Vorstellung können Sie runterfahren und mit der U-Bahn nach Hause fahren.
Denn ich dachte, wir könnten dieses Popelkaff gleich mit untertunneln!"

Schlag auf Schlag

Nach diesem humorvollen Einstieg ging es Schlag auf Schlag. Günter Grünwald machte keinen Hehl aus seinem Ärger über das so genannte Outsourcing: "Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass es kaum noch Menschen gibt, die etwas selber machen? Alles wird outgesourct!"

Dass das aber auch Nachteile haben könne, habe er am eigenen Leib gemerkt. "Ich habe für ein Taschengeld einen Tschechen beauftragt, ein Kabarettprogramm mit schrägen Nummern für mich zu schreiben. Doch leider hat er es auf Tschechisch geschrieben. Als ich es dann für viel Geld habe übersetzen lassen, stellte sich heraus, dass er nur die Bibel abgeschrieben hatte. Doch er meinte nur: Wenn dort keine schrägen Nummern drin sind, dann weiß ich nicht!"

Was Grünwald veranlasste, die "schrägen Nummern" von der unbefleckten Empfängnis oder dem Bau der Arche in die heutige Zeit zu "übersetzen". "Wenn es Gott gibt, hat er einen bizarren Humor", so sein Fazit. Gar nichts anfangen kann er mit Sprüchen wie "Neue Männer braucht das Land", mit Vernissagen, bei der der Künstler sagt: "Bei diesem Bild habe ich mir gedacht: Heit malst du ämol a Bildl" oder mit dem Unsinn, bei jedem Wehwehchen gleich zum Psychologen zu laufen.

Im schönen Plemplem-Land

Herrlich, wie er den Hype auf "ach so süße" Tierkinder in den deutschen Zoos mit einer Story über einen einbeinigen Tausendfüßler ad absurdum führte, so dass die Zuhörer Tränen lachten. "Wir leben im Plemplem-Land", untermauerte der Kabarettist eine Aussage, die er gerne immer wieder macht, und erklärte nach einem Ausflug in verschiedene Fernsehsendungen: "Deutschland ist zügig am Verblöden."

Am Schönsten waren seine lebendigen und bis ins Detail ausgearbeiteten Geschichten über Fahrten mit der Deutschen Bundesbahn, seine Schilderungen über den "Deppn", der immer schon da ist, wenn man kommt, und über unsinnige Erwartungen, die einfach nicht erfüllt werden können.

Die Erwartungen des Publikums jedenfalls hat Grünwald voll erfüllt. "Super gemacht, "ich war immer am Schmunzeln und Lächeln und "sehr unterhaltsam" urteilten etwa Thomas Hahn aus Michelau, Joachim Prause aus Werneck und Katja Rest aus Oberleichtersbach.