Um die Größenordnung greifbar zu machen, folgendes Beispiel: Wenn Stefan Giehl seine Gäste ans Ziel bringt, ist er als Fahrer zirka fünf Minuten eher da als die Leute im hinteren Teil seiner Limousine. So lang ist dieser Wagen!

Na gut, das war jetzt übertrieben, aber Übertreibung ist quasi das Geschäftsmodell von Giehls Stretch-Limousinen-Service, den er im unterfränkischen Raum anbietet: groß, luxuriös, extravagant, überdimensioniert, exklusiv.

Die Idee hat gepasst

Der 33-jährige Zeiler hat sich ein besonderes Nebengewerbe aufgebaut. Seit viereinhalb Jahren kutschiert er in langgestreckten Ami-Schlitten Menschen durch die Gegend. Die fühlen sich für einen Tag oder eine Nacht wie Krösus und feiern im hinteren Wagenteil, was das Zeug hält.
Das kommt ziemlich gut an, wie der Zeiler erklärt.

Angefangen hat Giehl 2010 mit dem Klassiker unter den "Stretch-Limos", einem weißen Lincoln Town Car. 8,60 Meter lang, 280 PS. Heuer hat Giehl seinen Fuhrpark vergrößert und den Hummer "H2 200 inch" angeschafft. Inch ist die englische Bezeichnung für die Maßeinheit Zoll und 200 Inch entsprechen 5,08 Metern - die Länge, um die der Original-Hummer in einer Spezialwerkstatt in den USA "gestretched" wurde. Insgesamt parken nun 10,50 Meter Geländefahrzeug vor Stefan Giehls Haus in Zeil. 490 PS schnaubt der Achtzylinder-Motor unter der Haube raus. Aus ökologischer Sicht der reinste Horror: 40 Liter Super-Benzin auf 100 Kilometer schluckt das schwarze Monster dafür im Gegenzug.

Darf's ein bissl unvernünftig sein?

Unvernünftiger geht kaum, das weiß auch Giehl, aber genau darauf basiert die Geschäfts-Idee: Seine Kunden wollen einen Abend lang leben in Saus und Braus, so tun als seien sie steinreich: Sie lassen sich chauffieren, bedienen, sie feiern und sind für einige Stunden der Nabel der Welt - "Ich verkaufe ihnen dieses Gefühl", sagt Giehl. "Wenn acht Männer zum Ballermann fliegen, fängt der Urlaub schon in der ,Limo‘ an."

Die Idee dazu hatte er selbst bei einem Urlaub, als er 2009 in die USA mit Kumpels nach Las Vegas gereist war. In der Casino-Stadt mitten in der Wüste Nevadas ließen die Freunde es krachen, nachdem die Urlaubskasse durch einen Gewinn am Roulette-Tisch aufgebessert worden war. "Dort standen die Limousinen am Straßenrand", erinnert sich Giehl. Per Handzeichen konnte man die Luxuskarren herrufen.

Die Freunde feierten die ganze Nacht, verprassten Geld und waren sich hinterher einig: Das war es wert. "Es war bis jetzt mein bester Urlaub", sagt Giehl. Wieder daheim in Zeil, begann er zum Thema Stretch-Limousinen zu recherchieren. Im näheren Umkreis gab es keine entsprechenden Angebote, wie er erzählt, erst in Nürnberg und hinter Würzburg wurde er fündig. Für den ländlichen Raum in Unterfranken um Haßfurt sah er Potenzial.

Und siehe da: Giehl hatte offenbar einen Nerv getroffen. Sein weißer Lincoln war ein gefragtes Vehikel an Wochenenden. Schließlich wagte er die Expansion und kaufte den Hummer H2. Ein gute Idee, wie Giehl glaubt, denn der Wagen ist eine Rarität in Deutschland, nur 40 bis 50 Stück gibt es hierzulande von diesem Modell, schätzt der Zeiler. Und wegen neuer gesetzlicher Vorgaben bekomme man hier auch keine Zulassung mehr für diese Fahrzeuge.

Kindheitstraum verwirklicht

Was der Hummer genau kostet, will Giehl nicht verraten, das sei auch von der Ausstattung abhängig. Nur soviel: unter 100 000 Euro geht nichts. "Ich kann anders investieren, denn ich muss meinen Lohn nicht rausziehen", sagt der Angestellte. Der Limousinen-Service beanspruche seine komplette Freizeit. "Aber es macht mir Spaß", versichert er. Er habe sich damit so etwas wie einen Kindheitstraum verwirklicht. Früher hatte er immer erzählt, er wolle einmal der Chauffeur einer reichen Person werden. "Das ist jetzt zumindest so ähnlich", sagt er und lacht.

Den 6200 Kilogramm schweren Hummer darf er übrigens mit seinem normalen Führerschein fahren, weil er den vor 1999 gemacht hat - er darf Fahrzeuge mit bis zu siebeneinhalb Tonnen Gewicht fahren. Etwas Übung braucht das Fahren mit dem ungelenken Monster dann aber doch.